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Kampf um den Tempelberg : Unter fremden Menschen

Kontrollen wie am Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen

Der Ort selbst ist ihm so heilig, dass er jedes Mal, bevor er die Holzbrücke zum „Mughrabi“-Tor hinaufgeht, in der Mikwe, dem jüdischen Ritualbad, eintaucht. Danach zieht er Plastiksandalen an – lederne Schuhe sind gläubigen Juden auf dem Plateau verboten. Andere kommen in Socken oder barfuß, um das Allerheiligste nicht zu entweihen, dessen Reste Juden an der Stelle vermuten, an der heute der Felsendom steht. Nur wer sich mit der Asche einer roten Kuh nach einem uralten Ritual reinigt, dürfte sich – theoretisch – diesem Teil des Tempelbergs nähern. Für Frauen sind die Vorschriften der Rabbiner, auf die Hayman und seine Freunde hören, noch viel strenger: Wenn Frauen ihre Tage haben, müssen sie fernbleiben.

Dabei lässt das israelische Oberrabbinat keine Zweifel daran, dass kein Jude dort oben etwas verloren hat. Wegen der Heiligkeit des Ortes sei Juden der Zutritt „strengstens“ verboten, steht auf einem großen Schild am einzigen Eingang für Nichtmuslime. An dem Tor vor der Holzbrücke kontrollieren Polizisten alle Besucher ähnlich penibel wie am Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen. Sie suchen nach Waffen und allem, was zum Gebet oder für andere religiöse Zwecke verwendet werden könnte. In einem Regal neben dem Durchleuchtungsgerät stapeln sich jüdische Gebetsbücher, welche die Polizisten beschlagnahmt hatten.

Nur kurz wehte 1967 die israelische Flagge über dem Felsendom

Wer den Tempelberg besuche, mache sich eines Vergehens schuldig, auf das die Todesstrafe stehe, mahnte der sefardische Oberrabbiner Itzhak Josef die jüdischen Aktivisten. „Es ist unvorstellbar, dass zweitklassige Rabbiner über diese Frage mit den angesehensten Rabbinern Israels streiten“, schimpfte er. Jakob Hayman, aber auch Politiker aus der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hören trotzdem nicht auf ihn. Die Oberrabbiner seien von der Regierung ernannt und sagten, was diese von ihnen verlange, sagt Hayman abschätzig. Er hält den Besuch am heiligen Ort sogar für ein Gebot. „Nur der Sanheddrin mit seinen siebzig Gelehrten könnte das verbieten. Aber der tagt schon lange nicht mehr“, sagt Hayman über die höchste jüdische Instanz, die es zu Zeiten des Tempels gab. Der Tempelberg sei der heiligste Ort für die Juden, sagt der Likud-Abgeordnete und stellvertretende Parlamentsvorsitzende Mosche Feiglin. „Was bleibt uns denn noch, wenn wir uns von dort zurückziehen“, fragt Feiglin. Israelis wie Hayman wollen sich nicht mehr mit dem Status quo abfinden, der seit fast fünfzig Jahren gilt. Nachdem die israelische Armee im Juni 1967 die Altstadt von Jerusalem erobert hatte, wehte nur für kurze Zeit die israelische Flagge über der goldenen Kuppel des Felsendoms.

Verteidigungsminister Mosche Dajan befahl damals, sie schnell wieder einzuholen. Er wollte die muslimische Welt nicht gegen Israel aufbringen. Dajan verzichtete darauf, die israelische Souveränität auf dem Areal durchzusetzen, und überließ einer islamischen Stiftung, dem Waqf, die Verwaltung des Areals. Jordanien gestand er ein Wächteramt über die drittheiligste Stätte des Islams nach Mekka und Medina zu.

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