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Krieg in Syrien : Armee rückt auf strategisch wichtige Stadt Mleiha vor

  • Aktualisiert am

Kämpfer der syrischen Opposition im vergangenen Juli in Mleiha Bild: AFP

In Syrien steht Assad offenbar vor der Rückeroberung der östlich von Damaskus liegenden Stadt Mleiha. Ihm spielen auch die Kämpfe seiner Gegner untereinander in die Hände. Für Al Qaida-Führer Sawahiri sind sie ein „Desaster“.

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          Die syrische Armee ist am Sonntag auf die strategisch wichtige Stadt Mleiha an der Straße zum Flughafen von Damaskus vorgerückt. Mehr als die Hälfte der Stadt sei bereits unter Kontrolle der Armee, sagte ein Militärvertreter. Das Rathaus ebenso wie die Felder und Straßen im Süden, Westen und Südosten der Stadt seien in der Hand der Regierungstruppen. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete den Vormarsch, demnach diente die libanesische Hizbullah-Miliz als Speerspitze des Angriffs.

          Wie auch andere Städte der Region Ost-Ghuta östlich von Damaskus wird Mleiha seit Monaten von der Armee belagert und liegt seit Wochen unter dem Beschuss der Luftwaffe. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, die Eroberung von Mleiha sei entscheidend für die Sicherung der mehrheitlich von Christen und Drusen bewohnten Damaszener Vorstadt Dscharamana sowie für die Rückeroberung von Ost-Ghuta. Die Region wird trotz eines tödlichen Giftgasangriffs im vergangenen August von den Aufständischen gehalten.

          Kämpfe zwischen Aufständischen

          Im Süden Syriens wurde unterdessen ein als moderat geltender Kommandeur der Aufständischen von der radikalen al Nusra-Front gefangen genommen. Der Vorsitzende des Militärrats von Daraa, Hauptmann Ahmad Naameh, sei am Samstagabend zusammen mit fünf weiteren Anführern von Kämpfern der Dschihadistengruppe festgenommen worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Naameh hatte sich kürzlich für den Zusammenschluss moderater Kämpfer in Daraa unter Ausschluss der al Nusra-Front eingesetzt.

          Vor den Kämpfen zwischen den beiden Gruppen in der Provinz Deir al Zor sind inzwischen mehr als 60.000 Einwohner geflohen, wie die  Beobachterstelle weiter mitteilte. Anhänger von al Nusra hätten die Stadt Abriha erobert und Kämpfer der Rebellengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) verjagt. Dabei seien mehr als 60 Islamisten getötet worden. Wegen der Gefechte seien zudem fast alle Bewohner von Abriha und den nahe gelegenen Städten Al Busajrah und Al Sir geflohen.

          Sawahiri: Ein politisches Desaster

          Der Al Qaida-Führer Aiman al Sawahiri rief die islamistischen Aufständischen auf, sich nicht weiter gegenseitig zu bekämpfen. Die Isil-Mitglieder sollten sich aus Syrien zurückziehen, sagte Sawahiri in einem im Internet veröffentlichten Video. Die Entscheidung, sich an dem Aufstand gegen Assad zu beteiligen, habe zu einem „politischen Desaster“ für die Islamisten geführt. Die irakischen Kämpfer sollten in den Irak zurückkehren und ihre Anstrengungen verdoppeln, um die Regierung in Bagdad zu stürzen. Allein bei Gefechten zwischen einzelnen islamistischen Gruppen kamen nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen seit Beginn des Jahres mehr als 1000 Personen ums Leben.

          Der syrische Präsident Baschar al-Assad rief unterdessen die internationalen Hilfsorganisationen zu größerem Einsatz für die Flüchtlinge in seinem Land auf. Es sei wichtig, dass die syrischen Behörden und die ausländischen Organisationen eng zusammenarbeiteten, um den Menschen zügig zu helfen, sagte Assad am Samstagabend der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Dabei dürfe aber nicht die nationale Souveränität unterwandert werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Assad und den Aufständischen wiederholt vorgeworfen, die Hilfsbemühungen der Staatengemeinschaft zu torpedieren.

          Präsidentschaftskandidaten stehen fest

          Am Sonntagnachmittag wurde in Damaskus außerdem bekannnt gegeben, dass die drei Kandidaten für die in einem Monat angesetzte Präsidentenwahl feststehen. Neben Assad haben nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana nur zwei weitere Bewerber die Zulassungsbedingungen des Verfassungsgerichts erfüllt, 21 Bewerber seien abgewiesen worden. Die Abstimmung ist für den 3. Juni geplant.

          Von den westlichen Ländern wird die Wahl als undemokratisch kritisiert. Viele Syrer sind wegen des Kriegs faktischvon der Wahl ausgeschlossen, die Opposition großteils im bewaffneten Kampf oder im Exil. Gegen Assad treten die wenig bekannten Kandidaten Maher Hadschar und Hassan al Nuri an. Al Nuri ist ein ehemaliger Staatsminister und Fabrikant für Schuhputz-Schwämme. Der Parlamentarier Maher Hadschar gehört einer kommunistischen Partei an, die seit Jahren mit der regierenden Baath-Partei verbündet ist.

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