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Koalition gegen IS : Kampfjets bombardieren Infrastruktur der Dschihadisten

  • Aktualisiert am

Ein Aufklärungsflugzeug vom Typ EA-6B Prowler startet vom amerikanischen Flugzeugträger George H.W. Bush in Richtung Irak Bild: AFP

Die Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten hat eine Gasanlage in Syrien bombardiert, die unter Kontrolle der Terroristen des „Islamischen Staats“ steht. An der Grenze zur Türkei versuchen die Dschihadisten weiter, die Stadt Kobane einzunehmen.

          Bei neuen Luftangriffen in Syrien hat das internationale Militärbündnis wichtige Infrastruktur unter Kontrolle der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bombardiert. Die Vereinigten Staaten und ihre arabischen Verbündeten attackierten unter anderem eine große Gasanlage in der Nähe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag berichtete.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama räumte unterdessen ein, dass Amerika die Terrormiliz unterschätzt habe. Zugleich sei die Fähigkeit des irakischen Militärs überschätzt worden, die Organisation zu stoppen, sagte er.

          In einem CBS-Interview wurde Obama nach Angaben des Senders danach gefragt, ob er eine entsprechende Einschätzung des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper teile. „Das trifft zu“, antwortete Obama. „Das trifft absolut zu.“ CBS bezeichnete die Äußerung des Präsidenten als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe.

          „Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt“

          Obama führte das Erstarken der Terrormiliz unter anderem auf das syrische Bürgerkriegschaos zurück, das der Gruppe Raum zum Wachsen gegeben habe. Zudem sei es der Sunnitenmiliz gelungen, ausländische Kämpfer aus verschiedenen Ländern in Syrien zu versammeln. „Und so wurde es Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt.“

          Die amerikanische Armee hatte Anfang vergangener Woche ihre Angriffe auf die Extremisten vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Fünf arabische Staaten unterstützen die Vereinigten Staaten dabei. Die Terrormiliz beherrscht in Syrien und im Irak riesige Gebiete und hat dort ein „Kalifat“ ausgerufen. Ziel der Vereinigten Staaten ist es, den Islamischen Staat in beiden Ländern zu zerstören.

          Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter gilt die bombardierte Gasanlage am Rande des Ortes Chascham als die größte ihrer Art in Syrien. Sie versorge mehrere Kraftwerke im Land, die zahlreiche syrische Provinzen mit Strom beliefern. Demnach griff das Bündnis nahe des Ortes Manbidsch im Norden Syriens auch Getreidemühlen und Silos an. Es gebe Informationen über Opfer.

          Bereits in den vergangenen Tagen hatte das Bündnis wiederholt Ölanlagen unter IS-Kontrolle bombardiert. Damit will es nach eigenen Angaben die wichtigste Einnahmequelle der Extremisten zerstören. Die Terrormiliz finanziert sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Öl.

          Kämpfe um Kobane

          IS-Einheiten beschossen am Montag weiter die nordsyrische Stadt Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane), die bislang unter Kontrolle kurdischer Volksschutzeinheiten steht. Beim Einschlag von Granaten seien fünf Einwohner getötet oder verletzt worden, berichteten die Menschenrechtsbeobachter. Die Extremisten seien nur noch vier bis sieben Kilometer von dem Ort entfernt, sagte der Vorsitzende der selbst ernannten Regionalregierung des Gebiets, Anwar Muslim, der Nachrichtenagentur dpa am Montag am Telefon. Sie griffen Kobane, wie die Stadt auf Kurdisch heißt, aus allen Richtungen an. Die Terrormiliz setze dabei schwere Artillerie ein.

          Der Schweizer Reporter Kurt Pelda, der sich vor Ort in Kobane befindet, berichtete in einem Interview mit dem Radiosender HR-Info dahingegen davon, dass sich die Lage in der Stadt entspannt habe. Wie er sagt, hätten die Luftangriffe der Koalition den Vormarsch der Extremisten gestoppt. Am Sonntag seien wieder Einwohner in die Stadt zurückgekehrt, Läden seien wieder geöffnet worden und die Stimmung sei positiv.

          Der IS beschieße die Stadt aber weiterhin mit Granaten, wenn auch seltener als zuvor. Pelda spricht von vereinzelten Einschlägen, die nur leichte Schäden in der Stadt anrichteten. Das liege auch daran, dass es sich dabei nicht um schwere Artillerie handele, sondern um Luftabwehrgeschütze.

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