https://www.faz.net/-gq5-zi4f

Jemen : Welcome, rufen die Krieger von Scheich Ahmar

  • -Aktualisiert am

Stammeskrieger von Scheich Ahmar in Sanaa Bild: REUTERS

Ahmars Krieger wünschen Präsident Abdallah Salih zum Teufel. In Sanaa tobt ein Stammeskrieg. Die Bewegung der Opposition steht abseits.

          3 Min.

          Es ist schwer zu sagen, wer das Gerücht zuerst in die Welt gesetzt hat. Vielleicht ist es aus den Kasernen gekommen, aus einem Regierungsgebäude oder dem Präsidentenpalast. Zögernd kommt es in Gang, mit heftigen Detonationen im Süden, dann zieht es in nördliche Richtung; schließlich bewegt es sich kreuz und quer durch die jemenitische Hauptstadt. Maschinengewehrfeuer, Granaten, Raketen - das Gerücht entlädt sich um Mitternacht mit solcher Wucht, dass wir uns im Talkessel die Ohren zuhalten.

          Ein Querschläger, und die Straßen sind in Sekunden leergefegt. Ist das der Bürgerkrieg, den viele fürchten? Oder doch nur eine Art Silvester, weil zwischen grüner Leuchtspurmunition auch bunte Lichtergirlanden vom Nachthimmel regnen? „Salih, Salih“-Rufe ertönen, und es wird klar: Das sind Freudenfeuer. Sanaa soll glauben, der verwundete Potentat sei aus Saudi-Arabien zurück. Das also war das Gerücht; es sollte Salihs Gegner einschüchtern.

          Der alte Machthaber hat viele Gegner, aber auch noch viele Getreue. General Jehia Salih zum Beispiel, sein Neffe. Weil Abdallah Salih die wichtigsten Posten nur mit Familienmitgliedern besetzt, befehligt Jehia Salih die „Nationalen Sicherheitskräfte“. Die 6000 Mann starke Truppe ist in einem abgeriegelten Kasernenkomplex im Süden der Stadt untergebracht. General Salih kommt mit großem Gefolge. Er spricht so leise, dass man ihm die Worte von den Lippen ablesen muss.

          Der zerstörte Gemüsemarkt in Sanaa

          250 Demonstranten wurden von Scharfschützen erschossen

          Er wisse nichts von einem Gerücht. Der Präsident erhole sich in Saudi-Arabien bestens von der Verwundung, die ihm Terroristen zugefügt hätten. Der General beteuert, spätestens in zwei Wochen komme der Präsident zurück, um das Vaterland wieder zu führen. Auf einem vergoldeten Tisch steht eine Bronzefigur, ein kleiner Soldat mit einem Maschinengewehr. „With respect and best wishes“, steht darauf. Es ist ein Geschenk Washingtons.

          Die Amerikaner haben die Nationalen Sicherheitskräfte des Onkels jahrelang im Antiterrorkampf und in der Aufstandsbekämpfung trainiert. Das „Wissen“, das General Salih so erwarb, dürfte ihm nützlich sein bei der Niederschlagung des bewaffneten Widerstands und der friedlichen Opposition. Deren Protagonisten sitzen seit Februar auf dem „Platz des Wandels“ im Zentrum von Sanaa: Jugendliche, Studentinnen, Angestellte, Arbeitslose. Rund 250 Demonstranten wurden in den vergangenen Wochen von Scharfschützen erschossen. Trotzdem halten noch immer einige tausend Demonstranten den Platz besetzt; sie müssen mit ansehen, wie der blutige Machtkampf ihre Forderungen nach Demokratie und Freiheit verdrängt. Längst ist die friedliche Oppositionsbewegung auf eine Größe geschrumpft, die das Salih-Regime vernachlässigen kann. Es gibt gefährlichere Kräfte. „Wir müssen nun vor allem herauszufinden, ob der Ahmar-Clan hinter dem Terroranschlag auf den Präsidenten steckt“, sagt General Jehia Salih.

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

          Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Interview zu Shitstorms : #HASS im Netz

          Nutzer überschwemmen seit Jahren Konzerne, Politiker und Privatpersonen mit empörten Kommentaren. Ein Wissenschaftler erklärt, ob man Shitstorms mit mittleralterlichen Prangern vergleichen kann und ob Klarnamen helfen würden.
          Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China wird nach Ansicht von Fachleuten auf absehbare Zeit im Zentrum des Interesses an der Wall Street stehen.

          Wall Street : Die Skepsis am China-Abkommen wächst

          Im Handelskonflikt zwischen Amerika und China haben Börsianer wenig Hoffnung auf wirkliche Fortschritte. Der positive Auftakt der Bilanzsaison sorgt zwar für etwas Erleichterung – doch sind noch viele Fragen offen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.