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Jemen : Abgleiten in die Anarchie

Unterstützung aus Teheran

Der wichtigste internationale Verbündete der Houthis ist Iran. Teheran hat in der Vergangenheit Waffen über die eritreische Insel Dahlak an die Houthis geliefert. Auf Dahlak bildete zudem die libanesische Hizbullah die Houthis militärisch aus und unterstützte sie beim Aufbau von Informationstechnologie. Die schiitischen Seminare in der iranischen Theologenstadt Qom sammelten Gelder für die Houthis, die meist von Kaufleuten in den Jemen gebracht wurden.

Der Aufstand der Houthis, benannt nach dem Gründer der Rebellenbewegung Hussein Badreddin al Houthi, begann 2004. Damals hatten sie 2000 Mann unter Waffen. Als sie am 21. September 2014 Sanaa einnahmen, waren es 20 000 Kämpfer; heute sollen es 100 000 Mann sein, schätzt Saif. Die meist jugendlichen und schlecht ausgerüsteten Kämpfer aus der lange vernachlässigten Provinz Saada wurden aber erst durch die Allianz mit Saleh eine schlagkräftige Truppe.

Den Houthis schloss sich, zusätzlich zu vielen Einheiten der Armee, die Republikanische Garde an. Sie stellte sich 2012 gegen Präsident Hadi, als der ihre Privilegien beschnitt. Die Soldaten der Eliteeinheit, die lange von Salihs Sohn Ahmad kommandiert worden war, stammen aus dem Nordjemen. Sie betrachten den Südjemeniten Hadi als Repräsentanten der 1990 aufgelösten sozialistischen Volksrepublik Südjemen. Am 16. September 2014 besiegte die Republikanische Garde entscheidend die Erste Division der jemenitischen Armee, die von Ali Muhsin al Ahmar kommandiert wurde, der als der militärische Führer der jemenitischen Muslimbrüder gilt. Saudi-Arabien unterstützt ihn.

Die Rückkehr der Al Qaida

Die Vereinigten Staaten hatten die Eroberung des Jemens durch die Houthis wohlwollend verfolgt. Denn die schiitischen Houthis, die selbst ein Ziel von Al Qaida sind, bekämpfen die Terrororganisation wirksamer als alle früheren Regierungen. Seit die Houthis aber die neuen Herrscher des Jemens sind, erhalte Al Qaida, das im Jemen ein „Emirat“ gründen will, aus Saudi-Arabien wieder Zulauf, warnt der heute in Dubai lebende Politikwissenschaftler Saif. Über die Grenzstadt Sharurah sickern Waffen und Gelder für sie ein. Die gemeinsame Feindschaft zu den schiitischen Houthis führt zudem Al Qaida und die Islah-Partei, den jemenitischen Arm der Muslimbrüder, zu einer neuen Allianz zusammen.

Gescheitert sind alle Anläufe, die anhaltenden Konflikte im Jemen politisch beizulegen. Der Nationale Dialog, der hoffnungsvoll am 27. November 2012 in Sanaa begonnen hatte, scheiterte, weil wichtige Akteure, die wie Salih militärisch mächtig sind, nicht eingebunden waren. Auch die Vereinten Nationen scheiterten. Die Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrats vom 14. April 2015 bleibt folgenlos, weil sie die saudische Position übernimmt. So werden bis auf weiteres die Houthis und Salih über den Jemen herrschen, der gewählte Präsident Hadi residiert weiter ohne Macht in Riad, und Ali Salem al Beidh, der frühere starke Mann des sozialistischen Südjemens, wartet in Wien auf seine Rückkehr an die Spitze eines wieder unabhängigen Südjemen.

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