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Krieg in Syrien : Der Stoßtrupp des Dschihad

Treffpunkt Rahman-Moschee im Wedding

Als Harun P. am 1. April in Prag landete, wurde er festgenommen und nach Deutschland überstellt. Der Generalbundesanwalt erließ Ende Mai Haftbefehl, Ende Oktober wurde Anklage erhoben. Im Februar soll er sich vor dem Oberlandesgericht München verantworten.

Die wachsende Zahl von Tschetschenen, die in den salafistischen Netzwerken aktiv sind, beunruhigt die deutschen Sicherheitsbehörden. In Berlin zählen mehr als zwei Dutzend Tschetschenen zum harten Kern der Hauptstadtszene. Die Rahman-Moschee im Wedding ist ein Treffpunkt für Tschetschenen in Berlin, dort wird die Predigt auch ins Russische übersetzt. Die Moschee wirbt zwar nicht für den Dschihad, gilt aber als offen für Salafismus. „Wer sich radikalisieren will, kann dort andocken“, sagt die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke.

Viele junge Tschetschenen, so heißt es im Bundesamt für Verfassungsschutz, sind besonders gewaltbereit. Das hat sich vor wenigen Wochen in Straßenkrawallen gezeigt. Auslöser der Auseinandersetzungen war der Krieg in Syrien und im Nordirak, vor allem waren es die Angriffe des „Islamischen Staates“ auf Yeziden im Sindschar-Gebirge und die Schlacht um Kobane, wo Tschetschenen auf der Seite des IS kämpfen. Am 7. Oktober kam es zu Ausschreitungen zwischen etwa 400 Tschetschenen und Yeziden in Celle, nachdem ein yezidischer Jugendlicher einen tschetschenischen Altersgenossen als Salafisten beschimpft hatte.

40 Strafverfahren in Deutschland

Die Polizei konnte am Folgetag verhindern, dass die Gruppen wieder aufeinander losgingen. Doch die Aufregung verbreitete sich rasch über Celle hinaus. In Hamburg prügelten sich einen Tag später am Steindamm Kurden und Salafisten, auf jeder Seite 400 Mann. Unter den Salafisten, so schätzen Hamburger Sicherheitsbehörden, befanden sich bis zu 50 Tschetschenen. „Wenn die Lage sich zuspitzt, etwa wenn Kobane fällt, dann wird es auch in Deutschland wieder zu Auseinandersetzungen kommen“, heißt es in Hamburger Sicherheitskreisen. In Berlin schätzt man das genauso ein.

Wie sehr das Problem tschetschenischer Kämpfer in Syrien Deutschland betrifft, zeigt auch ein Blick auf die Strafverfahren des Generalbundesanwalts in Karlsruhe. Der führt mittlerweile rund 40 Verfahren gegen Dschihadisten aus Deutschland, die sich Terrorgruppen in Syrien und im Nordirak angeschlossen haben.

Zehn dieser Verfahren laufen wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung von Margoschwilis Truppe Junud al Sham. Die große Zahl tschetschenischer und anderer russischsprachiger junger Leute in Deutschland sehen Verfassungsschützer als Reservoir, das Leute wie der Tschetschenenführer in Zukunft noch stärker nutzen werden. Noch sei man zum Glück nicht bei österreichischen Verhältnissen, heißt es. In der Alpenrepublik sind schon 160 Islamisten nach Syrien in den Dschihad gereist. Rund die Hälfte von ihnen sind Tschetschenen.

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