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Libyen : Die Besitzer des Blutes

Medien werden manipuliert

Das sind Worte, die auch bei den Tubu mit großem Interesse vernommen werden. Molema lässt sich sogar zu dem Bekenntnis hinreißen, dass er ihnen Glauben schenkt. Die Regierung hat das Problem erkannt, aber sie sieht die Probleme der Tubu nicht als eine der dringendsten Schwierigkeiten des Landes an, das hat sie zumindest ausländischen Partnern gegenüber deutlich gemacht. Eine wohlwollende Rede, ein neues Krankenhaus würden schon viel helfen, doch das Misstrauen der Tubu wird durch die Untätigkeit in Tripolis weiter befeuert. „Warum reagiert die Regierung nicht?“, fragt der Alte in Sabha vor seinem beschädigten Haus. Kürzlich hätten sie deshalb in ihrem Viertel demonstriert. „Das Staatsfernsehen hat berichtet, es sie eine Demonstration wegen des defekten Abwassersystems gewesen“, sagt der Alte. Die Medien seien manipuliert worden. Da alles solle unter den Teppich gekehrt werden.

Immer wieder fügen sich so Nachrichten und Signale aus der Hauptstadt auf wundersame Weise in ein düsteres Bild, das man sich schon vor langer Zeit gemacht hat. Da gibt es zum Beispiel den Fall Abelmajid Saif al Nasr, den Spross einer einflussreichen Familie unter den Awlad Suleiman, die zu Zeiten des Königs noch die Gouverneure des Südens stellte. Er gilt als Strippenzieher, gehörte zum Nationalen Übergangsrat der Gaddafi-Gegner, stand später dem Nationalen Sicherheitskomitee in Tripolis vor. Seine Familie ist mit der von Ministerpräsident Ail Zaidan befreundet. Zaidan höre ihm zu, sagen erfahrene Beobachter in Tripolis. Für die Mehrheit der Tubu aber steht fest, dass Zaidan von Abelmajid Saif al Nasr wie eine Marionette kontrolliert werde. Das Friedensabkommen sei nur geschlossen worden, damit schnell Gras über die Sache wachse, um ihn, den Drahtzieher, vor Strafverfolgung zu schützen, sagen viele.

Da gibt es den Fall Abdelwahab al Gayed, der ein Führer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe war, die mit Al Qaida im Bunde stand, sich aber offiziell vom Terrorismus losgesagt hat. Gayeds Bruder ist der 2012 getötete ranghohe Al-Qaida-Führer Abu Yahya al Libi. Nach dessen Tod sei eine Al-Qaida-Delegation aus Algerien angereist, um ihm zu kondolieren, sagen die Tubu. Sie wollen es mit eigenen Augen gesehen haben. Jener Gayed war für den Aufbau der Grenzschutzeinheiten zuständig, bis er 2012 in den Nationalkongress einzog, und er ist nicht der einzige Vertreter der islamistischen Kampfgruppe, der einen wichtigen Posten in den neuen Sicherheitsbehörden erhielt. Tubu-Führer Molema saß lange Jahre gemeinsam mit den militanten Islamisten der Kampfgruppe im Gefängnis, kämpfte mit ihnen gegen Gaddafi. „Gute, furchtlose Krieger sind das“, sagt er. Jetzt seien das aber die Feinde eines neuen demokratischen Libyens, sagt er. Die Umgebung Gayeds, so heißt es in Sabha, habe ihre Finger außerdem in kriminellen Geschäften, die auch die Hoffnungslosen unter den jungen Tubu anlockten.

Für manchen Tubu-Vertreter steht fest, dass die Regierung in Tripolis mit radikalen Islamisten und auch Al Qaida im Bunde stehe, welche die Tubu wieder vertreiben wollten. Neutrale Beobachter in Tripolis hegen auch Zweifel an der Läuterung der militanten Islamisten und sehen es als problematisch an, dass einige von ihnen einflussreiche Posten bekleiden. Sie kommen aber eher zu dem Schluss, dass die neue Führung wahrscheinlich gar keine andere Wahl hatte, als auch islamistische Milizen und ihre Anführer unter das Dach der offiziellen Sicherheitskräfte zu holen. Sie sei eben zu schwach.

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