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Konflikt in Syrien : Assads Krieg wird Putins Krieg

Russlans Präsident Wladimir Putin (links) bespricht mit seinem Verteidigungsminister Sergei Shoigu Russlands Einreifen in Syrien. Bild: Reuters

Russland kämpft an Assads Seite – damit ist auch die Hoffnung dahin, das Atomabkommen mit Iran könne die Region entspannen. Putin schafft militärisch Fakten. Aber das kann sich auch für ihn rächen. Ein Kommentar.

          Der Verdacht bestätigt sich: Die russische Militärintervention in Syrien dient eigenen geostrategischen Interessen und somit der Stabilisierung des Regimes Assad – und erreicht gleich eine neue Qualität. In einer koordinierten Operation unterstützt die russische Luftwaffe die Bodenoffensive der zuletzt demoralisierten syrischen Streitkräfte gegen Rebellengruppen in der Provinz Hama, während gleichzeitig Marschflugkörper von russischen Kriegsschiffen im Kaspischen Meer auf Ziele in Syrien abgefeuert werden; bei diesen Zielen soll es sich angeblich um Stellungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ handeln.

          Begleitet wird das Ganze von einer schrillen, religiös verbrämten Kreuzzugsrhetorik in Moskau. Man muss es wiederholen: Seit dem desaströsen Eingreifen der Sowjetunion in Afghanistan – die Langzeitfolgen bekommen wir noch heute zu spüren – ist es das erste Mal, dass Moskau in einem Raum massiv militärisch interveniert, der nicht unter das Etikett „postsowjetisch“ fällt.

          Präsident Putin füllt dabei das Vakuum, das insbesondere das halbherzige Vorgehen der interventionsmüden Vereinigten Staaten im Syrien-Konflikt geschaffen hat. Washington greift zwar auch Stellungen der Dschihadisten an, allerdings mit einer Intensität, die Zweifel an der Ernsthaftigkeit weckt. Und die Aufstellung einer von Washington ausgerüsteten Rebellentruppe gegen Assad endete in einem Fiasko.

          Terror macht vor keiner Grenze halt

          Putin wiederum zementiert die strategische Achse, die von Teheran über Bagdad und Damaskus bis zur Hizbullah im Libanon reicht und auf der Assad ein wichtiger Teil ist. Das birgt offenkundig die Gefahr, dass der sunnitisch-schiitische Gegensatz immer größer wird und die Radikalisierung der Sunniten weitergeht.

          Überdies entpuppt sich die Hoffnung, das Atomabkommen mit Iran könne genutzt werden für eine größere regionale Entspannungsoffensive, als Illusion. Putin schafft militärisch Fakten. Aber das kann sich auch für ihn, für Russland rächen; der Terror macht vor keiner Grenze halt.

          Apropos Grenze: Die meisten der syrischen Flüchtlinge in Deutschland geben an, sie seien vor dem Machthaber Assad und dessen Krieg gegen die eigene Bevölkerung geflohen. Hatte Assad bisher schon keine Skrupel, verheerende Waffen einzusetzen, so kann er sich jetzt auch auf russische Bomben, Raketen und Marschflugkörper stützen. Die werden den Flüchtlingsstrom noch verstärken.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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