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Krieg in Syrien : Der Stoßtrupp des Dschihad

Begehrte Kämpfer in Syrien: der Tschetschene „Muslim Abu Walid“ in einem auf YouTube verbreiteten Video Bild: Youtube

Die Tschetschenen gelten in Syrien als knallharte Kämpfer. Tausend sind schon da. Auch aus Deutschland zieht es immer mehr zu ihnen. Ein blonder Hüne ist der Star. Er hat die „Soldaten Syriens“ gegründet.

          Muslim Abu Walid bleibt ganz ruhig. Flugzeuge der syrischen Armee donnern über ihn, nebenan schlägt es ein, doch er verzieht keine Miene. „In Tschetschenien hat man uns schlimmer beschossen, noch stärker bombardiert“, sagt er. „Aber arbeiten kann man trotzdem.“ Dann ruft er seinen Kämpfern „Geht auseinander!“ zu, bevor er weiterredet in dem Propagandafilm, der im Internet kursiert.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Mann versteht es, sich als Held zu inszenieren. Für seine Anhänger ist er ein charismatischer Führer, ein Che Guevara des Dschihad. Sein Äußeres trägt dazu bei. Denn Muslim Abu Walid wirkt nicht wie ein finsterer Kommandeur der Terrorbrigaden. Er hat langes dunkelblondes Haar und hellblaue Augen. Und trägt einen roten Rauschebart, der ihm den Anschein von Gutmütigkeit verleiht. Der 42 Jahre alte großgewachsene Mann gehört zu einer Volksgruppe, die unter den Dschihadisten in Syrien hohes Ansehen genießt: den Tschetschenen. Sie sind knallharte Krieger, der Stoßtrupp des Dschihad.

          „Soldaten Syriens“ begeistern Radikalisierte

          Der Wikinger, wie der Mann auch genannt wird, ist für Dschihad-Reisende von München bis Berlin eine Größe. „Er ist ein Idol für die Islamistenszene in Deutschland, bis vor kurzem wollten alle Syrien-Reisenden zu ihm“, heißt es unter Verfassungsschützern. Eine ganze Reihe sind bei seiner Organisation namens Junud al Sham („Soldaten Syriens“) gelandet. Ein Salafist aus Bayern, der sich der Truppe angeschlossen hatte, kam nach Angaben des bayerischen Verfassungsschutzes vor einigen Monaten bei einem Gefecht ums Leben.

          Ein anderer, der bei Junud al Sham kämpfte und später den Rückweg antrat, wird sich in einigen Wochen vor einem Münchner Gericht verantworten müssen. Eine Gruppe von Salafisten, so heißt es beim bayerischen Verfassungsschutz, habe weiter Kontakt zu den Kämpfern von Muslim Abu Walid in Westsyrien. Das könne „dazu führen, dass weitere ausreisewillige Salafisten motiviert werden, sich dieser Gruppierung anzuschließen“.

          Was ist das für ein Mann, der deutsche Dschihad-Reisende begeistert? Muslim Abu Walids richtiger Name ist Murad Margoschwili. Er stammt aus dem Pankisi-Tal in Georgien, an der Grenze zu Tschetschenien. Rund 7000 ethnische Tschetschenen leben dort. Der Clan der Margoschwili gehört zu den einflussreichen Großfamilien. Der Schmuggel mit Waffen, Drogen und Menschen ist ein traditionelles „Handwerk“ im Pankisi-Tal. In den beiden Kriegen, die die Tschetschenen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit Moskau führten, war es ein Rückzugsgebiet. Moskau drohte zwischenzeitlich damit, das Tal zu bombardieren.

          Unerkannt in Tschetschenien in Haft

          Margoschwili hatte als junger Offizier in der sowjetischen Luftabwehr in der Mongolei gedient. Im zweiten Krieg in Tschetschenien kämpfte er gegen Russland, schloss sich der Einheit des islamistischen Feldkommandanten Ibn al Chattab an. Der Araber hatte in Afghanistan gekämpft und zog Mitte der neunziger Jahre nach Tschetschenien. Durch sein militärisches Geschick wie seine Grausamkeit war er berühmt und berüchtigt. 2002 konnten die Russen ihn töten.

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