Libyen :
Die Besitzer des Blutes

Lesezeit: 11 Min.
Blutbesitzer: In Murzuk haben sich Stammesvertreter der Tubu versammelt, deren Angehörige im vergangenen Jahr im Kampf gegen arabische Milizen getötet wurden.
In Sabha, tief in der Wüste Libyens, gibt es auch lange nach dem Tod Gaddafis keinen Frieden. Dabei brauchte es gerade hier, wo Schmuggler und Dschihadisten ihr Unwesen treiben, Ruhe und einen starken Staat.

Jene, die Besitzer des Blutes genannt werden, wollen diesen Frieden nicht. Sie sagen, sie seien gar nicht gefragt worden. So wie der Alte, der vor seinem geduckten Häuschen im Schatten sitzt, geschützt vor den harten Sonnenstrahlen, versteckt hinter einer Mauer, in der noch die Einschusslöcher zu sehen sind. „Ich will erst Gerechtigkeit“, sagt er. Nicht weit von hier haben sie an einem Kreisverkehr eine Plakatwand aufgestellt mit den Bildern der Toten. Es sind nicht die Gesichter der „Märtyrer“, die im Kampf gegen den Tyrannen Muammar al Gaddafi fielen, wie sie sonst überall in Libyen zu sehen sind. Hier in Sabha, im entlegenen Süden des Landes, hat die Gewalt kein Ende genommen, als der Aufstand gegen Gaddafi vorbei war. Die Gesichter auf der Plakatwand gehören den Toten, die umkamen, als die Tubu, eine schwarze Bevölkerungsgruppe, die auch in Tschad und Niger lebt, und arabische Stammeskämpfer einander bekriegten.

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