https://www.faz.net/-gq5-880q9

Krieg in Syrien : Assads Armee gehen die Männer aus

Dem bedrängten Diktator Assad gehen die Männer aus, der Ruf der Armee ist schon lange nicht mehr tadellos. Bild: dpa

Immer mehr alawitische Anhänger des Regimes kehren Syrien den Rücken, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Die Kritik an den Streitkräften nimmt zu – und damit der Druck auf Baschar al Assad.

          Seine Eltern, sagt er, wollten bleiben. Sie wollten sich um Großmutter kümmern, das Haus, ihre Heimat nicht zurücklassen. „Was passiert, passiert“, habe sein Vater gesagt. Er will seine Heimat nicht mehr verlassen. Dafür sei es zu spät. Der besorgte junge Mann, der vergeblich versucht, seine Eltern zu überreden, ihm ins sichere Europa zu folgen, stammt aus einer angesehenen Alawitenfamilie in Latakia, einer Bastion des Regimes Baschar al Assads. Er und seine Freunde haben den Machthaber in Damaskus lange unterstützt. „Jetzt wollen viele nur noch weg“, sagt er.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die meisten Menschen, die Syrien in Richtung Europa verlassen, fliehen vor den Angriffen von Assads Luftwaffe. Vor den Granaten, Raketen und Fassbomben, die täglich auf die von der Opposition gehaltenen Gebiete niedergehen. Doch auch in den Regionen, die zum Kernland des Assad-Regimes gehören, kommen die Einschläge näher, verfangen die Bilder der erleichterten Flüchtlinge bei ihrer Ankunft im Westen. Auch von hier machen sich immer mehr Hoffnungslose auf die Reise – vor allem die Jungen.

          Die meisten fliehen vor dem Militärdienst. Dem bedrängten Diktator gehen die Männer aus. Der Ruf der Armee ist schon lange nicht mehr tadellos. Die Kritik an den Streitkräften nimmt zu, an unfähigen Offizieren etwa, die sich einen Dreck um das Wohl der einfachen Soldaten scherten. „Man hat doch höchstens zwei Monate zu leben“, sagt einer, der noch in Latakia lebt. „Die Armee verheizt die jungen Männer“, sagt auch der junge Alawit, der seine Familie in Latakia zurückgelassen hat und schon in Europa ist.

          Funktionäre probieren sich in Propagandatiraden

          Er erzählt die Geschichte von zwei Freunden, die im verwüsteten Aleppo in einem ewig umkämpften Gefängnis belagert wurden. „Als die Blockade gebrochen wurde“, sagt er, „hat man sie einfach weggeschickt.“ Keinen Piaster hätten sie in der Tasche gehabt, sie hätten auf dem Dach eines Busses quer durchs Land in die heimische Küstenregion fahren müssen. Es sind Bilder wie jene aus dem Sommer 2014, die auch die Armee-Apologeten befremdeten: Einfache Soldaten wurden da in Unterhosen von der von den Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) eroberten Luftwaffenbasis Taqba zu ihrer Exekution geführt – während sich die Kommandeure rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten.

          Damaskus fällt es immer schwerer, zu verbergen, dass es die jungen Männer fortzieht. Funktionäre versuchen in bizarren Propagandatiraden, den Krieg als eine westliche Verschwörung darzustellen, die einzig dem Ziel diene, Syrien zu entvölkern. Bleiben sei patriotische Pflicht. Würdenträger der Alawiten, der Bevölkerungsgruppe Assads, haben eine Initiative gestartet, um die fliehenden Militärdienstverweigerer zu stoppen.

          Topmeldungen

          Nichts fährt mehr: Die Deutsche Bahn muss angesichts des Warnstreiks ihrer Mitarbeiter kapitulieren.

          Warnstreik : Deutsche Bahn stellt bundesweit Fernverkehr ein

          Im Fernverkehr rollt wegen des Warnstreiks an diesem Montagmorgen kein Zug mehr. Auch im Regionalverkehr kommt es zu Einschränkungen. In Berlin und Frankfurt wurde der S-Bahn-Verkehr eingestellt.
          Präsident Donald Trump

          Vereinigte Staaten : Trump sucht nach neuem Stabschef

          Nick Ayers galt als Favorit für den Posten. Doch er will nicht die „rechte Hand“ des Präsidenten werden. Gleichzeitig bringen Ermittlungen Trump in die Defensive.
          Anne Will redete über Netzwerke in der Politik.

          TV-Kritik: „Anne Will“ : Die Macht der Netzwerke

          Anne Will versuchte zu erklären, wie sich Annegret-Kramp Karrenbauer durchsetzen konnte. Vieles dürfte ungewiss bleiben, nur eines scheint klar: Netzwerke bleiben für Politiker unerlässlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.