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Kämpfer der syrischen Opposition : Vom Westen verlassen

Führt vom Kriegsgebiet aus: der neue Oberbefehlshaber der Freien Syrischen Armee, General Abdulillah al Bashir (Mitte) Bild: Getty

Der neue Oberbefehlshaber der Freien Syrischen Armee wirbt um Unterstützung im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Doch Amerika scheint die syrischen Oppositionskämpfer schon aufgegeben zu haben. Nun hofft er auf Europa.

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          Der neue Oberbefehlshaber der Freien Syrischen Armee, General Abdulillah al Bashir, zeichnet ein düsteres Bild von der militärischen Lage im Norden Syriens. Da die Terrormiliz „Islamischer Staat“ über ungleich mehr Mittel verfüge als seine Armee, rücke sie immer weiter nach Westen vor. Zudem liefen Einheiten auch der Freien Syrischen Armee zu den Terroristen über, sagt Bashir, der dem Hohen Militärrat der Freien Syrischen Armee vorsteht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Anders als sein Vorgänger Selim Idriss, der aus der sicheren Türkei heraus die Freie Syrische Armee befehligt hatte, hält sich General Bashir, der kürzlich erstmals Deutschland besucht hat, ständig im Kampfgebiet auf. Vor drei Monaten hat er in der Industriestadt Shaikh Nadschar wenige Kilometer nördlich von Aleppo ein Operationszentrum eingerichtet, wo sich die Führer aller Einheiten, die sich in der Region zur Freien Syrischen Armee bekennen, treffen und wo sie ihre Operationen koordinieren. Die Region nördlich von Aleppo ist heftig umkämpft. Südlich von Bashirs Hauptquartier in Shaikh Nadschar stehen Milizen, die für die Regierung in Damaskus kämpfen; von Osten rückt die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vor; im Westen will die Freie Syrische Armee deren Vorrücken zumindest verlangsamen.

          Der fünffache Sold lockt Überläufer

          Einer der größten Erfolge des „Islamischen Staates“ in jüngster Zeit: Am 14. August gelang es der Miliz, die Stadt Akhtarin einzunehmen, nicht zuletzt dank der zuvor erbeuteten Panzer und anderer moderner Waffen. Darüber hinaus waren hundert Kämpfer der Brigade Dawud, die lose mit der Freien Syrischen Armee verbunden war, samt Ausrüstung zum „Islamischen Staat“ übergelaufen. Für das Vorrücken der Terrormiliz macht General Bashir einen nicht identifizierten Spion in den eigenen Reihen sowie den lukrativen Sold, den der „Islamische Staat“ zahlt, verantwortlich. Während nur ein Teil seiner Soldaten aus amerikanischen Mitteln monatlich hundert Dollar erhalte, zahle der „Islamische Staat“ jedem Krieger fünfhundert Dollar. Hinzu kämen Gelder für die Frauen und Kinder.

          General Bashir vermisst bei der Staatengemeinschaft Entschlossenheit, gegen diese Bedrohung vorzugehen. „Die Dschihadisten werden aber in den Westen gehen, dann wird die ganze Welt davon betroffen sein.“ Stellvertretend für die Welt kämpfe die Freie Syrische Armee gegen den „Islamischen Staat“, bekomme dabei aber kaum Hilfe von außen. Bashir sagt, zur Freien Syrischen Armee würden sich noch immer jeweils mehrere zehntausend Soldaten im Norden und im Süden Syriens bekennen. Das reiche, um dem „Islamischen Staat“ entgegenzutreten.

          Es gibt Alternativen zu Assad

          Dazu müsse sich der Westen also nicht auf das Angebot des syrischen Außenministers Walid Muallim einlassen. Dieser hatte Washington für amerikanische Luftangriffe gegen Stellungen der Extremisten die Unterstützung der Führung in Damaskus angeboten. Das Verhältnis zwischen dem Westen und der Freien Syrischen Armee ist gestört, seitdem islamistische Milizen am 7. Dezember 2013 deren Waffenlager im Grenzort Bab al Hawwa geplündert hatten und der „Islamische Staat“ deren Hauptquartier angegriffen hat.

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