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Krieg in Libyen : Panzerwracks als Ausflugsziel

  • Aktualisiert am

Ausflug zu den Panzern Bild: Kurt Pelda

Im Osten Libyens bestaunen die Leute nun die Trümmer, die die Luftangriffe vom Wochenende hinterlassen haben. Die Rebellen konnten wieder Boden gut machen - in nur zwei Tagen hat sich die Front um rund 150 Kilometer nach Süden verschoben. Für FAZ.NET berichtet aus Benghasi Kurt Pelda.

          Noch sind die meisten Geschäfte in Benghasi geschlossen, und von Normalität kann keine Rede sein. Trotzdem haben die Bewohner - zumindest die männlichen -, eine neue Beschäftigung gefunden. Kolonnen von Autos machen sich auf der großen Ausfallstraße auf den Weg nach Süden. Es ist ein Montagsausflug der besonderen Art: Man will sich Gaddafis ausgebrannte Panzer ansehen, die am frühen Sonntagmorgen von westlichen Kampfflugzeugen angegriffen wurden. Die Fahrbahn, die der Küste entlang bis nach Tripolis führt, hatten Gaddafis Truppen am Samstag für ihren fehlgeschlagenen Angriff auf Benghasi benutzt. Rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt trifft man bereits auf die ersten Kampfspuren: Umgeworfene Bäume, zersplittertes Glas, Häuser mit Einschusslöchern in allen Größen.

          Der Taxifahrer deutet auf ausgebrannte Fahrzeuge am Straßenrand und erklärt fachmännisch, welche Gaddafis Truppen gehörten und welche zur „Revolutionsarmee“ der Opposition. Viele der Seitenstraßen sind noch durch improvisierte Barrikaden versperrt, mit denen die Aufständischen den Vorstoß der Soldaten aufhalten wollten. An einer großen Straßensperre in Qarishah, einem südlichen Außenbezirk etwa zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, steht unter einem Wachturm mit zerbrochenen Fensterscheiben ein versengter Pritschenwagen. Ein chinesischer Mehrfachraketenwerfer ist auf die Ladefläche montiert. Auf der anderen Straßenseite bestaunen Schaulustige einen Radarpanzer zur Flugabwehr, der unter einem Baum ausgebrannt ist. Ein junger Mann steht weinend vor der Panzerwanne. Er habe seinen Bruder hier verloren, als die Revolutionäre aus allen Rohren auf die Armee feuerte, erzählt er.

          Filmen, was das Zeug hält

          Am rechten Straßenrand zieht sich jetzt eine mehrere Kilometer lange Ziegelmauer hin. Über einem roten Eingangstor mit gelben chinesischen Schriftzeichen wehen bunte Fahnen. Dahinter sind Baumaschinen, Betonmischer und Kräne zu erkennen. Bevor die chinesischen Bauarbeiter als Folge der libyschen Revolution die Flucht ergriffen, hatten sie eine riesige Retortenstadt mit lauter vierstöckigen Häusern aus dem Boden gestampft. Diese „China Town“, wie die Einheimischen die Siedlung nennen, muss aus Hunderten von im Rohbau fertig gestellten Gebäuden bestehen. Meist fehlt noch der Verputz und die Fensterrahmen ebenso. In den Fassaden klaffen nun Löcher von Granat- oder Raketeneinschlägen, manche Stützpfeiler sind in der Mitte gekappt, und die Armierungseisen ragen verbogen nach außen. Hier wurde offenbar heftig geschossen.

          Betrachten eines Angriffsziels

          Auf der Straße vor der chinesischen Satellitenstadt kommt es jetzt zum Stau, weil viele Ausflügler ihre Autos parken, um einen abgeschossenen Kampfpanzer sowjetischer Bauart zu betrachten. Ein junger Vater in einem Trainingsanzug und mit dunkler Sonnenbrille hebt seine kleine Tochter auf die Kettenabdeckung. Das Mädchen macht mit beiden Händen das Victory-Zeichen. Die Leute haben ihre Mobiltelefone ausgepackt und filmen, was das Zeug hält. Es sind nicht zuletzt solche wackligen Bilder, die zum Beispiel auf Youtube gestellt werden und den Internet-Nutzern auf der ganzen Welt einen - wenn auch häufig einseitigen - Eindruck von diesem Krieg vermitteln. An einem arg verkohlten Toyota machen sich gerade zwei Männer zu schaffen. Mit einem langen Stahlrohr versuchen sie, den Motor aus seiner Verankerung zu wuchten.

          Panzer aus Italien

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