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Nach Flugzeugabschuss : Wer ist der Gegner?

  • -Aktualisiert am

Es fällt auf, wie sehr sich die Nato und Amerika bemühen, den Streit zwischen Russland und der Türkei beizulegen. Da schimmern Zweifel durch, aus welchen Gründen das russische Militärflugzeug wirklich abgeschossen worden ist.

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          Es ist richtig, dass die Nato der Türkei beisteht. Für ein Bündnis, das auf geteilter Sicherheit gründet, ist das selbstverständlich. Dennoch fällt auf, wie sehr sich die Nato und Amerika beeilten, sowohl Russland als auch die Türkei zu Mäßigung und Deeskalation aufzurufen. Da schimmern Zweifel durch, ob die Verletzung türkischen Luftraums durch den russischen Jagdbomber mit dessen Abschuss habe geahndet werden müssen und ob Ankara nicht noch andere Interessen verfolge – etwa Russlands Annäherung an den Westen zu verhindern.

          Die Moskauer Reaktionen auf den Zwischenfall, der schon befürchtet worden war, sind vielsagend: Da ist von einer Falle die Rede, die man Russland gestellt habe – in die man also getappt ist –, von Hinterhalt, von türkischer Terrorkomplizenschaft. Natürlich werden Konsequenzen angedroht. Man wird sehen, wie die neben einer Verstärkung der russischen Militärpräsenz in der Region aussehen. Beide Seiten können eine Konfrontation nicht wirklich wollen.

          Schwierige Partnersuche für Kampf gegen IS

          Aber der Zwischenfall zeigt, dass Frankreichs Bemühungen, den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien zu intensivieren und dafür eine breite Koalition zu schmieden, kein Selbstläufer sind. Die Terroranschläge von Paris und anderswo waren verheerend. Aber nicht alle Protagonisten fassen sich nun an den Händen, vergessen ihre Interessendivergenzen, zum Beispiel mit Blick auf die Zukunft des syrischen Diktators Assad, und ziehen koordiniert in den gemeinsamen Kampf.

          Selbst Präsident Obamas Antwort war rhetorisch eindringlich, in der Sache aber verhalten. Diese Zurückhaltung ist man von ihm gewohnt. Moskau wiederum hat für die Militärintervention in Syrien und für Präsident Putins geopolitische Ambition schon einen hohen Preis bezahlt.

          Es bleibt dabei: Alle direkt oder indirekt bedrohten Mächte müssen ihren Teil zur Ausschaltung des IS beitragen; wenn erforderlich, auch militärisch. Das gilt auch für Deutschland. Die Kanzlerin deutet an, dass sie entsprechende Anfragen aus Paris nicht von vornherein abwehren würde. Gut! Es geht dabei nicht um Bodentruppen – nichts wäre den Dschihadisten lieber als der direkte Kampf gegen westliche Soldaten auf arabischem Boden. Aber wer die Ursachen von Terror und Flucht bekämpfen, Bedrohungen gegen die eigene Bevölkerung ausschalten und ein verlässlicher Partner sein will, der muss Worten auch Taten folgen lassen.

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