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Krieg in Syrien : Schlacht um Aleppo

Der Kampf um die Metropole dürfte noch länger andauern. Doch die Schlacht ist ein Wendepunkt und der Krieg in Syrien orientiert sich wieder stärker an konfessionellen Konfliktlinien.

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          Ein Ende der Entscheidungsschlacht um Aleppo ist zwar nicht abzusehen. In den vergangenen Tagen schuf die bisher größte Schlacht des syrischen Kriegs jedoch in zwei Punkten Klarheit. Zum einen ist der Kampf um Aleppo ein Wendepunkt im Syrien-Krieg, weil sich als Repräsentant des Aufstands gegen das Regime eine militante islamistische Allianz durchgesetzt hat. Das Bündnis, das um den bisherigen Ableger von Al Qaida in Syrien entstand, ist im Kampf gegen das Regime und dessen Verbündete am erfolgreichsten. Es profitiert davon, dass die verzweifelte Zivilbevölkerung inzwischen jede Form von Herrschaft akzeptiert, solange damit die Rückkehr zu etwas Normalität verbunden ist.

          Die Schlacht um Aleppo zeigt zum anderen, dass der Krieg wieder stärker entlang konfessioneller Konfliktlinien geführt wird. Die Hauptlast des Kampfes gegen die sunnitischen Regimegegner lag in den vergangenen Tagen auf den Eliteeinheiten der schiitischen Hizbullah aus dem Libanon. Die Kämpfer waren von weither zusammengezogen worden, um zu verhindern, dass die islamistischen Rebellengruppen den vom Regime kontrollierten Westen Aleppos belagern. Möglich geworden war deren Vorstoß, weil nach dem Treffen der Präsidenten Russlands und der Türkei in der vergangenen Woche russische Kampfflugzeuge kaum noch den Osten Aleppos bombardiert und so den von der Türkei unterstützten Rebellen wieder etwas Luft verschafft hatten.

          Russland kommt derweil zugute, dass die jüngste Säuberungswelle in der Türkei den transatlantischen Flügel der Armee geschwächt und den eurasischen gestärkt hat. Die eurasische Fraktion sah ihre Aufgabe stets in der Wahrung regionaler Interessen, etwa in der Bekämpfung der Kurden, weniger in der Allianz mit dem fernen Amerika. Wie weit die neue russisch-türkische Zusammenarbeit geht, wird sich in Nord-Syrien zeigen. Die gute Nachricht vom Wochenende ist zwar, dass ein Bündnis kurdischer und arabischer Kämpfer den IS aus dessen Hochburg Manbidsch vertrieben hat. Daran wird deutlich, dass die Kurden die wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den IS sind. Auf Drängen Ankaras könnte sich jedoch ändern, dass – neben Amerika – auch Russland die syrischen Kurden unterstützt. In Aleppo mag sich einiges geklärt haben. Es kann sich aber weiterhin niemand vorstellen, wie Syrien in Zukunft regiert werden könnte.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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