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Libanon : Sie kannten seine Ziele und Termine

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Der Sarg mit der Leiche von Wissam al Hassan wird durch Beirut getragen. Bild: dpa

Nach dem Mord an Wissam al Hassan, dem Leiter des Geheimdienstes der Internen Sicherheitskräfte im Libanon, weisen viele Spuren nach Syrien; in jedem Fall waren die Täter bestens unterrichtet. Der Druck auf die Regierung in Beirut wächst, die Lage im Land wird noch gefährlicher.

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          Nun ruht Wissam al Hassan an der Seite seines einstigen Chefs. Tausende Libanesen strömten am Sonntag auf Beiruts Märtyrerplatz, wo der Leiter des Geheimdienstes der Internen Sicherheitskräfte (ISF) zwei Tage nach seiner Ermordung beerdigt wurde. Sein Grab befindet sich unter demselben schlichten Metalldach wie die letzte Ruhestätte Rafiq Hariris, der im Februar 2005 bei einem Anschlag in Beirut getötet wurde. Eigentlich hätte Hassan damals auch in dem Konvoi des langjährigen libanesischen Ministerpräsidenten sitzen sollen, der durch eine Hunderte Kilogramm schwere Bombe in die Luft gesprengt wurde. Doch wegen eines überraschend angesetzten anderen Termins begleitete Hariris Protokollchef ihn nicht auf seiner letzten Autofahrt.

          Mehr als sieben Jahre nach der Ermordung von „Mr. Lebanon“ ist Hassan am Freitag selbst Ziel eines Anschlags geworden - und viele in Beirut sagen, die Täter seien die gleichen wie am Valentinstag 2005. Der Anschlag auf Hariri war über Monate geplant worden, und auch Hassans Mörder wussten über dessen Bewegungen genau Bescheid. Er war erst am Abend vor dem Anschlag aus Frankreich in den Libanon zurückgekehrt; nicht einmal der Chef der ISF, Aschraf Rifi, war darüber informiert, dass Hassan am Freitag bereits zurück in Beirut war. Dass die Bombe in einer kleinen Seitenstraße des Sassin-Platzes im christlichen Stadtteil Aschrafieh plaziert worden war, in der Nähe einer geheimen ISF-Unterkunft, die Hassan in einem unbewachten Wagen verließ, weist darauf hin, dass die Täter seine Ziele und Termine bestens kannten.

          Hariris Sohn Saad, der im Januar 2010 als Ministerpräsident von der mit Syrien verbündeten Hizbullah gestürzt wurde, und andere Politiker des vom Westen unterstützten 14.-März-Bündnisses ließen am Wochenende keinen Zweifel daran, wer Hassan ihrer Meinung nach umgebracht habe: das Regime Baschar al Assads. Der Massenaufmarsch auf dem Märtyrerplatz am Sonntag weckte Erinnerungen an jenen Tag, nach dem die antisyrische Allianz benannt ist: Mehr als eine Million Libanesen demonstrierten am 14. März 2005 gegen das syrische Regime. Anderthalb Monate später zog Assad die letzten der 1976 während des Bürgerkrieges einmarschierten syrischen Truppen aus dem Libanon zurück.

          Fast täglich Beschuss aus Syrien

          Die gegenwärtige Situation - 19 Monate nach Beginn der Revolution gegen den syrischen Präsidenten - ist aber eine andere als während des „Beiruter Frühlings“. Der Anschlag auf Hassan dürfte den Libanon einen weiteren Schritt in den Bürgerkrieg im Nachbarland hineinziehen. Rafiq Hariris Beerdigung am 16. Februar 2005 war noch geprägt vom Wunsch nach einem Ende der syrischen Protektoratsherrschaft. Hunderttausende zogen damals auf den Märtyrerplatz im Zentrum Beiruts. Der Marsch war der Beginn einer von amerikanischen Regierungsbeamten als „Zedernrevolution“ bezeichneten antisyrischen Protestwelle, die im Libanon als „Unabhängigkeitsaufstand“ gefeiert wurde. Eine internationale UN-Untersuchungskommission machte Assads Geheimdienste im Oktober 2005 für den Mord an Rafiq Hariri verantwortlich.

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