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Libanon : Viele Tote bei Anschlag auf Hizbullah in Beirut

  • Aktualisiert am

Nach dem Anschlag im Süden Beiruts Bild: REUTERS

Bei einem Autobombenanschlag auf ein Gebäude der Hizbullah in Beirut sind mindestens 24 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Eine sunnitische Gruppe bekannte sich zu der Tat.

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          Bei einem Anschlag in der Nähe der Zentrale der Hizbullah sind am Donnerstagabend in der libanesischen Hauptstadt Beirut mindestens 24 Menschen getötet und mehr als 200 verwundet worden. Autos brannten aus, Häuserfassaden wurden zerstört, eine dichte Rauchwolke stieg über dem Ort des Anschlags auf. Der Sender der Hizbullah, Manar TV, bezeichnete den Anschlag als einen Akt des Terrors; die Hizbullah zahle den Preis für ihre Politik, sagte der Kommentator. Übergangsministerpräsident Nadschib Mikati erklärte den Freitag zu einem nationalen Tag der Trauer.

          In der Nähe des Orts, an dem die Autobombe detonierte, befindet sich auch das Gebäude, in dem der Generalsekretär der Hizbullah, Hassan Nasrallah, sein Büro unterhalten soll. Das dicht besiedelte Wohnviertel im Süden Beiruts, das am Übergang von Bir al Abed nach Rueis liegt, ist Kernland der schiitischen Parteimiliz. Es wird von deren Sicherheitsleuten zwar gut bewacht; Autos werden kontrolliert. Viele Lieferwagen fahren aber täglich die zahlreichen Geschäfte an.

          Des Anschlags bezichtigte sich eine bisher unbekannte Gruppe mit dem Namen „Aischa Umm al muminin“ (Aischa, die Mutter der Gläubigen). Aischa war die Tochter des zweiten Kalifen Abu Bakr und eine der Ehefrauen Mohammeds. Sie bekämpfte den vierten Kalifen Ali, auf den sich die Schiiten berufen. Sollte die Selbstbezichtigung zutreffen, haben extremistische Sunniten den Anschlag verübt. In einem Video, das die Gruppe verbreitet, sagt ein Vermummter, der nicht im libanesischen Dialekt spricht, der Anschlag sei „eine Botschaft an die Schweine Nasrallahs“. Die Hizbullah hatte zuletzt wiederholt Drohungen von sunnitischen Oppositionsgruppen in Syrien erhalten. Die gemäßigte Freie Syrische Armee der syrischen Opposition verurteilte indes den Anschlag. Im Juni waren zwei Raketen im Süden Beiruts eingeschlagen, Anfang Juli detonierte bereits eine Autobombe.

          Auch der UN-Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilten den Anschlag. Der libanesische Präsident Michel Suleiman äußerte, der Anschlag trage „die Handschrift des Terrorismus und Israels“. Das israelische Außenministerium wies dies als „lächerliche Erfindungen“ zurück, „die davon ablenken sollen, dass die Hizbullah den Libanon in einen Sumpf der Gewalt gezogen hat“. Der israelische Präsident Schimon Peres sagte, er sei überrascht von den Anschuldigungen. „Das Blutvergießen im Nahen Osten muss gestoppt werden, Israel ist nicht beteiligt, und ich werde mich nicht zu weiteren Einzelheiten äußern“, sagte Peres nach Angaben der Website „ynet“.

          Der syrische Bürgerkrieg greift immer mehr auf den Libanon über. Die Hizbullah, die auch im Libanon in einem Konflikt mit den Sunniten steht, kämpft in Syrien an der Seite der Armee des Assad-Regimes gegen die überwiegend sunnitischen Rebellen, unter denen sich auch Sunniten aus dem Libanon befinden. In Syrien selbst wurden durch Artilleriebeschuss auf einen Vorort der Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Aktivisten mindestens 14 Zivilisten getötet. Unter den Opfern seien vier Kinder und eine Frau, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Die Armee habe den südlichen Bezirk Mleha am Donnerstagabend im Zuge ihrer Offensive gegen Rebellenstellungen in den Hauptstadtbezirken mit Mörsergranaten beschossen. Am Freitagmorgen standen zudem der Vorort Muadamidscha al Scham südwestlich von Damaskus und die nördlichen Bezirke Dschabrud und Rankus unter Feuer, wie die in London ansässige Beobachtungsstelle weiter mitteilte.

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