https://www.faz.net/-gq5-89mm6

Kampf gegen den IS : Moskau warnt vor Stellvertreterkrieg in Syrien

  • Aktualisiert am

Ein Soldat der syrischen Armee bei Gefechten in Jobar, einem Vorort von Damaskus. Bild: AP

Die Amerikaner wollen Spezialeinheiten nach Syrien entsenden. Beobachter sehen darin einen deutlichen Kurswechsel. Russlands Außenminister Lawrow kritisiert die Entscheidung als Alleingang.

          2 Min.

          Nach dem Entschluss der Amerikaner zur Entsendung bewaffneter Spezialeinheiten nach Syrien hat Russland vor einem „Stellvertreterkrieg“ in dem umkämpften Land gewarnt. Die Vereinigten Staaten hätten ihre Entscheidung unilateral und „ohne einen Hinweis auf die syrische Staatsführung“ getroffen, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow nach Gesprächen mit seinem amerikanischen Amtskollegen John Kerry und dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura in Wien.

          „Ich bin davon überzeugt, dass weder die Vereinigten Staaten noch selbstverständlich Russland irgendein Interesse daran haben, in einen Stellvertreterkrieg zu verfallen“, sagte Lawrow. „Diese Situation macht eine Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften noch dringlicher“.

          „Das ändert die Lage nicht bedeutend“

          Die amerikanische Regierung bestritt eine grundsätzliche Kehrtwende in ihrer Krisenstrategie für Syrien. „An der Mission hat sich nichts geändert“, sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest, im Weißen Haus. Bodeneinsätze von Soldaten habe es vorher schon gegeben. Außenamtssprecher John Kirby sagte, die Mission ändere sich nicht, die bisherigen Bemühungen in Syrien würden lediglich „verstärkt“.

          Obama habe bereits im September 2014 verkündet, dass amerikanische Soldaten in der Region dabei helfen würden, Kämpfer auszubilden und zu beraten, sagte Earnest am Freitag. Auch Einsätze zur Befreiung amerikanischer Geiseln oder zur Tötung hochrangiger Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf syrischem Boden habe es schon gegeben.

          „Eine Handvoll amerikanische Spezialeinheiten nach Syrien zu entsenden wird die Lage nicht bedeutend ändern“, sagte auch der Ex-Sonderbeauftragte für Syrien im amerikanischen Außenministerium, Frederic Hof. „Es ist eine Art Pflaster, aber möglicherweise ein nützliches.“

          Beobachter sehen neue Strategie

          Faysal Itani vom Atlantic Council sprach hingegen trotz der geringen Truppenzahl von einem „maßgeblichen Strategiewechsel“ Washingtons. Auch amerikanische Medien wie die „Washington Post“ sprechen von einer grundlegenden Veränderung in Obamas Strategie. Der Zeitung zufolge sollen die Soldaten vor allem im Norden Syriens eingesetzt werden.

          Für Obama ist der Syrien-Einsatz politisch heikel. In seiner eigenen Partei kamen nach der Verkündung der Verstärkung Zweifel, ob sie die Vereinigten Staaten nicht zu sehr in den Krieg ziehen lassen. Republikaner kritisierten dagegen, die Entscheidung sei zu zögerlich und komme zu spät, berichtet die „New York Times“.

          Obama hatte am Freitag den Einsatz von weniger als 50 amerikanische Soldaten in Syrien angekündigt. Obendrein ordnete er die Verlegung einer nicht genannten Zahl von Kampfflugzeugen des Typs A-10 und F-15 an den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik an. In Abstimmung mit der irakischen Regierung solle zudem ein Einsatzkommando gebildet werden, um Angriffe auf Anführer des IS und dessen Netzwerk zu koordinieren.

          Diplomatische Offensive für Syrien

          In Wien hatte die internationale Gemeinschaft zuvor den bisher wohl ernsthaftesten Versuch gestartet, den Syrien-Konflikt mit politischen Mitteln zu beenden.

          In der nach achtstündigen Beratungen in Wien herausgegebenen Abschlusserklärung wird auf Drängen des Irans und Russlands ausdrücklich festgehalten, dass das syrische Volk selbst über die Zukunft des Landes entscheiden sollte. Damit rückte der Westen von einer früheren Forderung ab, dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad sofort aus dem Amt gedrängt werden müsse.

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen – und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.
          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.