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Hilferuf aus Kobane : „Wir werden von allen Seiten beschossen“

  • Aktualisiert am

Peshmerga-Kämpfer Anfang November bei Kobane Bild: AFP

Die Kurden in Kobane haben dem „Islamischen Staat“ Gelände abgerungen, doch der schickt immer neue Kämpfer und Waffen. Asya Abdullah, die Ko-Vorsitzende der kurdischen PYD, über die dramatische Lage in der Stadt.

          Frau Abdullah, der „Islamische Staat“ (IS) hat nach sechs Wochen Ruhe eine neue Offensive gestartet. Wie ist die Lage im Kampfgebiet?

          Der IS greift zum ersten Mal die Stadt auch von Norden her an. Augenzeugen bestätigen, dass der IS auch von der Türkei aus angegriffen hat. Am Samstag detonierte zunächst eine Autobombe an der Grenze zur Türkei, dann gab es zwei Selbstmordanschläge. Darauf griffen die Terroristen von einem Getreidesilo an der Grenze die Stadt an. Es ist ausgeschlossen, dass das Fahrzeug mit dem Sprengsatz und die IS-Terroristen von der syrischen Seite aus an die Grenze gelangen konnten, da wir dieses Gebiet kontrollieren. Der Angriff kann nur von türkischem Boden aus erfolgt sein. Der IS will die Grenze zur Türkei unter seine Kontrolle bringen, damit wäre Kobane von allen vier Seiten eingekesselt. Unsere Volksverteidigungseinheiten der YPJ und YPG haben den Plan vereitelt und die Grenze wieder unter Kontrolle gebracht.

          Wie verhalten sich die türkischen Soldaten entlang der Grenze?

          Die Türkei kontrolliert weiter die Grenze zu Kobane. Sie könnte, wollte sie es, die Aktivitäten des „Islamischen Staates“ auf türkischem Territorium unterbinden.

          Ändert sich der Frontverlauf?

          Der IS hat in den vergangenen Wochen große Verluste erlitten. Er nutzt seine schweren Geschütze, während unsere Kämpfer nur leicht bewaffnet sind. Wir werden ständig von allen Seiten mit Mörsergranten beschossen. Auch häufen sich Anschlagsversuche mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen. Wir haben 150 von diesen vereitelt. Zunächst hatten sich die Gefechte auf das Stadtzentrum konzentriert, nach Geländegewinnen unserer Einheiten finden sie nun an den Rändern Kobanes statt.

          Sind die Luftschläge der Koalition gegen den „Islamischen Staat“ wirksam?

          Die bisherige Unterstützung hilft uns. Der IS bringt aber jeden Tag neue Kämpfer, Waffen und Munition aus den umliegenden Gebieten nach Kobane. Die Angriffe der Extremisten richten sich vor allem auf die in der Stadt lebenden Zivilisten. Zuletzt wurden mehr als 30 Menschen getötet. Um weitere Massaker an der Zivilbevölkerung zu verhindern, müssen sich die Luftangriffe der Koalition intensivieren, sie müssen sich auf Panzer und die strategisch wichtigen Stellungen des IS konzentrieren.

          Wie viele Zivilisten leben noch in Kobane?

          Mehrere tausend, und es kehren immer mehr Familien zurück. Vor allem jene, die direkt an die Grenze geflüchtet waren. Wegen des bevorstehenden Winters können sie nicht länger dort bleiben.

          Wie sind die Lebensbedingungen in der Stadt?

          Es fehlt nahezu an allem, vor allem an Wasser und Nahrung, auch an Strom und Heizöl. Der syrische Staat hatte die Wasserdepots und Stromverteiler in Siedlungsgebieten errichtet, die weit von Kobane entfernt liegen. Vor zwei Jahren wurde die Wasser- und Stromzufuhr in die Stadt Kobane eingestellt. Danach hat die Bevölkerung alternative Wasserleitungen gebaut, hat mit Generatoren notdürftig die Stromversorgung gesichert. Der IS hat alle Anlagen in der Stadt zerstört. Die Extremisten riegeln Kobane ab. Aus der Türkei kommt zwar etwas Hilfe von der dortigen kurdischen Bevölkerung. Das reicht bei weitem nicht. Daher appelliere ich an die Vereinten Nationen und die Staatengemeinschaft, sofort einen Korridor für humanitäre Hilfe zu schaffen.

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