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Kurdische Grenzstadt : Neue Luftangriffe auf IS-Stellungen in Kobane

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Bis zu drei Stadtviertel von Kobane hätten die Dschiahadisten bereits erobert, hieß es am Montagabend. Bild: AP

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon appelliert an „alle, die die Mittel dazu haben“, die Bevölkerung von Kobane zu schützen. In der nordsyrischen Stadt toben heftige Straßenkämpfe, mehrere Stadtteile sind unter Kontrolle der Dschihadisten.

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          Die Kämpfe zwischen Dschihadisten der Gruppe „Islamischer Staat“ (IS) und kurdischen Milizionären in der nordsyrischen Stadt Kobane haben sich nach Angaben von Aktivisten auf Viertel im Süden und Westen ausgeweitet. Zudem habe es neue Luftangriffe der von den Vereinigten Staaten geführten Koalition auf IS-Stellungen im Osten der Stadt gegeben, teilten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und ein Aktivist vor Ort am Dienstag mit. Die IS-Dschihadisten hatten zuvor drei Viertel im Osten der syrischen Stadt an der Grenze zur Türkei erobert.

          Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP auf der türkischen Seite der Grenze berichteten von anhaltenden heftigen Schusswechseln in Kobane. Nach Behördenangaben aus der türkischen Stadt Suruc nahe Kobane passierten über Nacht etwa 700 Flüchtlinge die Grenze, darunter auch Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Von den Flüchtlingen seien 47 verletzt gewesen, auch sieben Leichen seien über die Grenze gebracht worden.

          Ban Ki-moon:  „Ein barbarischer Feldzug“

          Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hat zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kobane aufgerufen. Wie ein Sprecher Bans am Montag in New York mitteilte, appellierte der Generalsekretär dringend an alle, die die Mittel dazu hätten, sofort zum Schutz der Bevölkerung zu handeln. Diese Forderung erhob Ban vor dem Hintergrund der „groben und grausamen Verletzungen der Menschenrechte“, die die Terroristengruppe während ihres „barbarischen Feldzugs“ in der Region begangen habe. Ban verfolge mit erheblicher Sorge die IS-Offensive gegen Kobane (arabisch: Ain al-Arab) im Norden Syriens, die zu massiver Flucht von Zivilisten und vielen Toten geführt habe, hieß es weiter in der UN-Mitteilung.

          Die Terrormiliz ist nach Angaben von Aktivisten in Randbezirke Kobanes eingerückt und liefert sich heftige Gefechte mit kurdischen Kämpfern. Mustafa Bali von der kurdischen Mediengruppe „Freie Medienunion“ sprach am Montagabend auf dpa-Anfrage von massiven Straßen- und Häuserkämpfen. Kurdische Volksschutzeinheiten würden sich den Extremisten in östlichen Gebieten der Stadt entgegenstellen und Zivilisten und lokale Amtsträger zur nahe gelegenen türkischen Grenze in Sicherheit bringen. Die Dschihadisten seien mit Panzern vorgerückt und setzten darüber hinaus Autobomben ein.

          Mutmaßliche Kämpfer des „Islamischen Staats“ neben einer IS-Fahne, die auf einem Hügel in der syrischen Stadt Kobane weht.

          Die IS-Kämpfer hätten eine Industriezone sowie die Viertel Maktala al-Dschadida und Kani Arabane in ihre Gewalt gebracht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montagabend mit. Erstmals setzten die Vereinigten Staaten bei ihren Angriffen gegen den IS im Irak Kampfhubschrauber ein.

          Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sprach von „guerillaartigen“ Kampfszenen in Kobane. Hunderte Zivilisten seien aus Angst vor den Dschihadisten, die für ihre brutale Gewalt bekannt sind, aus dem Osten der Stadt in die Türkei geflohen.

          Trotz heftiger Gegenwehr der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Luftangriffen der internationalen Militärallianz rücken die Dschihadisten seit Tagen unaufhaltsam vor.

          Erstmals hissten die Dschihadisten nach kurdischen Angaben ihre schwarze Fahne an einem mehrstöckigen verlassenen Wohngebäude am östlichen Rand der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei. Während der Gefechte schlug abermals eine Mörsergranate in einem Haus im Nachbarland ein. Die türkische Armee griff trotz eines parlamentarischen Einsatzmandats jedoch auch am Montag nicht in die Kämpfe ein. Kurden warnten vor einem Massaker.

          Türkische Soldaten beobachten von ihrer Seite der Grenze die Kämpfe - ohne einzugreifen.

          Die türkische Regierung sagte den Kurden in Kobane zwar Unterstützung zu. Einen schnellen Einsatz von Bodentruppen gegen die Terrormiliz IS in der umkämpften syrischen Stadt stellte Ankara aber nicht in Aussicht. „Wir werden alles nur Mögliche unternehmen, um den Menschen in Kobane zu helfen“, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem amerikanischen Fernsehsender CNN. „Bodentruppen zu schicken ist aber natürlich eine andere Entscheidung.“ Wenn man in Kobane eingreife, müsse man in ganz Syrien intervenieren.

          Nach Angaben des Chefs der selbsternannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, hissten IS-Extremisten ihre Fahne auf einem einzelnen mehrstöckigen Gebäude, das etwa einen Kilometer von dem eigentlichen Ort entfernt ist.

          Die IS-Dschihadisten haben bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen, Zehntausende Menschen flohen in die Türkei. Etwa 5000 Kurden stellen sich nach Angaben aus Kobane derzeit den IS-Extremisten entgegen.

          Türkische Panzer und Soldaten blieben weiterhin an der Grenze stationiert, schritten aber nicht ein. Am Donnerstag hatte das Parlament in Ankara der türkischen Regierung erlaubt, zum Kampf gegen Terrororganisationen wie die IS-Miliz künftig Soldaten nach Syrien und in den Irak schicken. Doch Ankara fordert auch den Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Den PKK-nahen Kurden steht die Türkei skeptisch gegenüber.

          Der syrische Kurdenpolitiker Salih Muslim warf der Internationalen Gemeinschaft Versagen vor. „Die Welt schweigt“ angesichts des drohenden Massakers, kritisierte der stellvertretende Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD nach Angaben der kurdischen Agentur Firat. Die Luftangriffe der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten auf IS-Extremisten in der Umgebung von Kobane reichten nicht aus. „Wenn es den Vereinigten Staaten ernst wäre, könnten sie sie innerhalb kurzer Zeit zurückschlagen.“ Muslim rief alle Kurden dazu auf, sich umgehend dem Kampf anzuschließen. „Wer immer handeln wird, sollte das jetzt tun.“

          Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene IS-Terrormiliz beherrscht inzwischen weite Landstriche in Syrien und im Irak. Die Extremisten stehen an mehreren Orten in Syrien auch an der Grenze der Türkei. Trotz internationaler Luftangriffe gelang es ihnen in den vergangenen Wochen, in neue Gebiete vorzurücken.

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