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Kampf gegen IS : Luftschläge nahe der türkischen Grenze

  • Aktualisiert am

Anwohner in der syrischen Provinz Idlib begutachten die Schäden nach den amerikanischen Luftschlägen Bild: Reuters

Die Vereinigten Staaten haben offenbar IS-Ziele unweit der nahe Grenzstadt Kobane attackiert. Bei einem Angriff am Dienstag soll ein Anführer der Al-Nusra-Front getötet worden sein. Washingtons Koalition könnte bald weiteren Zulauf erhalten.

          Das amerikanische Militär hat in Syrien am Mittwoch offenbar die Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fortgesetzt. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtergruppe für Menschenrechten wurden in der Nacht zum Mittwoch Ziele nahe der Stadt Kobane an der türkischen Grenze angegriffen. Die Kampfflugzeuge hätten die Ziele aus Richtung Türkei angesteuert, es habe sich nicht um syrische Maschinen gehandelt.

          Auch am Dienstagabend flog die amerikanische Luftwaffe Angriffe, zu denen das amerikanische Zentralkommando jedoch keine Einzelheiten bekannt gab. Aus Florida hieß es lediglich, es seien zwei Stellungen der Extremisten südwestlich von Dair as-Saur bombardiert worden. Auch im Irak gab es einen weiteren Angriff der Amerikaner, der nordwestlich der Hauptstadt Bagdad erfolgt sei. Bei der am Dienstag gestarteten Offensive soll ein Anführer der Organisation Nusra-Front, die mit dem Terrornetz Al Qaida verbunden ist, getötet worden sein. Das teilte die Gruppierung Medienberichten zufolge auf Twitter mit.

          Der neue Premierminister des Irak, Haidar al Abadi, zeigte sich in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN erfreut über das Vorgehen gegen die Islamisten: „Ich bin glücklich darüber, dass alle die Gefahr sehen und jetzt etwas dagegen unternommen wird.“ Die Amerikaner begründeten das aus ihrer Sicht rechtmäßige Einschreiten in Syrien mit einem Hilferuf aus dem Irak. „Die irakische Regierung hat die Vereinigten Staaten gebeten, internationale Maßnahmen anzuführen, um Stellungen und militärische Hochburgen des IS in Syrien anzugreifen“, schrieb die amerikanische Botschafterin Samantha Power in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

          Aus Iran war unterdessen vorsichtige Kritik an dem Militäreinsatz zu hören. Ohne UN-Mandat oder eine offizielle Anfrage der syrischen Regierung habe der Militäreinsatz keine rechtliche Basis, sagte Präsident Hassan Ruhani am Dienstag in New York. Er verurteilte die Angriffe gegen den IS allerdings nicht explizit, hieß sie aber auch nicht gut. Ein ranghoher iranischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Vereinigten Staaten hätten Iran vorab über ihre Absicht informiert, die Angriffe auf den IS vom Irak auf Syrien auszuweiten.

          Dieses Haus in Kfredrian in der Provinz Idlib soll bei den amerikanischen Angriffen zerstört worden sein

          Iran ist der wichtigste regionale Verbündete von Syriens Präsident Baschar al Assad. Auch dieser war nach amerikanischen Angaben vorab über die in der Nacht zu Dienstag erstmals geflogenen Angriffe gegen IS-Stellungen in Syrien informiert worden. Protest der syrischen Führung gegen den von mehreren arabischen Ländern unterstützten Militäreinsatz der Amerikaner war daraufhin ausgeblieben. Laut staatlichen syrischen Medien erklärte Assad, er unterstütze internationale Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung.

          Die amerikanische Regierung lehnt eine Zusammenarbeit mit Assad ab, da er für sie durch sein Vorgehen im syrischen Bürgerkrieg jegliche Legitimation verloren hat. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte davor, den syrischen Machthaber im Zuge des Kampfes gegen IS wieder zu rehabilitieren. „Die Weltgemeinschaft wird Assad nie vergessen, dass er gegen seine Bevölkerung Giftgas eingesetzt hat“, sagte von der Leyen der „Bild“-Zeitung. Der Kampf gegen den IS habe momentan bloß Vorrang, denn die Extremistengruppe gehe „im Raum Syrien und Irak bestialisch vor und muss erst einmal gestoppt werden“.

          Der türkische Ministerpräsident Erdogan bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung

          Die Koalition im Kampf gegen IS könnte weiter Zulauf bekommen: Die Türkei schließt eine militärische Unterstützung nicht mehr aus. Auch Großbritannien könnte bereits diese Woche über eine Beteiligung an den Angriffen entscheiden. Der amerikanische Präsident Barack Obama bedankte sich unterdessen bei mehreren arabischen Staaten für deren Unterstützung des Militäreinsatzes. In New York sagte er, er wisse ihre Hilfe „sehr zu schätzen“. An den Einsätzen in Syrien sind dem Pentagon zufolge auch Bahrein, Jordanien, Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligt.

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