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„Künftig heftigere Vergeltung“ : Türkischer Armeechef droht Syrien

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Unter den Augen Atatürks: Der türkische Generalstabschef Özel (links) an der Grenze zu Syrien Bild: REUTERS

Der türkische Armeechef Özel hat Syrien mit „noch heftigeren“ Gegenschlägen gedroht, sollte der Beschuss auf türkisches Staatsgebiet anhalten. Amerika entsandte unterdessen 150 Militärberater nach Jordanien.

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          Der türkische Armeechef Necet Özel hat Syrien mit heftigeren Vergeltungsschlägen gedroht, falls der Beschuss aus dem syrischen Nachbarland auf türkisches Staatsgebiet anhalten sollte. „Wenn das weitergeht, werden wir noch heftiger, noch schlimmer reagieren“, sagte der Generalstabschef am Mittwoch bei einem Besuch in der Grenzstadt Akcakale, in der in den vergangenen Tagen mehrmals Granaten aus Syrien eingeschlagen waren. „Wir haben sofort geantwortet und (den Syrern) schwere Verluste beigebracht“, sagte er nach einer Meldung des türkischen Fernsehsenders NTV.

          Die türkische Armee hatte nach dem Einschlag mehrerer syrischer Artilleriegeschosse in türkischen Grenzprovinzen in den vergangenen Tagen mit Artilleriefeuer auf syrisches Gebiet reagiert. Seit einem Parlamentsbeschluss für eine mögliche Militärintervention in Syrien am vergangenen Donnerstag werden die türkischen Truppen an der Grenze laufend verstärkt. Auch zusätzliche Kampfflugzeuge wurden in die Region verlegt.

          General Özel, der seit Montag die türkischen Truppen an der Grenze inspiziert, besuchte in Akcakale die Familie der zwei Frauen und drei Kinder, die am Mittwoch vergangener Woche beim Einschlag einer syrischen Granate ums Leben gekommen waren. Von einigen Bewohnern Akcakales wurde der General mit Jubelrufen gefeiert. Özel reagierte mit erhobener Faust und der Antwort: „Wir sind hier, wir stehen aufrecht.“

          Washington schickt Militärberater

          Die Vereinigten Staaten versuchen unterdessen mit Hilfe der Nachbarn Syriens festzustellen, ob chemische Waffen in Lagern der Regierung von Präsident Baschar al Assad weiterhin sicher sind. „Wir sind weiterhin über die Sicherheit die Lagerstätten besorgt“, sagte der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta am Mittwoch in Brüssel nach einem Nato-Ministertreffen. „Wir wären gerne sicher, dass diese Chemiewaffen nicht in falsche Hände geraten.“

          Panetta sagte, die amerikanische Armee habe 150 Militärspezialisten nach Jordanien geschickt. Man stehe auch mit der Türkei in Kontakt. Die amerikanischen Soldaten in Jordanien helfen nach Angaben Panettas der Regierung in Amman auch, „Einsatzfähigkeiten für einen Notfall zu entwickeln: „Sie helfen ihnen (den Jordaniern), ein Hauptquartier zu bauen und sorgen dafür, dass wir zwischen den Vereinigten Staaten und Jordanien eine so starke Beziehung haben, dass wir mit allen möglichen Konsequenzen der Geschehnisse in Syrien umgehen können.“

          Syrien: Türkei will Pufferzone durchsetzen

          Die syrische Führung warf der Türkei unterdessen vor, sie habe die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung „Al-Watan“ schrieb am Mittwoch, Ziel dieser Taktik sei es, die Einrichtung eines „befreiten Gebietes“ im Norden der syrischen Provinz Idlib durchzusetzen.

          Die Zeitung, die einem Cousin von Präsident Assad gehört, schrieb: „Die Türkei will eine Pufferzone auf syrischem Gebiet durchsetzen, die dann angeblich von der „Freien Syrischen Armee“ kontrolliert wird, praktisch aber von der türkischen Armee geschützt wird. In diesem Gebiet sollten dann nach dem Willen der Türkei Lager für Vertriebene entstehen.“

          Aktivisten berichteten am Mittwoch von heftigen Kämpfen in den Provinzen Idlib und Homs. In Idlib hätten die Regierungstruppen zehn Menschen getötet. Unter den Toten sei ein Deserteur. In Homs seien zahlreiche Familien in Richtung Libanon geflohen, hieß es. Am Dienstag waren nach Informationen der oppositionellen Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter landesweit mehr als 200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 51 Angehörige der Regierungstruppen.

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