https://www.faz.net/-gq5-7w9gv

Kampf um den Tempelberg : Unter fremden Menschen

Stacheldraht im Blick und in den Köpfen: Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem Bild: AFP

Seit immer mehr rechte und religiöse Israelis auf den Jerusalemer Tempelberg pilgern, kehrt dort keine Ruhe mehr ein. Jeder Zentimeter, jede Sekunde ist umkämpft.

          Die Herbstsonne ist so stark, dass sich die Frauen in den Schatten zurückgezogen haben. Sie stecken ihre Köpfe zusammen und beugen sich über den Koran. Leise murmeln sie. Plötzlich tauchen vier junge Männer am Eingangstor auf. Schrille Stimmen gellen über den Platz vor der Al-Aqsa-Moschee. „Allahu akbar“ rufen die Frauen den Männern hinterher: Es sind zwei Tora-Studenten mit Schläfenlocken, die von zwei schwerbewaffneten israelischen Polizisten an den Frauen vorbei eskortiert werden. So plötzlich, wie sie begonnen haben, verstummen die „Gott ist größer“-Rufe wieder. Doch nur so lange, bis die nächste jüdische Besuchergruppe in Sicht kommt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zwei Mal am Tag dürfen Nichtmuslime das Plateau oberhalb der Altstadt von Jerusalem besuchen. Juden nennen es den Tempelberg, Muslime „Haram al-Scharif“, das „erhabene Heiligtum“. Dort oben kehrt keine Ruhe mehr ein, seit immer mehr rechte und religiöse Israelis auf den heiligen Berg pilgern. Eigentlich ist neben der Al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom viel Platz, das Areal ist so groß wie 33 Fußballfelder. Aber jeder Zentimeter Boden und jede Minute Besuchszeit an dem Ort ist umkämpft. Vor 2000 Jahren stand dort der jüdische Tempel, seit fast 1300 Jahren die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom.

          Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warnte bereits vor einem „Religionskrieg“. Er werde ausbrechen, wenn die israelische Regierung Juden dort den gleichen Zugang gewähre wie bisher nur den Muslimen. Israel müsse seine „Siedler und Extremisten“ von dort fernhalten. Sechs Israelis fielen der jüngsten Welle der Gewalt schon in Israel und im Westjordanland zum Opfer, deren Epizentrum weiterhin im Schatten der Al-Aqsa-Moschee liegt.

          „Der Status quo ist antisemitisch und unmenschlich“

          Die zweite Intifada begann im September 2000, nachdem der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon den Tempelberg besucht hatte. Jetzt fürchten manche den Ausbruch einer dritten Intifada. In der vergangenen Woche sah Ibrahim al Akari Fernsehbilder von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen arabischen Demonstranten und israelischen Polizisten vor der Al-Aqsa-Moschee. Daraufhin setzte sich der Familienvater aus Ostjerusalem in seinen VW-Bus und überfuhr 14 Israelis. Polizisten erschossen Akari, zwei Israelis kamen ums Leben.

          Jakob Hayman lässt sich von alledem nicht beeindrucken. „Man darf sich durch niemanden und nichts einschüchtern lassen. Schon gar nicht von Muslimen, die anderswo Menschen die Köpfe abschneiden“, sagt der gebürtige Amerikaner mit dem wallenden weißen Bart. „Für die jüdische Freiheit auf dem Tempelberg“ lautet das Motto seiner Organisation „Haliba“. Hayman bietet dort regelmäßig Touren an. So wie sein Freund Jehuda Glick setzt sich Hayman dafür ein, dass Juden an dem für sie heiligen Ort beten dürfen. Der Rabbiner Glick war im Oktober von einem Palästinenser niedergestochen und schwer verletzt worden. Hayman selbst sieht sich als Kämpfer für die Religionsfreiheit. „Der Tempelberg ist heilig, nicht der Status quo. Der Status quo ist antisemitisch und unmenschlich“, schimpft er.

          Topmeldungen

          Sherpas Hecker und Röller : Das sind Merkels G-7-Helfer

          Am Samstag beginnt der G-7-Gipfel in Frankreich. Jan Hecker und Lars-Hendrik Röller haben die meiste Arbeit dann hinter sich: Sie bereiten die Kanzlerin auf das Treffen vor. Doch wer sind Merkels wichtigste Berater?
          Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Aufsichtsrat bei Aldi Süd. Das liegt auch an seiner Freundschaft zum ehemaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

          Ehemaliger Daimler-Chef : Zetsche geht zu Aldi Süd

          Nach dem Ende seiner Karriere bei Daimler hat Zetsche einen Posten bei Aldi Süd übernommen. Wie die F.A.Z. erfahren hat, ist er schon seit Juni im Beirat des Discounters. Das hängt mit einer Männerfreundschaft zusammen.

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.