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Jemen : Salih eingekreist von Stammeskämpfern

Bild: reuters

Jemens Präsident gerät immer mehr in Bedrängnis. Seine Rivalen sind mächtig, und selbst in seinem Palast kann sich Salih nicht mehr sicher fühlen. Bei einem Angriff wird er leicht verletzt.

          Der Countdown für Ali Abdullah Salih hat begonnen. Am Mittag schlug es sogar im Präsidentenpalast ein. Der jemenitische Staatschef hatte sich mit einigen seiner Getreuen zum Freitagsgebet versammelt. Salih wurde nach Angaben des Regimes durch den Beschuss nur leicht verletzt, wie auch einige seiner Weggefährten. Das teilte das jemenitische Staatsfernsehen mit. Zwei Granaten hatten die Moschee auf dem Gelände getroffen. Stärker verletzt wurden Ministerpräsident Ali Muhammad Mudschawar, dessen Stellvertreter Rashad al Alimi und Parlamentssprecher Yahya al Rai. Vier Soldaten der Präsidentengarde wurden getötet.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Warnung hätte deutlicher kaum sein können: Nicht einmal mehr in seiner in seiner Festung am Rande der Hauptstadt Sanaa ist das bedrängte Staatsoberhaupt sicher. Zuvor hatten 40 000 Stammeskrieger um die Stadt Stellung bezogen. Einer Erklärung des Verteidigungsministeriums, die Armee habe den Fluss weiterer Oppositioneller Kämpfer in die Stadt gestoppt, wurde wenig Glauben geschenkt.

          Seit Tagen liefern sich Salihs Republikanische Garden in Sanaa Straßenkämpfe mit 6000 bewaffneten Anhängern seines Rivalen, dem Stammesführer Sadeq al Ahmar. Gleichzeitig sieht sich Salih 40 000 Soldaten gegenüber, die seinem Halbbruder Ali Muhsin al Ahmar folgen. Der hatte sich als ranghöchster General am 21. März auf die Seite der Opposition geschlagen. Nach Wochen der Zurückhaltung greifen seine Truppen nun in das Geschehen ein. Zuletzt besetzten sie den Sitz des Generalstaatsanwalts und vertrieben die Heckenschützen der regimetreuen Sicherheitskräfte, die zuvor von den Dächern um den Platz der Universität, dem „Platz des Wandels“, auf die kampierenden Aktivisten geschossen hatten.

          Im Jemen wird wohl auch die Armee darüber entscheiden, ob der Dauer-Herrscher Ali Abdullah Salih, weiter an der Macht bleibt.

          Wegen der andauernden Gefechte blieben in Sanaa am Freitag die meisten Geschäfte geschlossen, die Schlangen vor den Tankstellen wurden länger. Viele Einwohner und auch Diplomaten flohen vor den Kämpfen in denen nun der jemenitische Machtkampf entschieden werden soll. Die seit Ende Januar demonstrierenden Jugendlichen spielen heute keine Rolle mehr. Der Kampf wird von denen ausgetragen, die zu den Waffen greifen: Salih, seine Familie und die weitgehend regimetreuen Sicherheitskräfte stehen auf der einen Seite. Oppositionelle Teile des Establishments wie Scheich Sadeq al Ahmar und der mit ihm nicht verwandte General Ali Muhsin al Ahmar statt stehen auf der anderen. Und dieser Konflikt in der lange Zeit gemeinsam herrschenden Klasse droht das Land in einen Bürgerkrieg zu ziehen.

          Ein letzter Anlauf, um ein Blutvergießen zu verhindern

          Die Kämpfe hatten sich zuletzt vor allem in dem Viertel Hassaba nördlich der Universität abgespielt. In der Nähe liegen viele Einrichtungen der Regierung, etwa das Innenministerium, das Staatsfernsehen und die staatliche Nachrichtenagentur Saba. In Hassaba befindet sich nahe des Sitzes der jemenitischen Fluggesellschaft Yemenia die Residenz von Sadeq al Ahmar. Etwas weiter im Norden liegt eine der wichtigsten Kasernen der regimetreuen Republikanischen Garden an, die unter dem Befehl von Salihs Sohn Ahmad Ali Salih stehen.

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