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Libanon : Warum Christen mit der Hizbullah kämpfen

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Auf christlich-schiitischer Patrouille: In Ras Baalbek teilen sich Muslime und Christen die Aufgabe, den Ort vor dem Untergang zu schützen. Bild: DIEGO IBARRA SANCHEZ/The New Yor

Wie kann es sein, dass Christen Seite an Seite mit Islamisten kämpfen? Ganz einfach: aus Verzweiflung. Die Bewohner von Libanons Bekaa-Ebene fürchten eine Offensive des „Islamischen Staats“. Da ist ihnen jeder Verbündete recht.

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          In einem großen Schwung schmeißt Beni Stefanopoulos die Bettdecke zur Seite und legt den Blick frei auf sein kostbarstes Stück: eine Kalaschnikow. Fein säuberlich drapiert neben zwei Reservemagazinen liegt das Sturmgewehr auf einer Matratze im Eingangsbereich seiner Wohnung, durch deren offene Fenster frische Bergluft hereinweht. Im Hintergrund rauscht ein Funkgerät, an den Wänden hängen ein Kruzifix und Ikonen griechisch-orthodoxer Heiliger. Erst morgens ums sieben sei er von seiner letzten Patrouille zurückgekommen, sagt Stefanopoulos, der sich an diesem Sonntag in dunkelblauem Anzug und silbern schimmernder Krawatte fein gemacht hat für den Kirchenbesuch und gleich zwei Beerdigungen.

          Wenn er die Zeit dazu hätte, könnte er in diesen Wochen auch vier oder fünf Trauerfeiern am Tag besuchen, sagt der groß gewachsene Mann und zeigt auf die hohen Berge hinter seinem Haus: Dort, keinen halben Kilometer entfernt, hätten sich die Kämpfer des „Islamischen Staats“ (IS) festgesetzt und warteten nur darauf, Ras Baalbek anzugreifen. Seit mehr als einem Jahr verbreiten die Dschihadisten Angst und Schrecken in der Gemeinde mit ihren 7000 Einwohnern, fast ausschließlich Angehörige der melkitischen, griechisch-katholischen Kirche. Nur eine Handvoll Familien seien orthodoxe Christen wie er, sagt Stefanopoulos.

          Doch für die mordenden und brandschatzenden Gotteskrieger spiele das ohnehin keine Rolle, da ist sich der Christ mit den grauen Haaren ganz sicher. In ihren Augen seien alle, die nicht dem von IS-Kalif Abu Bakr al Bagdadi vorgegebenen Weg folgten, Ungläubige: Schon im vergangenen Sommer überfielen sie die Nachbargemeinde Arsal, wo Tausende vor dem Krieg geflohene Syrer Zuflucht gesucht haben. Fünfundzwanzig bei dem Angriff entführte Soldaten halten sie bis heute als Geiseln gefangen und drohen damit, sie hinzurichten – wie im September einen schiitischen Rekruten.

          Vier Jahre nach Beginn des Aufstands gegen Diktator Baschar al Assad ist der Konflikt auch im Libanon angekommen. Nirgendwo spüren das die Bewohner mehr als in der Bekaa-Ebene. Wie Arsal liegt auch Ras Baalbek auf der wichtigen Nachschublinie der Dschihadisten ins sunnitische Hinterland des Libanons, das auf IS-Karten schon ein Teil von Bagdadis Kalifat ist. In die Gefechte im syrischen Qalamun-Gebirge auf der anderen Seite der Grenze sind deshalb Hunderte Hizbullah-Kämpfer verwickelt. Die schiitische Hizbullah fürchtet, dass die Kämpfer Bagdadis sie um ihre Vormachtstellung in diesem gesetzlosen Gebiet bringen könnten, fernab der am Mittelmeer gelegenen Hauptstadt Beirut. Die Gefallenen der Hizbullah werden nun vor allem an den Wochenenden in den vielen kleinen Orten der Bekaa-Ebene beerdigt; Plakate, die den getöteten „Märtyrern“ huldigen, hängen überall an Häusern und Laternenpfählen.

          Ein neues Kriegsgebiet ist so entstanden – nach Syrien und dem Irak, wo der „Islamische Staat“ trotz der Luftschläge der von Amerika geführten Anti-IS-Allianz weiter große Territorien kontrolliert. Unzählige Armeetransporter sind auf den Straßen Ras Baalbeks und der umliegenden Gemeinden unterwegs. Wer die Schnellstraße von der Christenhochburg Zahlé vorbei an der Hauptstadt der Hizbullah, Baalbek, entlangfährt, um die Hänge des Libanon-Gebirges im nordöstlichsten Zipfel des Landes zu erreichen, muss ein halbes Dutzend Kontrollpunkte passieren.

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