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Konflikt in Syrien : Tote bei Angriff auf Universität in Damaskus

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Dieses Bild vom Anschlagsort an der Universität in Damaskus verbreitete die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana Bild: AFP

Der Konflikt in Syrien hat längst auch die Hauptstadt Damaskus erreicht. Bei einem Angriff mit Mörsergranaten wurden an der Universität nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens 15 Studenten getötet. Russland unterstellt der Arabischen Liga, „zur Konfrontation zu ermuntern“.

          Auf dem Campus der Universität von Damaskus sind am Donnerstag nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens mindestens zwölf Menschen durch Mörsergranaten getötet worden. Das Regime von Präsident Baschar al Assad sprach von einem Terrorangriff und machte Rebellen für den Beschuss verantwortlich. Das oppositionelle syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte in London berichtete von mindestens acht Toten. Regierungstruppen hätten nahe Damaskus Rebellengebiete angegriffen, berichteten die Oppositionellen weiter. Dabei sei es auch zu Kämpfen gekommen.

          Ein Student wurde als Augenzeuge der Attacke mit den Worten zitiert: „Diese Granaten haben Tod, Horror und Zerstörung verbreitet, das ist ein Lehrbetrieb und keine Kriegsfront“. Seinen Angaben zufolge wurden das Gebäude des Seminars für Architektur und die Kunsthochschule getroffen.

          Unterdessen wurde der Sekretär der syrischen Nationalen Partei für Entwicklung, Chalil al Sajid, vor einem Anti-Terror-Gericht in Damaskus angeklagt. Das berichteten syrische Oppositionsaktivisten. Al Sajids Partei gehört dem gemäßigten Flügel der Opposition an, der nicht auf den bewaffneten Kampf gegen das Assad-Regime setzt. Was man ihm vorwirft, wurde nicht bekannt.

          Russland kritisiert Arabische Liga

          Russland warf indes der Arabischen Liga nach der Aufnahme der syrischen Opposition in die Organisation vor, den Friedensprozess in dem Bürgerkriegsland abzulehnen. „Diese Entscheidung zielt darauf, zur Konfrontation zu ermuntern sowie die unversöhnlichen Kräfte auf beiden Seiten zu ermutigen, die einen Krieg bis zum bitteren Ende ausfechten wollen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Interfax zufolge.

          In der syrischen Provinz Aleppo vermittelten unterdessen Kurden eine Waffenruhe zwischen verfeindeten schiitischen und sunnitischen Dörfern. Die sunnitischen Dorfbewohner hatten sich der Freien Syrischen Armee (FSA) angeschlossen, die gegen das Assad-Regime kämpft. Zahlreiche Bewohner aus zwei schiitischen Dörfer gehörten den bewaffneten regimetreuen Volkskomitees an. Die Sunniten hatten die schiitischen Dörfer in den vergangenen Monaten belagert.

          Wie Menschenrechtler und kurdische Aktivisten am Donnerstag berichteten, richteten die sogenannten kurdischen Volksschutz-Komitees in der Stadt Afrin eine Versöhnungskonferenz aus. Daran hätten Schiiten aus den Dörfern Al Sahra und Nubl sowie Sunniten aus den benachbarten Dörfern Hareitan, Hajan, Mair und Anadan teilgenommen. Sie einigten sich den Angaben zufolge darauf, die Kampfhandlungen einzustellen. Die Regierung war nicht beteiligt.

          Den Kurdenparteien ist es seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 gelungen, zahlreiche Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei stießen sie kaum auf Widerstand durch die Armee.

          Türkei schiebt nach Unruhen syrische Flüchtlinge ab

          Nach Unruhen in einem Lager für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge hat die Türkei nach Darstellung örtlicher Vertreter Hunderte Bewohner in ihr Heimatland zurückgeschickt. Zeugen zufolge wurden die Flüchtlinge mit Bussen zur Grenze gebracht. Ein Vertreter des Lagers Suleymansah sagte, die abgeschobenen 600 bis 700 Personen seien an Gewalttaten beteiligt gewesen. Das türkische Außenministerium wies die Darstellungen zurück.

          Hintergrund der Aktion waren Zusammenstöße in dem Lager. Dabei wurden Militärpolizisten am Mittwoch mit Steinen beworfen. Die Beamten setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Auslöser der Krawalle war Bewohnern zufolge eine Protestaktion gegen die Lebensverhältnisse in dem Lager. Aus Behördenkreisen verlautete dagegen, es sei zu den Zusammenstößen gekommen, nachdem Wachleute 200 Syrer an dem voll besetzten Lager abgewiesen hätten.

          Es blieb zunächst unklar, wie viele Flüchtlinge aus dem Lager nach Syrien zurückgeschickt wurden. Ein Vertreter der örtlichen Behörden nannte die Zahl 400. Das Außenministerium erklärte dagegen, niemand sei gegen seinen Willen abgeschoben worden.

          Die Zahl der Rückkehrer liege eher bei 50 bis 60. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zeigte sich über die Berichte aus der Türkei besorgt. Derartige Abschiebungen würden gegen internationale Vereinbarungen verstoßen.

          Seit Beginn des Konfliktes in Syrien sind nach UN-Angaben etwa 1,2 Millionen Menschen ins Ausland geflüchtet. Die Türkei hat mehr als 260.000 von ihnen aufgenommen. Das Lager Suleymansah in der Nähe der Stadt Akcakale ist mit 35.000 Bewohnern eines der größten. Die meisten Unterbringungen in der Türkei sind mit Heizungen ausgestattet. Flüchtlinge erhalten dort drei warme Mahlzeiten am Tag. Damit herrschen in den türkischen Lagern bessere Bedingungen als in anderen Nachbarländern Syriens. Weil aber immer mehr Menschen flüchten, haben die Behörden mit Überbelegungen zu kämpfen.

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