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Israelischer Wehrdienst : Für die Truppe, fürs Leben

In Eilams Ausbildungszentrum in der israelischen Küstenstadt, in der sich gerne Botschafter und Millionäre niederlassen, geht es elitärer zu als bei Aharai. Eilam bereitet seine derzeit 200 Schüler ganz gezielt auf die Truppe vor, in die sie aufgenommen werden wollen. „Wenn man in der Schule eine Mathematik-Prüfung ablegen muss, lernt man dafür nicht Geschichte“, sagte er. „Die Tests sind kein sportlicher Wettkampf. Man muss auch etwas im Kopf haben“, sagt Eilam. Deshalb gehört bei ihm neben den drei Trainingseinheiten in der Woche auch ein wöchentlicher Vortrag dazu: über den Aufbau der Armee, wie man sich am besten ernährt und mit Rückschlägen umgeht.

Für manche ist die Armee ein Sprungbrett

Eilam sagt, er wolle die Jugendlichen fürs Leben fit machen, „ihnen zeigen, wie sie sich Ziele setzen und sie erreichen können“. Das hält er auch deshalb für wichtig, weil seine Schüler unselbständiger und weniger erwachsen seien als früher. In der Vergangenheit seien sie auf eigene Faust zu ihm gekommen. Heute brächten sie oft die Eltern vorbei, die sich dann selbst ausgiebig über seine Kurse erkundigten. Wie wichtig die charakterliche Eignung sei, bestätigt Dani Ben Dov. Exzellente körperliche und geistige Fitness sei nicht zu unterschätzen, „aber am wichtigsten ist es, sich selbst treu zu sein und sein wahres Gesicht zu zeigen. Mit den vielen Tests kommen wir hinter die erfundenen Geschichten und stoßen am Ende dorthin vor, was den Soldaten wirklich ausmacht“, sagt der Major, der unter anderem bei den Fallschirmjägern für die Musterung der Rekruten verantwortlich ist.

Allerdings sind lange nicht alle jungen Israelis so motiviert wie die Schüler in Herzilija und Jerusalem. Und lange nicht jeder ist geeignet. Es zeichnet sich auch ab, dass das gesamte Reservoir, aus dem die Armee schöpfen kann, kleiner wird. So leisten mittlerweile 45 Prozent der jungen Frauen keinen Wehrdienst. Für Frauen genügt es, sich von einem Rabbiner bestätigen zu lassen, dass sie religiös sind und den Schabbat einhalten, damit sie nicht für zwei Jahre eingezogen werden. Diese Möglichkeit nutzen immer wieder auch Frauen, die am Wochenende in Wirklichkeit in die Diskothek und nicht in die Synagoge gehen. Auch bei den Männern, die drei Jahre lang dienen müssen, zeichnen sich Engpässe ab: In den Grundschulen stammt schon heute ein Viertel der Schüler aus ultraorthodoxen Familien, die bisher nur in Ausnahmefällen ihre Männer in die Armee schicken. Ähnlich hoch ist der Anteil der israelischen Araber, die keinen Wehrdienst leisten müssen.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Schulbildung. Die Pisa-Tests, an denen auch israelische Schulen teilnehmen, zeigen einen deutlichen Rückstand im Vergleich zu den übrigen OECD-Mitgliedstaaten – besonders in Mathematik und den Naturwissenschaften. Diese Entwicklung verfolgt auch die Armee mit Sorge, denn sie braucht Soldaten, die auf diesem Gebiet besonders begabt sind. Das zeigt das Beispiel der geheimen Einheit „Acht Zweihundert“. Deren Soldaten betreiben elektronische Aufklärung und rüsten sich angeblich auch für künftige Cyberkriege; manche vergleichen die Einheit mit der amerikanischen NSA. Ihr Bedarf an hochqualifizierten Kandidaten wächst schnell. Vor wenigen Jahren seien jährlich hundert neue Rekruten in diese Cybereinheiten eingezogen worden, wie die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ berichtet. Derzeit seien es fünfhundert, bald könnten es jedes Jahr tausend sein.

Der Wehrdienst in der Hightech-Truppe lohnt sich. Während ihrer Militärzeit knüpfen Israelis das Netzwerk, das ihnen später beruflich oft hilft. Für manche ist die Armee sogar ein Sprungbrett. In Stellenanzeigen suchen neue Start-up-Firmen nicht nur nach Kandidaten mit besonderer Berufserfahrung oder erstklassigen Studienabschlüssen. Sie nennen auch die Computereinheiten, deren Veteranen sie den Vorzug geben. Die Verbundenheit reicht bei manchen ehemaligen Soldaten sogar noch weiter zurück. Für Ran Primovitch sollen die Trainer der Vorbereitungskurse bei Aharai so etwas wie „große Brüder“ sein, zu denen der Kontakt auch nach der Armee nicht abreißt.

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