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Jürgen Todenhöfer : Briefe an die „liebe Prinzessin des Nahen Ostens“

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Viel Lob für Assad: Buchautor Jürgen Todenhöfer Bild: Jan Roeder

Um ein Interview mit Syriens Machthaber Assad zu erhalten, ging der Publizist Jürgen Todenhöfer ziemlich weit. Das zeigen E-Mails an eine gut aussehende junge Frau, die nun veröffentlicht wurden.

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          Es war ein Fernsehinterview, das Schlagzeilen machte: Im Juli 2012 traf sich der Publizist und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer mit dem syrischen Staatspräsidenten Baschar al Assad. Für Todenhöfer war das Gespräch ein Coup. Wie nun das libanesische Nachrichtenportal „Now News“ berichtet, investierte Todenhöfer viel Energie in die Vorarbeit – und ging dabei an die Grenzen journalistischer Maßstäbe.

          Eine wichtige Rolle bei der Ermöglichung des Gesprächs mit Assad spielte demnach dessen Medienberaterin Sheherazad Jaafari, Tochter des syrischen Botschafters bei den Vereinten Nationen. „NOW News“ zitiert aus E-Mails, die Todenhöfer im Vorfeld des Treffens an die Vertraute Assads geschickt haben soll. Darin stellt er sich als einflussreiche Stimme in den deutschen Medien dar. Für seine „objektiven“ Artikel über Syrien und die Bemühungen des Regimes werde er kritisiert und sogar mit dem Tod bedroht. Assad sei der einzige Politiker, der Syrien in eine moderne und stabile Zukunft führen könne. „Das müssen wir der Welt klarmachen“, schrieb Todenhöfer an Jaafari, „und auch eurem Volk“. Deshalb brauche er ein Interview.

          Das Lob für den Diktator garnierte der Publizist mit blumigen Worten an die junge Medienberaterin. „Liebe Prinzessin des Nahen Ostens“, „liebe Prinzessin“: So begannen laut „Now News“ mehrere E-Mails an Jaafari. Wenn Syrien doch nur die demokratische Führung der arabischen Welt übernehmen könnte, werde er „jede freie Minute“ dort verbringen, „in diesem faszinierenden Land mit seiner faszinierenden Prinzessin“.

          Das libanesische Portal, das den Briefwechsel veröffentlichte, kritisierte auch andere westliche Journalisten für ihren Umgang mit dem syrischen Regime. Darunter ist die britisch-libanesische Korrespondentin Hala Jaber, die für die „Sunday Times“ schreibt.

          Dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“ bestätigte Todenhöfer die Echtheit der E-Mails. Es handele sich dabei um eine „Uralt-Kamelle“. Er habe den E-Mail-Verkehr mit der „bildhübschen“ Jaafari in einem früheren Buch selbst geschildert. „Ich würde auch mit dem Vorzimmer von Putin oder von Obama flirten, um dem Frieden im Nahen Osten zu dienen“, sagte er.

          Todenhöfer geriet für sein politisches Engagement schon früher in die Kritik. Im Juni 2014 veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite eine Fotomontage, die Bundespräsident Joachim Gauck als „Gotteskrieger“ darstellte, der „zum heiligen Krieg“ aufrufe. Politiker aus der Union riefen den Publizisten damals auf, aus der CDU auszutreten.

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