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Krieg in Syrien : Allen gehen die Kämpfer aus

Stark überdehnt: Rekruten werden in einem Lager im von Rebellen kontrollierten Teil Aleppos ausgebildet. Bild: AFP

Sowohl die Rebellen als auch Assads Truppen brauchen neue Kämpfer und rekrutieren sie, wo immer es geht. Die Zeit aber arbeitet für das Regime – dank Moskaus Bomber.

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          Die Rebellen versuchen, die Reihen zu schließen: In mehreren syrischen Städten haben sich Brigaden zusammengeschlossen, um die Angriffe der vorrückenden Truppen des Regimes abzuwehren. In den Vorstädten von Damaskus gibt es neue Bündnisse. An der südlichen Front haben Oppositionsmilizen aus der Stadt Daraa und deren Umland eine gemeinsame Operationszentrale gegründet, um ihre Militäroperationen zu koordinieren und die Armee des Diktators Baschar al Assad zurückzuschlagen, die auch im Westen und im Norden auf dem Vormarsch ist.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          In Aleppo, auf dem derzeit wichtigsten Schlachtfeld, hat es ähnliche Zusammenschlüsse gegeben. In dem umkämpften einstigen Wirtschaftszentrum und den ländlichen Regionen sind die militärischen Kräfte der Assad-Gegner besonders strapaziert. Sie kämpfen dort zugleich an verschiedenen Fronten: gegen das Regime, iranische Kräfte, die libanesische Hizbullah und andere von Iran unterstützte schiitische Milizionäre, gegen die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) – und inzwischen auch gegen die kurdischen Kämpfer der „Volksverteidigungskräfte“ (YPG).

          Die Arbeiter des Scharia-Gerichts müssen an die Front

          Die Rebellen müssen immer wieder Kämpfer verlegen, um Angriffe abwehren zu können, und können daher ihre Truppen nicht zu einer wirklich schlagkräftigen Streitmacht zusammenziehen. Sie müssen Einrichtungen der zivilen Verwaltung schließen, um neue Kräfte für die Front freizusetzen.

          So wurde Anfang des Monats die Arbeit zweier wichtiger Scharia-Gerichte ausgesetzt. Die Mitarbeiter wurden aufgefordert, sich für den Kriegsdienst an der Front zu melden, die Richter wurden aufgefordert, die Bevölkerung dazu aufzurufen, am Kampf teilzunehmen.

          Die Mannstärke ist einer der wichtigsten Faktoren, was das militärische Kräfteverhältnis betrifft. Auch Damaskus hat mit der Überdehnung seiner Kräfte zu kämpfen. Vertreter des Regimes zeigen sich zwar gelassen und erwidern die Frage nach den Schwierigkeiten, neue Soldaten zu rekrutieren, gerne mit dem Hinweis, man müsse nur aus dem Fenster auf die Straße schauen, um zu sehen, dass es ein ausreichendes Reservoir junger Männer für den Kriegsdienst gebe. Doch das Militär ist schon seit längerem gezwungen, aggressiv zu rekrutieren.

          In der Oper zwangrekrutiert

          An den vielen Kontrollpunkten, heißt es aus der syrischen Hauptstadt, lägen lange Listen mit Namen der Gesuchten. Dafür steht etwa die Geschichte eines jungen Mannes aus Damaskus. Der Informatiker hatte eine Opernvorstellung besucht, als er abgeführt und zwangsrekrutiert wurde. Er überlebte weniger als einen Monat. Im Kernland der Alawiten, der Bevölkerungsgruppe Assads, sind vor allem die sogenannten Nationalen Verteidigungskräfte für die Sicherheit zuständig. Es sind vielerorts brutale Milizen, welche die Bevölkerung eher drangsalieren und ängstigen und immer wieder Proteste hervorrufen. Auch die Moral in der Armee schwankt, wie es von Militärfachleuten heißt.

          Bild: F.A.Z.

          Doch das Regime kann im syrischen Abnutzungskampf auf massive ausländische Unterstützung zählen. Militärfachleute sehen derzeit vor allem diesen Faktor als kriegsentscheidend an, und zwar nicht nur wegen der Luftunterstützung aus Moskau – sondern auch angesichts der Tatsache, dass im Zuge des russischen Militäreinsatzes die organisatorischen und strategischen Fähigkeiten der Truppen des Regimes massiv zugenommen haben.

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