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Libyen : Botschafter Amerikas in Libyen getötet

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Angriffe auch in Kairo

Anlass der islamistischen Angriffe in Benghasi und zuvor von Unruhen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo war die Veröffentlichung eines in den Vereinigten Staaten produzierten Videos im Internet, das den Propheten Mohammed in einer Weise darstellt, die von Muslimen als beleidigend empfunden wurde. Wegen der Unruhen hatte die diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten in Kairo alle Amerikaner aufgerufen, die Innenstadt der ägyptischen Hauptstadt zu meiden. Bei dem Angriff auf das Konsulat in Benghasi, das offenbar mit den Protesten in Kairo in Verbindung stand, zogen sich die libyschen Sicherheitskräfte, deren Aufgabe der Schutz der diplomatischen Vertretung gewesen wäre, zurück, als Unbekannte das Feuer eröffneten. Angreifer stürmten das Gelände, warfen Spreng- und Brandsätze, Plünderer trugen Möbel und Geräte davon.

In Kairo waren die Sicherheitsvorkehrungen vor der amerikanischen Botschaft in den vergangenen Wochen gelockert worden, da sich das Verhältnis Washingtons zum neuen ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi verbessert hatte. Doch die Ankündigung des umstrittenen Priesters Terry Jones aus Florida, am elften Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 in seiner Gemeinde einen Film über das Leben Mohammeds zu zeigen, brachte konservative Muslime abermals gegen Amerika auf. Der aus der islamistischen Muslimbruderschaft stammende Mursi äußerte sich bis zum späten Mittwochnachmittag nicht zu dem Vorfall, was Aktivisten aus dem liberalen Lager kritisierten. Das ägyptische Außenministerium betonte die Notwendigkeit, die Botschaften fremder Staaten und in Ägypten lebende Ausländer zu schützen.

Unversöhnlich: Islamisten zerreißen die amerikanische Fahne auf dem Botschaftsgelände in Kairo.
Unversöhnlich: Islamisten zerreißen die amerikanische Fahne auf dem Botschaftsgelände in Kairo. : Bild: dapd

Ägyptische Medien hatten seit Tagen über den Film mit dem Titel „Die Unschuld der Muslime“ berichtet. Ein Sprecher der Muslimbruderschaft kündigte für Freitag Proteste an. Die Vereinigten Staaten forderte er zu einer förmlichen Entschuldigung auf; „Verrückte“ müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Knapp eine Viertelstunde des von dem israelisch-amerikanischen Bauentwicklers Sam Bacile aus Kalifornien gedrehten und produzierten Films ist seit Juli im Internet zu sehen. Der Zeitung „Wall Street Journal“ sagte Bacile, etwa 100 jüdische Spender hätten den Film mit insgesamt fünf Millionen Dollar unterstützt; auch Morris Sadek, Vorsitzender der konservativen Nationalen Amerikanischen Koptischen Versammlung, setzte sich für die zweistündige Mohammed-Satire ein.

Die im Internet zugänglichen Ausschnitte des Films zeichnen ein diffamierendes Porträt des Propheten, der als blutrünstiger Dummkopf mit unklarer Vaterschaft, als Frauenheld und Kinderschänder gezeigt wird. Das Video beginnt mit Bildern eines islamistischen Mobs, der ein koptisches Viertel in der ägyptischen Provinz angreift. Die Männer der „Islamischen Ägyptischen Polizei“ lassen sie gewähren.

Bei den Protesten in Kairo stürmten unbewaffnete Demonstranten am Dienstag das amerikanische Botschaftsgelände, rissen die amerikanische Flagge herab, zerrissen sie und hissten eine schwarze Fahne mit der arabischen Aufschrift des muslimischen Glaubensbekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet“. Die Flagge ähnelte jener, die auch vom Terrornetz Al Qaida benutzt wird. An die Wand des Botschaftsgebäudes sprühten sie am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September den Namen des getöteten Al-Qaida-Führers Usama bin Ladin.

In einer ersten Mitteilung hatte sich die amerikanische Vertretung in Kairo noch von dem Filmemacher mit den Worten distanziert, dieser habe „das universelle Recht auf freie Rede zu missbraucht, um die religiösen Gefühle anderer zu verletzten“. In einer Erklärung des State Departments hieß es später: „Die Vereinigten Staaten verurteilen jede gezielte Bemühung, andere Glaubensrichtungen zu verunglimpfen. Aber um es ganz deutlich zu machen: Das ist niemals eine Rechtfertigung für gewaltsame Akte dieser Art.“

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Unser Autor: Martin Benninghoff

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