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Jemen : Mehr als 140 Tote bei Luftangriffen auf Trauerfeier

  • Aktualisiert am

Männer tragen die Leiche eines der Opfer der Luftangriffe aus dem attackierten Gebäude. Bild: dpa

Die Houthi-Rebellen machen die von den Amerikanern unterstützte Militärallianz für den Angriff verantwortlich. Die Regierung in Washington stellt ihre Aktivitäten in der Region nun auf den Prüfstand.

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          Im Jemen sind offenbar Dutzende Menschen bei einem Angriff auf eine Trauerfeier in Jemens Hauptstadt Sanaa getötet worden. Die Vereinten Nationen zitierten Vertreter der örtlichen Gesundheitsbehörden, wonach am Samstag mehr als 140 Menschen ums Leben kamen und über 525 verletzt wurden. Ghasi Ismail, der kommissarische Gesundheitsminister der Houthi-Rebellen, die Sanaa kontrollieren, sprach dagegen von 82 Toten und 534 Verletzten. Warum die Angaben so weit auseinanderlagen, war zunächst nicht klar.

          Ismail sagte, der Angriff sei von Kampfjets der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz geflogen worden. Vertreter der Koalition wiesen dies zurück. Es habe keinen Luftangriff der Allianz auf die Trauerfeier gegeben. Andere Ursachen des Bombardements müssten in Betracht gezogen werden. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten teilte mit, angesichts dieses und anderer Vorfälle werde die ohnehin schon zurückgefahrene Unterstützung der saudi-arabischen Allianz auf den Prüfstand gestellt: „Die Sicherheitszusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit Saudi-Arabien ist kein Blankoscheck.“

          Vereinte Nationen fordern Aufklärung

          UN-Koordinator McGoldrick sagte, Helfer im Jemen seien „entsetzt und schockiert“ über die Luftangriffe. Er forderte eine sofortige Untersuchung des Vorfalls: „Die Gewalt gegen Zivilisten im Jemen muss sofort beendet werden.“

          Armeeflugzeuge hätten ein öffentliches Gebäude in Sanaa bombardiert, in dem sich zahlreiche Trauernde nach dem Tod des Vaters eines ranghohen Rebellen versammelt hätten, meldete die von den Aufständischen kontrollierte Nachrichtenwebsite sabanews.net. Es handele sich um ein „Massaker“. Dem Sender Almasirah zufolge war auch der Bürgermeister von Sanaa, Abdel Kader Hilal, unter den Todesopfern. Ein Augenzeuge berichtete, zuerst habe ein Armeeflugzeug eine Rakete abgeschossen „und Minuten später hat ein weiteres Flugzeug geschossen“. Nach den Angriffen geriet das Gebäude in Brand und stürzte laut Anwohnern ein.

          In dem verarmten arabischen Land tobt ein Bürgerkrieg zwischen Anhängern der vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen und Gruppen, die Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi nahestehen. Sein Lager wird von der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz unterstützt. Radikale Islamisten, darunter der IS, haben zudem im Jemen Fuß gefasst und verüben immer wieder Anschläge mit vielen Todesopfern. Seit März 2015 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen getötet und mehr als drei Millionen vertrieben worden.

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