https://www.faz.net/-gq5-71037

Konflikt in Syrien : Ruhe und Angst im Libanon

Gegen die Hizbullah: Der Salafistenprediger Ahmad Asir (Zeitung lesend) am Donnerstag mit Anhängern in einem Protestzeltlager im Südlibanon Bild: REUTERS

Der Krieg in Syrien greift nicht auf das kleine Nachbarland über. Aber der Konflikt vertieft die Brüche dort. Die schiitische Hizbullah hält sich bedeckt. Aber viele Politiker, die dem Damaszener Regime feindlich gegenüber stehen, bleiben lieber zu Hause.

          In der engen Häuserschlucht fällt das hohe weiße Gebäude mit der Aufschrift „New TV“ nur deshalb auf, weil Soldaten in Tarnuniformen davor stehen. Seit der Nacht zum Dienstag schützen sie den Eingang des Fernsehsenders. In den Stunden davor hatte ein Mob auf der Straße Benzin ausgegossen und angezündet. Maskierte schossen auf die Eingangstür und setzen Reifen in Brand. Dabei verletzte sich einer der Angreifer. Während die anderen flüchteten, konnten die Nachbarn den jungen Schiiten Wissam Alaeddin festnehmen und der Polizei übergeben. Auf seiner Facebookseite hatte er geschrieben: „Ich gebe mein Leben für Baschar al Assad.“ Sein Leben hat Alaeddin vorerst nicht für den syrischen Staatspräsidenten gegeben, doch nun sitzt er erst einmal in Haft.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der Angriff auf den Fernsehsender in Beirut illustriert die Spannungen, die der Krieg in Syrien im benachbarten Libanon schürt. New TV ist der wohl einzige Sender, der im Libanon überkonfessionell arbeitet. Sein Besitzer Tahsin Khayat ist ein schiitischer Geschäftsmann, die Beschäftigten des Senders stammen aus allen Religionsgemeinschaften. Am Sonntagabend hatte New TV den sunnitischen Geistlichen Ahmad Asir zu einem Interview geladen, und der polemisierte wild gegen die Schiiten und gegen deren Parteien Hizbullah und Amal. Zum Anlass nahm er ein im Libanon zirkulierendes Computerspiel, von dem er glaubt, dass es den sunnitischen Islam diffamiere.

          Schon in den Tagen zuvor war der Sunnit Asir gegen den Chef der Hizbullah in der Bekaa-Ebene, Scheich Muhammad Yazbek, ausfällig geworden. Yazbek hatte die den Schiiten verhasste Prophetengattin Aischa verhöhnt - die frühislamische Geschichte spaltet die Muslime auch noch in der Gegenwart. New TV wusste schon am Sonntagabend, welche Wirkung die Polemik von Ahmad Asir, dem Star unter den neuen salafistischen Predigern des Libanon, haben könnte und nahm den Text zu dem Interview von seiner Website. Dennoch griff der schiitische Mob am Montagabend an. Am Dienstag besuchte dann einer der führenden Abgeordneten der Hizbullah, Hassan Fadlallah, den Sender, um den Angriff zu verurteilen.

          Die schiitische Hizbullah steht zum syrischen Regime, die meisten libanesischen Sunniten hingegen wollen Assad stürzen. Der Konflikt in Syrien greife dennoch nicht auf den Libanon über, wiederholt Ministerpräsident Nadschib Miqati, einer der wenigen prosyrischen Sunniten, immer wieder. Einen neuen Bürgerkrieg werde es im Libanon wegen Syrien also nicht geben. Immun gegen den Konflikt in Syrien sei sein Land aber nicht, fügt Miqati stets hinzu.

          Auch wenn der reiche Geschäftsmann Miqati ein Freund Assads ist, verhält sich seine Regierung, in der viele Parteien vertreten sind, gegenüber Syrien neutral. „Damit schützen wir den Libanon“, sagt Rami al Rayes, der Sprecher der Fortschrittlichen Sozialistischen Partei des Drusenführers Walid Dschumblat. „Als politische Partei aber unterstützen wir das Streben des syrischen Volks nach Demokratie und Freiheit“, ergänzt Rayes. Innerhalb des Libanon sollten die Parteien ihre Politik indes nicht von ihrer Haltung gegenüber Syrien abhängig machen, sagt er. „Denn wir haben keine Alternative zur Koexistenz.“

          Topmeldungen

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Denkmal des Anstoßes: Bürgermeister Roberto Dipiazza (links) weiht die Statue Gabriele D’Annunzios in Triest ein.

          Denkmal für D’Annunzio : Dichter des Anstoßes

          In Triest ist ein Denkmal für den italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio aufgestellt worden. Einige der Anwesenden trugen faschistische Schwarzhemden. Im benachbarten Kroatien sorgte nicht nur das für Empörung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.