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Israelischer Wehrdienst : Für die Truppe, fürs Leben

Üben für den Ernstfall: Israelische Jugendliche trainieren am Strand von Herzilija für die Zeit in den Eliteeinheiten der Armee Bild: Juval Eilam Educational Center

Tausende Israelis streben Jahr für Jahr in die Eliteeinheiten der Armee. Viele rüsten sich schon während der Schulzeit in Kursen dafür – und bilden Netzwerke, die lange halten.

          Matan Schottig ist nicht zufrieden. „Ihr wart heute Abend unkonzentriert und laut“, schimpft der junge Israeli. Nach eineinhalb Stunden Training heißt das für die 25 Jugendlichen unter seinem Kommando: noch ein Dutzend Liegestütze. Alle halten durch, auch wenn die meisten am Ende ihrer Kräfte sind. Die Übungen zuvor hatten es in sich: Sie mussten zu viert eine Kette bilden und gemeinsam über den Hartplatz rennen, dann zu viert einen Kameraden tragen, als wäre er verletzt. „Wenn ihr erst in der Armee seid, werdet ihr sehen: Dort geht es um Kameradschaft und Disziplin. Als Soldaten werdet ihr eure besten Freunde für den Rest des Lebens finden“, sagt Matan Schottig.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wenn der Zahnmedizinstudent von seiner Zeit in der Armee erzählt, herrscht unter den 17 und 18 Jahre alten Schülern aufmerksames Schweigen, denn er ist ihr großes Vorbild. Als Soldat war Schottig Scharfschütze bei der „Duvdevan“-Elitetruppe, die im Häuserkampf zum Einsatz kommt. Viele in seiner Jerusalemer Gruppe wollen auch in eine solche Spezialeinheit, einige träumen davon, Kampfpiloten zu werden oder zum Militärgeheimdienst zu gehen. Deshalb überlassen sie es nicht dem Zufall, welchem Truppenteil die Musterungskommission sie zuteilt. Während ihre Klassenkameraden ihre Facebook-Seite aktualisieren oder ausgehen, lassen sie sich von Matan Schottig an zwei Abenden über den Sportplatz im Jerusalemer Stadtteil Katamon scheuchen.

          „Was ich später einmal studiere, weiß ich noch nicht. Aber dass ich mich bei Sajeret Matkal bewerbe, ist schon klar“, sagt Elad. Der 17 Jahre alten Abiturient will unbedingt zu den „Spähern des Generalstabs“ – so lautet der Name der Eliteeinheit auf Deutsch. Dort dienten auch schon Ministerpräsidenten wie Benjamin Netanjahu und Ehud Barak. Elad weiß, dass die Auswahl gnadenlos hart ist. Die Eignungstests dauern eine ganze Woche. Und während der Ausbildung wird weiter kräftig ausgesiebt. Noa trainiert in Elads Gruppe. Die 18 Jahre alte Abiturientin hat ihren ersten Vorstellungstermin bei „Karakal“ schon hinter sich. So heißen die „Wüstenfüchse“ auf Hebräisch, die im Süden Israels an der ägyptischen Grenze stationiert sind. Die Kampfeinheit besteht zu mehr als der Hälfte aus Frauen. „Ich will zeigen, was in mir steckt. Das ist wichtig für mich selbst und mein Land“, sagt Noa.

          „Man muss auch etwas im Kopf haben“

          Die Jugendorganisation Aharai richtet diesen Vorbereitungskurs aus. Die Schüler müssen nur ihren Mitgliedsbeitrag entrichten. Bei kommerziellen Anbietern ist das nicht so billig. Sie verlangen für das Training jeden Monat bis zu 80 Euro. Trotzdem können auch sie die große Nachfrage kaum befriedigen: Tausende Israelis streben Jahr für Jahr in die Eliteeinheiten des Militärs.

          „Die Armee ist nur ein wichtiger Schritt im Leben eines jeden Israeli. Wir wollen, dass die jungen Leute auch danach Verantwortung für andere übernehmen und gute Staatsbürger werden“, sagt Ran Primovitch, der früher selbst in einer Spezialeinheit kämpfte und heute für die Aharai-Gruppen in Jerusalem zuständig ist. Deshalb gehört zum Training auch Sozialarbeit. Matan Schottigs Schüler bereiten in diesen Tagen geistig Behinderte für den Jerusalemer Stadt-Marathon vor. Die 5000 Jugendlichen, die bei Aharai Mitglieder sind, sollen selbst Vorbilder werden, wie schon der Name der Gruppe andeutet: „Aharai“ („Mir nach“) ruft in Israel der Kommandeur einer Fallschirmjägereinheit, wenn er als Erster aus dem Flugzeug springt.

          In Jerusalem ist es auf dem Hartplatz an den Abenden der Wintermonate empfindlich kühl. Die Jugendlichen sind froh, wenn sie sich in der Turnhalle der Schule aufwärmen können. In der Küstenstadt Herzilija wird nicht nur im Sommer am langen Sandstrand trainiert. Wenn es sein muss, jagt Juval Eilam die jungen Männer und Frauen auch in die Wellen. „Die Schule bereitet sie nicht mehr richtig auf die Armee vor. Sie essen zu viel Junkfood und bewegen sich zu wenig“, sagt Eilam, der einer der Ersten war, die aus den Vorbereitungskursen ein Geschäft gemacht haben. Seit 30 Jahren bietet er diese an. Früher war Eilam bei der Luftrettungsrettungseinheit „669“; später wählte er Rekruten für Spezialeinheiten aus.

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