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Kampf gegen den IS : Russland möchte internationale Koalition

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow Bild: dpa

Moskau strebt trotz des Abschusses eines seiner Kampfjets durch die Türkei eine internationale Koalition gegen die Terrormiliz IS an. Washington zögert. Frankreichs Präsident François Hollande wird noch am Donnerstag im Kreml erwartet.

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          Trotz des Abschusses eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei strebt Moskau eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus an. Das betonte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow vor einem Treffen des französischen Präsidenten François Hollande mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Russland wolle eine „breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition“, sagte Rjabkow der Agentur Interfax. Dazu gebe es keine Alternative.

          Russland bewertet den Abschuss im türkisch-syrischen Grenzgebiet als geplante Provokation. Ein Ziel der Aktion vom Dienstag könne gewesen sein, die Bildung einer internationalen Koalition zu torpedieren, meinte Rjabkow. Dies dürfe nicht gelingen.

          “Wir hegen ernsthafte Zweifel daran, dass dieser Vorfall unbeabsichtigt war”, sagte auch der russische Außenminister Sergej Lawrow laut dem Kreml-nahen Sender RT. “Es sieht stark nach einer beabsichtigten Provokation aus." Zahlreiche “Partner Russlands" hätten den Vorfall als einen “offensichtlichen Hinterhalt” bezeichnet. Wer diese Partner seien, erklärte Lawrow nicht.

          Lawrow spricht mit Kerry

          Am Mittwochabend beriet sich Lawrow mit seinem amerikanischen Amtskollegen John Kerry über die Lage nach dem Abschuss. In dem Telefonat rief Kerry zur Deeskalation auf. Der Vorfall dürfe nicht dazu führen, dass die Spannungen zwischen Russland und der Türkei und in Syrien größer würden.

          Putin empfängt Hollande am Donnerstag zu Gesprächen über einen gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. Washington lehnt eine militärische Zusammenarbeit mit Russland ab, solange Moskau den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

          Die Türkei hat sich unterdessen darum bemüht, Russland den Abschuss seines Kampfjets zu erklären. Nach dem Zwischenfall seien russische Militärvertreter in das türkische Armee-Hauptquartier eingeladen worden, hieß es noch am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme. Dort sei den Russen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des russischen Flugzeugs nicht auf Warnungen reagiert habe. Nach dem Abschuss habe sich die Türkei bemüht, die russischen Piloten ausfindig zu machen und zu retten. Gegenüber Russland sei die Bereitschaft zu jeglicher Kooperation ausgedrückt worden.

          “Einsatzregeln angewendet”

          Das türkische Militär wusste nach eigenen Angaben nicht, dass das an der syrischen Grenze abgeschossene Kampfflugzeug russisch war. „Die Nationalität des Flugzeugs war nicht bekannt und die Einsatzregeln wurden auf automatische Weise angewendet“, erklärten die türkischen Streitkräfte am Mittwoch.

          Bereits zuvor hatte sich die türkische Regierung um Deeskalation bemüht. Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die Türkei habe „nicht die Absicht, diesen Zwischenfall hochzuspielen.“

          Ein amerikanischer Militärvertreter äußerte sich besorgt über die Ankündigung Russlands, hochentwickelte Luftabwehrraketen vom Typ S-400 bei Latakia im Nordwesten Syriens zu stationieren. „Es ist ein fähiges Waffensystem, das eine bedeutende Bedrohung für alle darstellt“, sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Auch Amerika fliege in Syrien Luftangriffe auf die IS-Miliz. Um versehentliche Zusammenstöße im Luftraum zu vermeiden, gibt es inzwischen Absprachen zwischen dem amerikanischen Militär und den russischen Streitkräften.

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