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Krieg in Syrien : Washington hat Aleppo aufgegeben

Moskau wird erst dann zu Zugeständnissen bereit sein, wenn das Regime wieder über ganz Aleppo herrscht. Bild: Reuters

Die Ergebnisse der Friedensverhandlungen sind niederschmetternd. Washington hat Aleppo fallen gelassen. Dabei entscheidet die Schlacht von Aleppo über die Zukunft Syriens.

          Wieder einmal haben alle wichtigen internationalen Akteure, die direkt oder indirekt am Krieg in Syrien beteiligt sind, miteinander geredet. Doch auch am Wochenende zeigte sich, wie weit ihre Interessen auseinanderliegen; ein Durchbruch, der zu einem Frieden führen könnte, ist so nicht möglich.

          Seit Jahresbeginn fanden in rascher Folge viele Treffen der Außenminister statt, auf denen „Ideen“ ausgetauscht wurden. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Keine vereinbarte Waffenruhe hat gehalten; der UN-Sicherheitsrat bringt nicht einmal eine Resolution zustande; auf dem Schlachtfeld haben das Damaszener Regime und sein russischer Patron freie Hand.

          Die Rebellen haben nicht die Waffen sie aufzuhalten, und das aus gutem Grund kriegsmüde Amerika bringt nicht die Kraft auf, parallel zu den ergebnislosen Verhandlungen kleinere militärische Interventionen zu erwägen.

          Washington hat Aleppo aufgegeben. Die Schlacht von Aleppo entscheidet aber über die Zukunft Syriens, und deshalb wird Moskau erst dann zu Zugeständnissen bereit sein, wenn das Regime wieder über ganz Aleppo herrscht. Die Vereinigten Staaten konzentrieren sich daher auf den Irak und die Rückeroberung von Mossul, deren Beginn für die nähere Zukunft erwartet wird. Ein Sieg über den „Islamischen Staat“ in Mossul soll die Niederlage gegen Russland in Aleppo kompensieren.

          Erfolgversprechende Optionen bieten sich Washington in Syrien ohnehin nicht mehr. Selbst wenn Amerika den Rebellen Waffen lieferte, gäbe es keinen Weg, sie nach Aleppo zu bringen; Sanktionen gegen Moskau wegen der Kriegsverbrechen der russischen Luftwaffe und der syrischen Armee kommen schon deswegen nicht in Betracht, weil sie dann auch gegen Saudi-Arabien wegen dessen Kriegsverbrechen im Jemen verhängt werden müssten; zudem ist eine Flugverbotszone über Nordsyrien keine Option, weil Moskau den Abschuss eines russischen Flugzeugs als Kriegserklärung deuten könnte.

          Washington verlässt sich daher auf seine Verbündeten, vor allem auf die Türkei. Die aber teilt sich, das ist das Ergebnis der Annäherung der Präsidenten Erdogan und Putin, Nordsyrien mit Russland auf. Ankara, das wieder der wichtigste Patron der Rebellen ist, verfolgt aber türkische Interessen, nicht amerikanische. Treffen wie die am Wochenende in Lausanne und London ändern an dieser Entwicklung wenig.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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