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Israels Offensive in Gaza : Netanjahu: Waffenruhe nach Zerstörung der Tunnel

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Ein israelischer Soldat trägt am Mittwoch an der Grenze zum Gazastreifen eine Granate. Bild: AFP

Die israelische Regierung weitet die Bodenoffensive im Gazastreifen aus und mobilisiert weitere 16.000 Reservisten. Die Truppen sind nach eigenen Angaben kurz davor, das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören.

          Zwei Wochen nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen hat die israelische Armee 16.000 weitere Reservisten mobilisiert. Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstag, sie sollten zur Entlastung der kämpfenden Truppen eingesetzt werden. Die Zahl der einberufenen Reservisten belaufe sich damit insgesamt auf 86.000. Das israelische Sicherheitskabinett habe die Armee am Mittwoch angewiesen, den Militäreinsatz im Gazastreifen noch auszuweiten. Am Donnerstag wollte sich die israelische Regierung zu einer Sondersitzung versammeln, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

          Generalmajor Sami Turgeman, der Chef der Truppen im Gazastreifen, sagte am Mittwoch, man sei nur noch „einige Tage“ vom erklärten Ziel entfernt, das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören. Bislang seien 32 dieser geheimen Durchgänge nach Israel entdeckt und die Hälfte davon zerstört worden.

          Netanjahu: Keine Waffenruhe ohne Zerstörung der Tunnel

          Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte am Donnerstag eine Fortsetzung der Offensive im Gazastreifen an. Vorschläge für eine Waffenruhe seien nur dann akzeptabel, wenn sie es Israel erlaubten, weiter die Tunnelanlagen der radikal-islamischen Hamas zu zerstören, sagte Netanjahu zu Beginn einer Regierungssitzung in Tel Aviv. „Die Anlagen, die Hamas gebaut hat, hätten es ihr ermöglicht, Soldaten und Zivilisten (in Israel) an vielen Orten gleichzeitig anzugreifen“, sagte der Regierungschef.

          Die Armee habe bereits Dutzende „Terror-Tunnel“ zerstört und Hunderte militanter Palästinenser getötet. „Dies ist nur die erste Phase einer Entmilitarisierung des Gazastreifens“, sagte Netanjahu. Für dieses Ziel habe er eine breite internationale Unterstützung. „Die Armee ist weiter mit voller Macht im Einsatz.“ Netanjahu warnte vor einer Radikalisierung des politischen Diskurses in Israel und rief die Gesellschaft zur Einheit auf.

          Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, die Armee habe der im Gazastreifen herrschenden Hamas im Verlauf der Offensive „riesigen, nie dagewesenen Schaden“ zugefügt. „Wir werden nicht nachlassen, bis wieder Ruhe und Sicherheit herrschen.“ Die Hamas versuche, die große Zahl ihrer getöteten Kämpfer zu verbergen. „Die Hamas zahlt einen sehr hohen Preis.“

          Ban: Abscheulicher Angriff

          Bei einem neuerlichen Angriff auf das Flüchtlingslager Dschabalija im Norden des Gazastreifens waren am Donnerstag mindestens 15 Palästinenser getötet worden, die in einer Schule der Vereinten Nationen Zuflucht suchten. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte griff die israelische Armee aus der Luft eine Moschee in der Nähe der Schule an. Bei der Attacke hätten Trümmer die Schule getroffen. Zwei Menschen trugen demnach schwere Verletzungen davon.

          Insgesamt wurden nach Angaben palästinensischer Behörden bei den israelischen Angriffen bislang 1361 Palästinenser getötet. Die meisten von ihnen seien Zivilisten. Auf israelischer Seite starben in den Kämpfen 56 Soldaten sowie drei Zivilisten durch Raketenbeschuss der Hamas. Angesichts der steigenden Totenzahlen und der verheerenden Zerstörungen im Gazastreifen hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Palästinensergebiet am Mittwoch zum „humanitären Katastrophengebiet“ erklärt. Er forderte die Vereinten Nationen dazu auf, alles zu unternehmen, um den Menschen in der Küsten-Enklave am Mittelmeer zu helfen.

          Die israelische Armee hatte am Mittwoch abermals eine UN-Schule beschossen, in der die Vereinten Nationen versucht hatten, Zivilisten zu schützen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Angriff als abscheulich und nicht zu rechtfertigen. Sein Stellvertreter Jan Eliasson sagte in New York: „Das Maß ist voll.“ Auch die amerikanische Regierung kritisierte den Beschuss. Die Vereinten Nationen und die Regierung in Washington forderten die Konfliktparteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Der langjährige Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks (UNWRA), Chris Gunness, brach angesichts der schlimmen Zustände bei einem Live-Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira in Tränen aus. „Die Rechte der Palästinenser, sogar ihrer Kinder, werden völlig verwehrt, und es ist entsetzlich“, sagte Gunness und begann verzweifelt zu schluchzen. Das Interview musste daraufhin abgebrochen werden.

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