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Libanon : Waffenkäufer der Hizbullah getötet

Public Viewing in Beirut: Eine Rede Hassan Nasrallahs wird im Fernsehen übertragen. Bild: dpa

Im Libanon ist ein enger Vertrauter des Hizbullah-Anführers Hassan Nasrallah erschossen worden. Eine bisher unbekannte Gruppe will dafür verantwortlich sein.

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          Die libanesische Hizbullah-Bewegung hat die Ermordung eines ihrer Führungsmitglieder nahe der Hauptstadt Beirut bekannt gegeben. Hassan al Laqiss sei in der Nacht zum Mittwoch vor seinem Haus in dem Ort Hadath östlich von Beirut ermordet worden, berichtete der Hizbullah-Sender Al Manar am Mittwoch. Laqqis saß demnach in seinem Auto und wurde durch einen Schuss in den Kopf getötet. Die Hizbullah machte Israel für den Anschlag auf ihren Waffeneinkäufer verantwortlich. Es habe bereits mehrere vergebliche Mordversuche gegeben. Israel werde die „gesamte Verantwortung“ für das Verbrechen tragen müssen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Israel bestritt jedoch jede Tatbeteiligung. Der Sprecher des Außenministeriums sagte, Israel habe mit diesem Vorfall nichts zu tun. Die Hizbullah solle lieber in ihrem eigenen Tun Erklärungen suchen, empfahl er. Stattdessen bekannte sich eine bisher nicht bekannte Gruppe zu dem Attentat. Die „Brigade Ahrar al Sunna von Baalbek“ will laut einer eigenen Erklärung, die als Twitter-Nachricht verbreitet wurde, den Anschlag verübt haben. Die Existenz einer solchen Gruppe lässt sich nicht bestätigen.

          Botschaftsanschlag als Hintergrund?

          Baalbek ist neben dem Süden Libanons das zweite wichtige Siedlungsgebiet der libanesischen Schiiten. Von dort aus unterstützt die Hizbullah das syrische Regime in Damaskus. Laqqis soll noch am heutigen Mittwoch in Baalbek bestattet werden. Er soll enge Beziehungen zum syrischen Präsidenten Assad und zu mehreren iranischen Generälen unterhalten und im syrischen Bürgerkrieg gekämpft haben.

          Der Generalsekretär der Hizbullah, Hassan Nasrallah, dem Laqiss nahegestanden hat, hatte wenige Stunden vor dem Attentat in einem Fernsehinterview Saudi-Arabien für den Anschlag auf die iranische Botschaft am 19. November im Süden Beiruts verantwortlich gemacht, bei dem 25 Personen getötet worden waren. Nasrallah warf dem saudi-arabischen Geheimdienst vor, für den Anschlag die extremistischen Abdullah-Assam-Brigaden aus Syrien benutzt zu haben. Zunächst hatte Iran Israel beschuldigt, hinter dem Angriff zu stecken.

          Sohn Laqiss' fiel 2006

          Während Iran und die Hizbullah im syrischen Bürgerkrieg das Regime von Präsident Baschar al Assad unterstützen, steht Saudi-Arabien auf der Seite der sunnitischen Aufständischen. Einheiten der Hizbullah waren im vergangenen Mai maßgeblich an der Rückeroberung der Stadt Qusair beteiligt, in der die Rebellen zuvor die aus dem Libanon kommenden Waffen in ganz Syrien verteilt hatten.

          Das heutige Attentat auf Laqiss könnten demnach sowohl der israelische Geheimdienst Mossad wie auch radikale, von Saudi-Arabien unterstützte Sunniten verübt haben. Ebenfalls nicht eindeutig aufgeklärt ist das Attentat auf Imad al Mughniyeh, der im Februar 2008 in Damaskus ermordet worden war. Mughniyeh hatte als Kommandeur des militärischen Flügels der Hizbullah und Chefstratege im Juli 2006 maßgeblich den einmonatigen Krieg gegen Israel angeführt, in dem auch ein Sohn Laqqis‘ getötet worden war.

          Die Hizbullah beschuldigt bis heute Israel, Mughniyeh getötet zu haben. Als nicht ausgeschlossen gilt aber auch, dass er das Opfer eines innersyrischen Machtkampfs gewesen könnte.

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