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Krieg in Syrien : Kerry: Werden letztlich mit Assad verhandeln müssen

  • Aktualisiert am

Monumentale Assad-Plakate pflastern die Straßen in Damaskus. Bild: AFP

Vier Jahre nach Beginn des Kriegs in Syrien zieht Amerika Verhandlungen mit dem syrischen Präsidenten Assad in Erwägung. Und auch der Vatikan überdenkt offenbar seine Haltung.

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          Trotz scharfer Kritik an Baschar al Assad werden die Vereinigten Staaten nach Ansicht ihres Außenministers John Kerry früher oder später mit dem syrischen Präsidenten verhandeln müssen. Möglicherweise müsse der Druck auf den Machthaber erhöht werden, um ihn zu Gesprächen über einen politischen Übergang in Syrien zu zwingen, sagte Kerry am Sonntag in einem Interview des Fernsehsenders CBS. Den üblichen amerikanischen Standpunkt, wonach Assad keine Legitimität mehr besitze und zurücktreten müsse, wiederholte Kerry nicht. „Letztendlich müssen wir verhandeln.“ Die Vereinigten Staaten seien dazu im Rahmen der Genfer Friedensgespräche immer bereit gewesen.

          Westliche Staaten fordern schon lange den Rücktritt Assads. Inzwischen gibt es aber mit der Extremistenmiliz Islamischer Staat in Syrien auch einen gemeinsamen Gegner. So bombardieren die Amerikaner immer wieder IS-Stellungen in dem Bürgerkriegsland und könnten damit indirekt auch den Regierungstruppen helfen.

          Vatikan: Möglicherweise Gewalt nötig

          Auch der Vatikan scheint seine Haltung in der Syrien-Frage zu verändern. Vier Jahre nach dem Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime hält der Vatikan eine militärische Intervention gegen die Dschihadisten für legitim, wenn alle anderen Wege zur Lösung des verheerenden Konflikts ausgeschöpft sein sollten. Der Vatikan-Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, sagte dem katholischen Portal Cruxnow.com, „eine koordinierte und gut durchdachte Koalition“ sei notwendig, um eine politische Lösung ohne Gewalt zu finden. „Aber wenn das nicht möglich ist, dann wird die Anwendung von Gewalt notwendig sein.“ Angesichts der Greueltaten des IS unter anderem gegen Christen sagte Tomasi, diese „Art von Völkermord“ müsse gestoppt werden.

          Mindestens 220.000 Person starben seit dem 15. März 2011 im syrischen Bürgerkrieg. Damals hatten Demonstranten in der Hauptstadt Damaskus mehr Freiheiten gefordert, Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die Proteste vor. Inzwischen hat sich daraus einer der blutigsten Konflikte der jüngeren Geschichte entwickelt. Große Teile im Norden und Osten Syriens stehen heute unter der Kontrolle der Terrormiliz IS. Sie beherrscht auch weite Teile des Nachbarstaates Irak. Nach Schätzungen des Geheimdienstes CIA kämpfen inzwischen rund 20.000 Extremisten aus 90 Ländern für den IS.

          Mehrere tausend Männer seien aus westlichen Ländern angereist, sagte CIA-Direktor John Brennan in Washington. Nach Angaben von Menschenrechtlern steht das Assad-Regime der Terrormiliz aber in nichts nach. Seit Ausbruch des Aufstands seien fast 13.000 Menschen in Gefängnissen des Regimes zu Tode gefoltert worden, erklärte die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Hinzu kämen mehr als 20.000 Menschen, die in den Gefängnissen der Sicherheitskräfte verschwunden seien.

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