https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/john-kerry-verurteilt-gewalt-und-hetze-im-nahost-konflikt-13870402.html

Nahost-Konflikt : Kerry ruft zu Ende der Gewalt auf

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Außenminister Kerry redet dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu ins Gewissen. Bild: AFP

Der amerikanische Außenminister hat bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu Gewalt und Hetze der Konfliktparteien verurteilt. Die Gewalt reißt jedoch nicht ab, so gab es in Beit Schemesch ein Attentat.

          2 Min.

          Zwei mit einem Messer bewaffnete Palästinenser haben am Donnerstag in Israel versucht, in einen Schulbus einzudringen und verletzten danach einen jüdischen Passanten. Bei der Attacke in der Stadt Beit Schemesch westlich von Jerusalem hätten die beiden jungen Männer zunächst versucht, einen nur für den Schülertransport bestimmten Bus zu besteigen, seien aber vom Fahrer und begleitenden Erwachsenen daran gehindert worden, teilte die Polizei mit. Danach hätten sie einen 25 Jahre alten Passanten mit einem Messer angegriffen und verletzt.

          Die Polizei erschoss einen der beiden Angreifer, der andere wurde schwer verletzt. Nach Ermittlerangaben trugen die beiden Täter unter ihren Hemden T-Shirts mit dem Emblem der Al-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas. Es handelte sich um zwei 20 Jahre alte Männer aus dem Dorf Surief bei Hebron im Westjordanland, wie Polizeisprecherin Luba Samri weiter mitteilte.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry hat Israelis und Palästinenser zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen. „Es ist entscheidend, dass all diese Hetze und all diese Gewalt aufhört“, sagte er am Donnerstag zum Auftakt eines Treffens mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Berlin. Es müssten Schritte ergriffen werden, um die gegenseitigen Beschuldigungen zu überwinden.

          Kerry zeigte sich zuversichtlich, dass beide Seiten zur Deeskalation bereit sind. Am Wochenende will er auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas treffen.

          Schon mehr als 60 Tote

          Netanjahu machte den Palästinensern wieder schwere Vorwürfe und bezichtigte Abbas erneut der Lüge. „Es ist keine Frage, dass diese Welle der Gewalt direkt angetrieben wird von Hetze - Hetze der Hamas, Hetze der islamistischen Bewegung in Israel und Hetze - es tut mir leid, das sagen zu müssen - von Präsident Abbas und der Palästinensischen Autonomiebehörde“, sagte der israelische Regierungschef.

          „Um Hoffnung zu erlangen, müssen wir den Terrorismus stoppen. Um den Terrorismus zu stoppen, müssen wir die Hetze stoppen.“ Die internationale Gemeinschaft müsse Abbas auffordern, seine Hetze zu stoppen und ihn für seine Worte und Taten zur Verantwortung ziehen.

          Netanjahu wirft Abbas vor, den Israelis zu unterstellen, sie wollten den Status quo auf dem Tempelberg in Jerusalem ändern. Die Stätte ist Juden wie Muslimen heilig. Ein Streit um Besuchs- und Gebetsrechte auf dem Tempelberg, wo die muslimischen Heiligtümer - der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee - stehen, gilt mit als Auslöser der jüngsten Welle der Gewalt. Seit Monatsbeginn sind bei Anschlägen und Auseinandersetzungen mehr als 60 Israelis und Palästinenser getötet worden.

          Netanjahu hatte den Konflikt kurz vor seinem Berlin-Besuch mit dem Vorwurf weiter angefacht, der frühere palästinensische Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, habe Nazi-Diktator Adolf Hitler zur Ermordung der Juden in Europa angestiftet.

          Die linksliberale israelische Tageszeitung „Haaretz“ kommentierte am Donnerstag, Netanjahu habe einen zynischen und plumpen Versuch unternommen, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges zu verzerren und neu zu schreiben. Es sei durchsichtige Propaganda, (Palästinenserpräsident) Mahmud Abbas in einen Topf mit dem Nazi-Weltbild von Jerusalems Großmufti zu werfen.

          Topmeldungen

          Männertrio: Habeck, Scholz und Lindner

          Koalition : Die Fortschritte der Ampel

          Trotz Krieg und Krise hält Kanzler Scholz an seinem Optimismus fest. Aber Fortschritte im Kleinen sind etwas ganz anderes als Fortschritt im Ganzen.
          Schwaches Bild von sich selbst: Wer unter dem Impostor-Syndrom leidet, traut seiner eigenen Berufsbiographie nicht über den Weg.

          Impostor-Syndrom : Wenn man sich niemals gut genug fühlt

          Ein geringes Selbstwertgefühl kann im Beruf dazu führen, dass Hochqualifizierte denken, ihre Stellung gar nicht verdient zu haben. Das Phänomen hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Doch was können Betroffene dagegen unternehmen?
          Mehr Wasser, weniger Ertrag: Im Rhinluch in Brandenburg werden neue Ideen für die Bewirtschaftung nasser Moorböden erprobt.

          Klimaschutz : Es werde Moor

          Die deutschen Moore könnten riesige Mengen Treibhausgase speichern – wenn man sie wieder unter Wasser setzt. Dann können dort aber keine Kühe mehr weiden. Wovon sollen die Bauern künftig leben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.