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Kampf gegen Houthi-Rebellen : Saudi-Arabien stimmt Feuerpause im Jemen zu

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Außenminister, John Kerry, beim saudischen König Salman Bild: Reuters

Hunderttausende Menschen sind im Jemen auf der Flucht, Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nun hat die saudische Regierung erstmals einer Feuerpause im Kampf gegen die jemenitischen Houthi-Rebellen zugestimmt.

          Sechs Wochen nach Beginn des saudischen Luftkriegs gegen die Houthi-Rebellen im Jemen hat die Regierung in Riad erstmals einer Feuerpause zugestimmt. Der neue saudische Außenminister Adel al Dschubeir sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem amerikanischen Außenminister John Kerry in Riad, eine fünftägige Waffenruhe solle die Lieferung von Hilfsgütern an die Bevölkerung ermöglichen. Kerry rief die Houthi-Rebellen auf, den Vorschlag Saudi-Arabiens anzunehmen. Zudem brauche die Führung in Riad einige Tage Vorbereitung, ehe eine Feuerpause beginnen könne, deren Zeitpunkt noch unklar sei, sagte Kerry.

          Kurz zuvor hatten 22 im Jemen tätige Hilfsorganisationen ein sofortiges Ende der von Saudi-Arabien verhängten Luft- und Seeblockade gefordert, um die leidende Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten versorgen zu können. Mehr als 300.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen auf der Flucht, neun der 25 Millionen Einwohner seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Kerry hatte am Donnerstag auch Gespräche mit König Salman, Kronprinz Muhammad Bin Nayef und Vertretern der geflohenen jemenitischen Exilregierung geführt, um sie zu einer vorübergehenden Einstellungen der Luftangriffe zu bewegen. Der Konflikt lasse sich nur durch politische Verhandlungen lösen, sagte der Außenminister.

          Kommende Woche treffen Vertreter des Golf-Kooperationsrats (GCC), die bis auf Oman die Operation „Erneuerte Hoffnung“ im Jemen unterstützen, in Washington mit Präsident Barack Obama zusammen. Für den 17. Mai haben König Salman und der im März nach Riad geflohene Präsident des Jemens, Abd Rabbo Mansur Hadi, zu Friedensverhandlungen in die saudische Hauptstadt eingeladen. Bislang lehnt aber die von Abd al Malik al Houthi geführte Rebellengruppe Ansar Allah (Verteidiger Gottes), die auch als Houthi-Miliz bezeichnet wird, eine Teilnahme ab. Als Bedingung für Verhandlungen nannte sie eine Einstellung der Luftangriffe. Die Rebellen kontrollieren allen Bombardements zum Trotz weiter zahlreiche Städte und Provinzen.

          In Trümmern: ein Polizeigebäude in der jemenitischen Stadt Saada

          Am Sonntag hatte die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ berichtet, dass saudische Kampfflugzeuge Streumunition auf Stellungen der Houthi-Miliz abgeworfen hätten. Der mögliche Einsatz der geächteten Streumunition ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich das Ziel König Salmans, den von Ansar Allah entmachteten Präsidenten Hadi wieder einzusetzen, kaum noch durchsetzen lässt. Vor zwei Wochen hatte das saudische Verteidigungsministerium zunächst angekündigt, die Luftangriffe der Operation „Entschiedener Sturm“ einzustellen. Doch angesichts des Vormarschs der Houthi-Miliz, die vom früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih unterstützt wird, dauerte die einseitige Feuerpause nur eine Nacht an. Riad und seine Verbündeten innerhalb des Golf-Kooperationsrats betrachten die Houthis als Stellvertreterarmee Irans, das die schiitischen Zaiditen im Jemen politisch und militärisch unterstütze. Die religiöse Führung in Teheran weist diesen Vorwurf zurück; „Jemeniten brauchen unsere Waffen nicht“, sagte unlängst Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei.

          Seit dem Beginn des Luftkriegs auf Stellungen Ansar Allahs hat sich der Krieg sukzessive ausgeweitet; am Dienstag waren erstmals drei saudiarabische Zivilisten nahe der Grenze durch Beschuss aus dem Jemen getötet worden. Sollte die von Kerry angestrebte politische Initiative scheitern, würde das die Entsendung von Bodentruppen wahrscheinlicher machen. Die jemenitische Exilregierung um Präsident Hadi fordert bereits jetzt offen zu einen solchen Schritt. In einem Brief an die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen forderte des jemenitische UN-Botschafter Khaled Alyemany die internationale Gemeinschaft am Mittwoch auf, umgehend mit Landstreitkräften zu intervenieren, um ein Ende des Konflikts zu erreichen. Die Houthi-Rebellen nähmen „alles ins Visier, was sich in der Stadt Aden bewegt“.

          Die Entsendung von Bodentruppen hat die Militärführung der arabischen Koalition in Riad nie ausgeschlossen, auch wenn sie am Wochenende Berichte dementierte, dass in der Hafenstadt Aden bereits saudische Kräfte im Einsatz seien. Eine Ausbildung jemenitischer Stammesangehöriger, die seit langem mit dem Königshaus in Riad verbündet sind, gilt arabischen Medien zufolge jedoch als sicher. Auch die „New York Times“ schrieb zuletzt über Ausbildungslager in Saudi-Arabien, in denen Hunderte jemenitische Kämpfer an Waffen trainiert würden. Vor allem nach Aden, der einstigen Hochburg des entmachteten Staatschefs Hadi, sollen derart ausgebildete Kräfte bereits entsandt worden sein, um die Vormachtstellung der Houthis zu brechen.

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