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Kampf um Mossul : Irakischer Premier warnt Türkei vor militärischer Konfrontation

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„Wir sind bereit“: Der irakische Regierungschef stellt sich auf einen Zusammenstoß mit türkischen Militärs ein. Bild: dpa

Nach über zwei Jahren der Terrorherrschaft befreien irakische Sicherheitskräfte erste Gebiete Mossuls vom IS. Doch Iraks Regierungschef hat nicht nur die Islamisten zum Feind erklärt.

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          Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hat die Türkei vor einer "Konfrontation" im Norden des Irak gewarnt. "Wir wollen keinen Krieg und wir wollen keine Konfrontation", sagte al-Abadi am Dienstagabend im irakischen Fernsehen. Im Falle von Zusammenstößen jedoch "sind wir bereit", setzte er hinzu. "Wir betrachten (die Türkei) als Feind und wir werden sie als solche behandeln."

          Im Kampf um Mossul hat die Türkei Panzer in das Grenzgebiet zum Irak verlegt. Eine Kolonne sei auf dem Weg in die Südosttürkei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. „Die Türkei muss gegen jede Möglichkeit im Voraus Vorbereitungen treffen“, sagte Verteidigungsminister Fikri Isik. In der Region Baschika nordöstlich von Mossul sind seit längerem türkische Soldaten stationiert.

          Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik erklärte die Bewegungen mit "wichtigen regionalen Entwicklungen". Sein Land bereite sich auf "alle Eventualitäten" vor. Die türkische Armeeführung hat mehrfach erklärt, sich an der Mitte Oktober gestarteten Offensive zur Rückeroberung der nordirakischen Stadt Mossul aus der Hand der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu beteiligen.

          Flüchtlinge nähern sich aus dem Osten Mossuls kommend einem Posten irakischer Spezialkräfte.

          Die irakische Armee ist rund zwei Wochen nach Beginn der Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul nach eigenen Angaben erstmals auf das Stadtgebiet vorgedrungen. Eliteeinheiten erreichten am Dienstag die Stadtgrenze und überquerten sie, wie der Chef der Anti-Terror-Kräfte, Talib Schaghati, dem Staatssender Al-Iraqiya sagte. „Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen.“ Nach UN-Angaben will die IS-Terrormiliz die Offensive aufhalten, indem sie Tausende Zivilisten als menschliche Schutzschilde nutzt.

          Irakische Eliteeinheiten nahmen zudem den Ort Gogdschali am östlichen Stadtrand Mossuls und ein TV-Gebäude direkt an der Stadtgrenze ein, wie die Armee mitteilte. Der Vormarsch gehe weiter. Der kurdische TV-Sender Rudaw berichtete von heftigen Kämpfen in Gogdschali.

          Trotz des Vormarschs an die Stadtgrenze dürfte die Schlacht um die letzte Bastion der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak noch Wochen oder sogar Monate dauern. Die Extremisten verteidigen sich gegen die Angreifer mit Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Zudem haben sie Tunnelsysteme ausgehoben, in denen sie sich geschützt bewegen können. Denn Angreifern drohen blutige Straßenkämpfe.

          Schwierig ist die Offensive für die Angreifer auch, weil der IS nach UN-Erkenntnissen Tausende Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht. Allerdings sei es der Luftwaffe der von den Vereinigten Staaten geführten Koalition bislang gelungen, den IS am Transport von bis zu 25.000 Menschen in die Nähe von Mossul zu hindern, erklärte eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Genf. Ein unbestimmte Zahl von Zivilisten sei aber bereits aus dem Ort Hammam al-Alil mit Lastwagen und Kleinbussen näher an die Stadtgrenze gebracht worden.

          Bei den UN würden zudem Berichte über Massenmorde an Zivilisten eingehen, mit denen der IS offenbar die Bevölkerung in den von der Terrororganisation gehaltenen Gebieten zum Gehorsam zwingen wolle. So sollen allein am Samstag 40 Zivilisten getötet worden sein, die früher Angehörige der irakischen Armee waren.

          Die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und Milizen hatten vor rund zwei Wochen die lang erwartete Offensive auf Mossul begonnen. Wird die Großstadt von den Extremisten befreit, wäre der IS im Irak militärisch weitgehend besiegt. Während die Angreifer von Osten her an Mossul heranrücken konnten, sind sie im Norden und vor allem im Süden noch weiter von der Stadtgrenze entfernt.

          Die IS-Kämpfer in Mossul haben ihre Bewegungsfreiheit nach Einschätzung des amerikanischen Militärs zu einem großen Teil verloren. Sie könnten sich nicht mehr in großen Kolonnen und in großer Zahl zwischen Mossul und der syrischen IS-Hochburg Raqqa bewegen, sagte der amerikanische Militärsprecher John Dorrian. Wo sie in einer größeren Zahl zusammenkämen, „werden wir sie angreifen und töten“.

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