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Kampf gegen IS : Irak setzt Türkei 48-Stunden-Frist für Truppenabzug

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Peschmerga, die bei Mossul gegen den IS gekämpft haben. Die Türkei hat Truppen in die Region entsandt. Der Irak fordert ihren Abzug. Bild: dpa

Ohne Zustimmung der irakischen Regierung hat die Türkei Truppen gegen den IS in den Nordirak entsandt. Jetzt stellt die irakische Regierung der türkischen ein Ultimatum.

          Der Irak hat der Regierung in Ankara am Sonntag eine Frist von 48 Stunden zum Abzug der türkischen Soldaten aus der Region um Mossul gesetzt. Anderenfalls könnte man den UN-Sicherheitsrat anrufen, erklärte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi. Sein Land habe das Recht, „alle verfügbaren Maßnahmen“ zu ergreifen. Mossul wird von der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert. Einige Hundert türkische Soldaten bilden nach Angaben ihrer Regierung in einem nahe gelegenen Stützpunkt Kämpfer gegen die Islamisten aus.

          Die Türkei hatte am Samstag erklärt, der Einsatz laufe schon seit Monaten und sei mit dem Irak abgesprochen. Ein ranghoher türkischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, es liege offenbar ein Missverständnis vor.

          Cavusoglu: Türkei muss ihre Soldaten schützen

          Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu rechtfertigte die Entsendung türkischer Soldaten in den Irak. Die Türkei habe die Pflicht, ihre dort in der Ausbildung irakischer Einheiten tätigen Soldaten zu schützen, sagte Cavusoglu am Montag dem Sender „Kanal 24“. Zur Lage in Syrien sagte Cavusolgu, mit Luftangriffen allein könne die IS-Miliz nicht aus Syrien vertrieben werden. Es sei eine schlagkräftige Truppe am Boden zur Unterstützung der gemäßigten Opposition nötig.

          Unterdessen hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei einem Besuch in Bagdad den Irak und die Türkei zu einem raschen Ende ihres Streits aufgefordert. „Diese Region kann keinen weiteren Konflikt vertragen“, sagte Steinmeier am Montag. Alle Regierungen müssten dazu einen Beitrag leisten.

          Der Streit belastet Steinmeiers Besuch, bei dem es eigentlich um den gemeinsamen Kampf gegen den IS gehen sollte. Der IS hat neben der zweitgrößten Stadt Mossul große Teile des irakischen Gebiets unter seiner Kontrolle.

          Berichte über geplante Entführungen von Türken in Bagdad

          Ministerpräsident Haider al-Abadi bat deshalb um deutsche Unterstützung bei der Ausbildung der irakischen Armee. Bislang hilft die Bundeswehr nur mit etwa 100 Soldaten bei der Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern im Norden des Landes. Dort will sich Steinmeier am Dienstag ein Bild von der Lage machen. Zu al-Abadis Bitte sagte der SPD-Politiker nur, er habe „genau hingehört“. Zusagen machte er keine.

          Der irakische Ministerpräsident forderte am Montag von der Türkei abermals den „sofortigen Abzug“ ihrer Truppen und bekräftigte das 48-stündige Ultimatum bis Dienstagabend. Nach einem Bericht der Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“ planen bewaffnete irakische Gruppen auch schon Entführungen von Türken in Bagdad, um Ankara zum Abzug zu zwingen.

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