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Kampf um Mossul : Bricht in Tal Afar ein Konfessionskrieg los?

Irakische Truppen rücken auf Tal Afar vor. Bild: Reuters

In der IS-Hochburg Mossul erzielen die Truppen der irakischen Regierung weitere Geländegewinne. Beim Vormarsch auf Tal Afar drohen die Gegner der Terrormiliz sich gegenseitig zu bekämpfen.

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          Der Ring der irakischen Kräfte um die vom „Islamischen Staat“ (IS) gehaltene Stadt Mossul wird immer enger. Während im Ostteil der einst zweitgrößten Stadt des Landes Soldaten der irakischen Armee sich schwere Straßenkämpfe mit Dschihadisten liefern, rücken weiter westlich von Mossul schiitische Milizen auf die ebenfalls vom IS gehaltene Stadt Tal Afar vor. Am Mittwochabend verkündete eine der Milizen, dass sie den strategisch wichtigen Flughafen von Tal Afar, sechs Kilometer südlich der Stadt gelegen, unter ihre Kontrolle gebracht habe. Über den verlief nach Angaben der Einheit die letzte Nachschubroute des IS nach Mossul. In Tal Afar selbst, verkündete der Sprecher der Milizen am Montag, könnte sich möglicherweise sogar der „Kalif“ des IS, Abu Bakr al Bagdadi, aufhalten.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Der Erfolg der schiitischen Kräfte droht einen neuen Konflikt zwischen den irakischen Bündnispartnern hervorzurufen, die sich zur Bekämpfung des IS zusammengetan und Mitte Oktober die großangelegte und seit langem angekündigte Offensive zur Rückeroberung Mossuls begonnen haben. Vor allem auf Seiten der Sunniten besteht die Befürchtung, dass die schiitischen Milizen – die unter dem gemeinsamen Namen „Volksmobilisierung“ (Haschd schaabi) operieren und nach eigenen Angaben über 140.000 Kämpfer verfügen – Rache nehmen könnten an sunnitischen Zivilisten. Der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi hatte aus diesem Grund den Sunniten versprochen, dass die schiitischen Milizen nicht direkt an der Befreiung Mossuls mitwirken würden. Die gleiche Zusicherung machte er Anfang November einer Stammesdelegation aus Tal Afar.

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          Im Fall der 60 Kilometer westlich von Mossul gelegenen Stadt ist die Situation noch komplizierter. In Tal Afar, das in osmanischer Zeit als Truppenstützpunkt gegründet wurde, leben überwiegend Turkmenen, sowohl Sunniten als auch Schiiten. Zwischen diesen war es seit der Irak-Invasion 2003 immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Als der IS im Juni 2014 die Stadt eroberte, flohen die Schiiten; IS-Kämpfer zerstörten viele schiitische Moscheen.

          Die Sunniten in der Stadt, von denen sich ein Teil tatsächlich dem IS angeschlossen hat, fürchten sich nun vor der Rache der Schiiten. Dass diese Tal Afar erobern, will auch die Türkei verhindern, die sich als Schutzmacht der Turkmenen sieht und sicherstellen will, dass die Stadt sunnitisch bleibt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte die schiitischen Milizen davor, die Stadt einzunehmen, und drohte mit einem Einmarsch. Eine Rolle spielt aber auch die mit der Türkei verfeindete PKK, die nördlich von Tal Afar im Sindschar-Gebirge operiert – sie könnte mit den schiitischen Milizen gemeinsame Sache machen im Kampf gegen den IS. „Das ist eine gefährliche Situation“, sagte der frühere Gouverneur der Provinz Niniveh, Atheel al Nudschaifi, kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „und ich glaube nicht, dass die Zentralregierung irgendeinen Einfluss darauf hat“.

          Auch der irakische Parlamentsabgeordnete Nabil Harbo, selbst ein Turkmene, befürchtet konfessionelle Gewalt in Tal Afar nach der Befreiung vom IS. Er schlug gegenüber dem irakischen Nachrichtenportal rudaw.net vor, dass internationale Truppen oder kurdische Peschmerga-Einheiten dort für Ruhe sorgen. Bevor sich diese Frage stellt, muss jedoch der IS besiegt werden - und diese Aufgabe wird noch schwer genug, sagt der ehemalige Gouverneur Nudschaifi voraus: „Die letzte Schlacht des IS im Irak wird nicht in Mossul stattfinden, sondern in Tal Afar.“

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