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Krieg in Jemen : Weltweites Entsetzen über Luftangriffe mit 140 Toten

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Nach dem verheerenden Angriff in Jemen: Helfer bergen die Opfer der bombardierten Trauerfeier in Sanaa. Bild: dpa

Es ist der womöglich folgenreichste Luftangriff im Bürgerkrieg in Jemen. Die offenbar von der saudisch geführten Militärkoalition ausgeführte Attacke auf einer Trauerfeier mit mindestens 140 Toten sorgt für Empörung auch beim engsten Verbündeten Riads.

          Weltweites Entsetzen und Schuldzuweisungen in Richtung Saudi-Arabien: Die Luftangriffe auf eine Trauerfeier im Jemen mit mehr als 140 Toten sind international verurteilt worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte am Sonntag eine „schnelle und unabhängige“ Untersuchung. Die Huthi-Rebellen machten die von Riad angeführte Militärkoalition für die Bombardements verantwortlich. Die Vereinigten Staaten kündigten an, ihre Zusammenarbeit mit der Allianz zu prüfen.

          Nach Angaben der Huthi-Rebellen hatten Kampfjets der Militärkoalition ein Gebäude in Sanaa bombardiert, in dem sich hunderte Trauernde nach dem Tod des Vaters eines ranghohen Rebellen versammelt hatten. Es handelt sich um einen der verheerendsten Luftangriffe seit Beginn des Militäreinsatzes des von Saudi-Arabien angeführten Bündnisses im März 2015. Die von den Aufständischen kontrollierte Nachrichtenwebsite sabanews.net sprach von einem „Massaker“.

          Unter den Toten waren Politiker, Rebellenführer und zahlreiche Zivilisten. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden außerdem mehr als 525 Menschen verletzt. Der vorsätzliche Angriff auf Zivilisten sei „absolut inakzeptabel“, erklärte Ban. Die Verantwortlichen müssten Rechenschaft ablegen. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Jemen, Jamie McGoldrick, sagte, Helfer im Jemen seien „entsetzt und schockiert“ über die Luftangriffe. „Die Gewalt gegen Zivilisten im Jemen muss sofort beendet werden.“

          Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte empört. „Berichte über Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte“ in den militärischen Auseinandersetzungen im Jemen hätten „ein erschreckendes Ausmaß“ angenommen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz äußerte sich „entsetzt“ über den neuerlichen Angriff auf Zivilisten im Jemen.

          Bürgermeister von Sanaa unter den Opfern

          Dem Sender Almasirah zufolge war auch der Bürgermeister von Sanaa, Abdel Kader Hilal, unter den Todesopfern. Ein Augenzeuge berichtete, zuerst habe ein Armeeflugzeug eine Rakete abgeschossen „und Minuten später hat ein weiteres Flugzeug geschossen“. Nach den Angriffen geriet das Gebäude in Brand und stürzte laut Anwohnern ein.

          In Washington machte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price, die Empörung der Vereinigen Staaten über den erneuten Angriff auf Zivilisten im Jemen deutlich: „Die Sicherheitszusammenarbeit mit Saudi-Arabien ist kein Blankoscheck“, sagte er. Die amerikanische Regierung habe eine „sofortige Überprüfung“ ihrer bereits verringerten Zusammenarbeit mit der von Saudi-Arabien angeführten Koalition in die Wege geleitet.

          Die Militärallianz dementierte zunächst jegliche Verwicklung in die Attacke in Sanaa, kündigte wenig später aber eine Untersuchung des Vorfalls gemeinsam mit „Experten aus den Vereinigten Staaten“ an.

          Demonstrationen gegen Saudi-Arabien

          In Sanaa gingen am Sonntag tausende Menschen auf die Straße, um gegen Saudi-Arabien zu protestieren. „Tod den Al-Saud“, riefen sie mit Blick auf die saudiarabische Herrscherfamilie. Die Vereinigten Staaten beschimpften sie als „großen Satan“. Rebellenführer Mohammed Ali al-Huthi rief zum Krieg gegen Riad auf.

          Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des sunnitischen Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gegen vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Rebellen und andere Gruppen, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Die Huthis hatten Anfang 2015 die im Norden gelegene Hauptstadt Sanaa und andere Städte erobert.

          Seit März 2015 fliegt ein von Riad angeführtes arabisches Militärbündnis Luftangriffe auf die Rebellen. Seither wurden nach Schätzungen der UNO mehr als 6700 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten.

          Die Regierungstruppen konnten die schiitischen Rebellen im Sommer aus Aden und vier weiteren Provinzen im Süden des Jemen zurückdrängen. Die Huthis halten jedoch weiter die Hauptstadt Sanaa und weite Landesteile im Norden. Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen führten bislang nicht zu einer Befriedung des Landes.

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