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Israelische Militäraktion : Angriff auf die „Achse des Widerstands“

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Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah bei einer Fernsehansprache: Ideologie und Drohungen Bild: AP

Angeblich sollte die israelische Militäraktion in Syrien auch den Waffennachschub für die schiitische Miliz im Libanon unterbinden. Ein Sturz des Assad-Regimes würde auch Hizbullah-Führer Nasrallah einen schweren Schlag versetzen.

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          Seine bislang letzte Rede ist schon dreißig Tage her. Als sich Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah Anfang Januar an seine Anhänger wandte, stand das syrisch-libanesische Verhältnis ganz im Mittelpunkt seiner Fernsehansprache. „Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass der Libanon von dem, was in Syrien passiert, mehr beeinflusst ist als jede anderer Ort in der Region“, sagte er. In Syrien finde ein „echter Krieg“ statt, und Libanon sei wegen seiner historischen, konfessionellen, geographischen und politischen Bindungen beeinflusst von den Kämpfen in Nachbarland.

          Die Veranstaltung zu Ehren des schiitischen Imam Husseins, an die sich Nasrallah per Liveschaltung beteiligte, fand auf einem Militärflughafen in Baalbek statt - nur fünfzig Kilometer Luftlinie von jenem Ort entfernt, der nach syrischen Angaben in der Nacht auf Mittwoch bombardiert wurde. Eine militärische Forschungsanstalt sei in Dschamraija nahe Damaskus getroffen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Nasrallah hat sich bislang nicht zu dem Angriff geäußert.

          Israelische und libanesische Quellen sprechen vom Beschuss eines Militärkonvois, der Waffen für die Hizbullah in die Bekaa-Ebene transportieren sollte. „Die Bekaa und der Norden sind die Regionen im Libanon, die am meisten von dem beeinflusst sind, was in Syrien passiert“, sagte Nasrallah in der auf eine Videoleinwand übertragenen Rede in der Bekaa-Hauptstadt Baalbek.

          Hier, an der Grenze zu Syrien, hat die schiitische „Partei Gottes“ neben dem südlichen Grenzgebiet zu Israel und der südlichen Vorstadt der Hauptstadt, der Dahijeh, ihre wichtigste Basis. In Baalbek begann nach der israelischen Belagerung Beiruts 1982 mit iranischer Unterstützung der Aufstieg der Parteimiliz zur stärksten nichtstaatlichen Organisation der Region.

          Bedrohtes Bündnis

          Gut dreißig Jahre später ist das im Zuge der iranischen Revolution geschlossene Bündnis zwischen der religiösen Führung der Islamischen Republik und dem Vater des heutigen syrischen Präsidenten, Hafiz al Assad, weiterhin intakt. Als „Achse des Widerstands“ sehen sich Baschar al Assad und Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad, denen es Mitte des vergangenen Jahrzehnts gelang, auch Venezuelas Präsident Hugo Chavez in ihre Allianz einzubinden.

          Doch der Krieg in Syrien, der gut ein Jahr nach Beginn der Revolution gegen Assad im Frühjahr 2012 begann, stellt eine immer größere Herausforderung für das bedrohte Bündnis dar. Angeblich soll der beschossene Waffentransport in Syrien gelagerten Hizbullah-Waffen gegolten haben, die zurück in den Libanon gebracht werden sollten, damit sie im Falle eines Sturzes Assads nicht in die Hände bewaffneter Aufständischer fielen. Jene, die glaubten, die Opposition könnte den Krieg in Syrien gewinnen, lägen „sehr, sehr, sehr falsch“, sagte Nasrallah im Dezember 2012, als bereits mehr als 60.000 Menschen in Syrien getötet worden waren.

          Anders als die Hamas Khaled Meschals, die sich vergangenes Jahr von Assad lossagte und ihr Politbüro seitdem im qatarischen Doha, nicht mehr in Damaskus unterhält, hält Nasrallah an der Allianz mit Assad fest. Für die Hizbullah würde ein Sturz des Assad-Regimes einen schweren Schlag bedeuten: Das alawitische Minderheitenregime steht Nasrallahs schiitischer Parteimiliz nicht nur konfessionell nahe, sondern sichert seit Jahrzehnten den Waffennachschub über die Grenze in die libanesische Bekaa-Ebene. Bis zuletzt galt der unweit der nordlibanesischen Grenze gelegene syrische Seehafen Latakia als Hauptumschlagplatz für iranische Waffen, die zuvor auf den Flughafen von Damaskus gebracht worden waren.

          „Achse des Widerstand“

          Den ideologischen Kern der „Achse des Widerstand“ vertritt Nasrallah wie kein zweiter: Der Kampf gegen Israel müsse solange fortgeführt werden, bis Palästina befreit sei, sagt der 1992 nach der Tötung seines Vorgängers, Abbas al Musawi, bei einem israelischen Hubschraubereinsatz an die Spitze der Parteimiliz gelangte Hizbullah-Chef.

          Gleichzeitig weiß er um die regionale Dimension eines Angriffs auf den südlichen Nachbarn. Nach der Entführung von zwei israelischen Soldaten im Juli 2006 begann Israel den Zweiten Libanon-Krieg - Nasrallah Rhetorik vom „Sieg Gottes“ konnte die erheblichen Zerstörungen nicht überdecken. Auch in Teheran sah man die Operation kritisch: Innerhalb weniger Stunden gelang es der israelischen Luftwaffe, das über Jahre aufgebaute Langstreckenraketenarsenal zu zerstören.

          Beobachter in Beirut halten einen Angriff auf Israel deshalb wenig wahrscheinlich. Auch zum Jahreswechsel 2009 / 2010, während des Gaza-Krieges, schossen lediglich im Südlibanon aktive palästinensische Gruppen Raketen Richtung Süden. Und im vergangenen November, als Hamas und Islamischer Dschihad israelisches Territorium beschossen, hielt sich die Hizbullah ebenfalls zurück.

          Eine Drohung Nasrallahs freilich steht seit 2008 unerfüllt im Raum: die Ermordung Imad Mughnijehs werde gerächt werden. Der Hizbullah-Militärchef war in Damaskus bei einem Autobombenanschlag getötet worden - in wenigen Tagen, am 12. Februar, jährt sich das mutmaßlich von israelischen Agenten ausgeführte Attentat zum fünften Mal.

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