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Kampf gegen IS in Syrien : Pentagon: Keine Zusammenarbeit mit Moskau

Ein russischer Tu-160-Bomber bei einem Luftangriff in Syrien. Bild: Reuters

Nach den Anschlägen von Paris hatte Moskau dem Westen wiederholt angeboten, den Kampf gegen den IS stärker gemeinsam zu führen. Diese Offerten scheinen sich bislang aber nicht auf die russische Strategie niederzuschlagen.

          Die politischen Ankündigungen aller Beteiligten, nach den Anschlägen von Paris im Kampf gegen den IS enger zusammenzuarbeiten, haben sich noch nicht auf die militärische Lage in Syrien und im Irak ausgewirkt. Ein Sprecher der von Washington geführten Militärkoalition trat am Mittwochabend dem Eindruck entgegen, dass es nun eine engere Abstimmung mit den russischen Einsatzkräften in Syrien gebe. Täglich werde ein Kommunikationskanal getestet, der eingerichtet worden sei, um ungewollte Zwischenfälle im Luftraum über Syrien zu vermeiden, sagte der amerikanische Oberst Steve Warren in Bagdad. Nur einmal habe das russische Militär diesen Kanal bislang genutzt, um die Koalition über die geplanten Angriffe zu unterrichten.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Jüngste Äußerungen von Präsident Barack Obama und Außenminister John Kerry hatten die Frage aufgeworfen, ob Amerikaner und Russen demnächst militärisch enger kooperieren würden. Warren sah dafür noch keine Anzeichen. Rebellen, die nicht zum IS gehören und in erster Linie vom russischen Militär bombardiert werden, hegen nach wie vor großes Misstrauen gegenüber Moskau. Nach übereinstimmenden Berichten örtlicher Aktivisten, syrischer Oppositioneller und westlicher Diplomaten galten die meisten der jüngsten russischen Luftangriffe, die nach den Anschlägen von Paris und dem Kooperationsangebot Russlands an Frankreich geflogen wurden, nicht dem IS. Es wurden aber einige Luftangriffe auf Ziele in Raqqa und Deir al Zor gemeldet, wo der IS präsent ist. Nach Angaben der amerikanisch geführten Anti-IS-Koalition wurde keines der Ziele auf der eigenen Liste von den russischen Kampfflugzeugen angegriffen.

          Die russischen Aktionen hätten nur einen minimalen Einfluss auf die Einsätze der Koalition gehabt, sagte Warren, der die Strategie im Kampf gegen den IS erläuterte. Demnach sollen die Dschihadisten im Irak und in Syrien von den vor allem kurdischen Kräften am Boden aufgescheucht und zur Bewegung gezwungen werden, damit sie dann aus der Luft angegriffen werden können. In Syrien habe die Rebellenallianz der Syrischen Demokratischen Kräfte zuletzt etwa 200 kleine Dörfer vom IS zurückerobert.

          Nach Angaben von Aktivisten des örtlichen Netzwerks „Raqqa is being slaughtered silently“, das trotz der Verfolgung durch das IS-Regime Informationen über die Lage in Raqqa veröffentlicht, haben dort die Luftangriffe zuletzt zugenommen. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte am Mittwoch gemeldet, es seien bei den jüngsten Luftangriffen insgesamt 33 IS-Extremisten getötet worden. Zudem hätten Familien von IS-Führern Raqqa in Richtung der irakischen IS-Bastion Mossul verlassen. Dem widersprach am Donnerstag ein Aktivist von „Raqqa is being slaughtered silently“. Militärsprecher Warren äußerte sich nicht auf eine entsprechende Frage. Er wies lediglich darauf hin, dass keine Truppenbewegungen von Raqqa in Richtung Mossul beobachtet worden seien.

          Am Sonntag hatte die Koalition dem IS einen heftigen Schlag versetzt, indem sie 116 Tanklastwagen zerstört und dem für den IS überlebenswichtigen Ölgeschäft massiven Schaden zugefügt. Militärsprecher Warren äußerte die Hoffnung, dass Öl-Schmuggler und Zwischenhändler „die Botschaft verstanden haben“, dass Ölgeschäfte mit dem IS gefährlich sind.

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