https://www.faz.net/-gq5-7s63y

Gaza-Konflikt : Israelischer Angriff trifft abermals Schulgebäude

  • Aktualisiert am

Rauch über Gaza-Stadt: Auch am Mittwoch Morgen ging der Beschuss des Gaza-Streifens durch die israelische Armee weiter. Bild: REUTERS

Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen ist offenbar auch eine Schule in Dschabalija getroffen worden, die vom UN-Hilfswerk als Zufluchtsstätte für palästinensische Flüchtlinge genutzt wird. Die Rede ist von bis zu 20 Toten.

          Bei israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen sind in der Nacht zum Mittwoch mindestens 32 Palästinenser getötet worden, ein Großteil davon in einer als Zufluchtsstätte genutzten Mädchenschule des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) in Dschabalija. Das UNRWA sprach nach dem dortigen Angriff mit Panzergranaten von 16 Toten, Ärzte gaben die Zahl der Toten mit 20 an. Zwei Klassenräume des Schulgebäudes im Lager Dschabalija wurden von Panzergranaten verwüstet.

          Das UN-Hilfswerk UNRWA verwaltet mehr als 80 Schulen. Angesichts israelischer Aufforderungen zum Verlassen bestimmter Angriffszonen suchen tausende von Palästinensern in den Schulgebäuden Zuflucht. Am 24. Juli waren bei einem Angriff auf eine UNRWA-Schule bei Beit Hanun mindestens 15 Menschen getötet und 200 verletzt worden. Nach israelischen Medienangaben wurden zu Beginn des 23. Tags der Militäroperation gegen palästinensische Extremisten Dutzende „Terrorziele“ bombardiert.

          Bilderstrecke

          Die palästinensischen Rettungsdienste kommen in ihrer Zusammenstellung zu der jüngsten militärischen Konfrontation, die am 8. Juli  begann, auf insgesamt mindestens 1260 getötete und mehr als 7000 verletzte Palästinenser. Unter den jüngsten Toten sind acht Mitglieder einer Familie in der Stadt Chan Junis sowie zwei Mädchen im Alter von elf und 16 Jahren. Getroffen wurden über Nacht auch drei Moscheen, wie die palästinensischen Sicherheitskräfte mitteilten. Die getroffenen islamischen Gotteshäuser befinden sich demnach in Gaza-Stadt, im Lager Schati und in Rafah.

          Waffenruhe in weiter Ferne

          Ein Ende der Gewalt ist auch zu Beginn der vierten Kampfwoche im Gazakonflikt nicht in Sicht. Die Bereitschaft zu einem verlässlichen Waffenstillstand ist auf beiden Seiten nicht sonderlich ausgeprägt: Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) erklärte zwar, die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad hätten einer 24-stündigen „humanitären Waffenruhe“ zugestimmt.

          PLO-Generalsekretär Jassir Abed Rabbo rief auch „alle arabischen und internationalen“ Beteiligten auf, die Waffenruhe zu unterstützen und Israel vollständig für die Folgen verantwortlich zu machen, sollte es die Feuerpause ablehnen.

          Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri äußerte sich jedoch skeptisch. Zuerst müsse die Reaktion Israels abgewartet werden. „Wir werden keine Feuerpause erklären, solange der Besatzer weiter unsere Kinder angreift“, erklärte Suhri im sozialen Netzwerk Facebook. Es werde keine Waffenruhe geben „ohne ein Ende der Aggression und einer Aufhebung der Belagerung“, erklärte auch der Chef der Essedin-al-Kassam-Brigaden, Mohammed Deif. Die Brigaden sind der militärische Arm der Hamas.

          Deifs Audio-Botschaft wurde über den Fernsehsender der Hamas verbreitetet. Es war seine erste öffentliche Äußerung seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen.

          Schon am Montagabend hatte Israel die Zivilbevölkerung rund um die Stadt Gaza zur sofortigen Flucht aufgefordert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schwor sein Volk später auf einen „langen Feldzug“ ein. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef wurden bei der jüngsten Konfrontation im Gazastreifen mindestens 240 Kinder getötet.

          Chile und Peru riefen wegen der Verschärfung der israelischen Militäroperationen im Gazastreifen ihre Botschafter in Israel zu Konsultationen zurück. Chile beobachte mit großer Sorge die Einsätze, die derzeit eine „kollektive Bestrafung“ der palästinensischen Bevölkerung darstellten, hieß es am Dienstag (Ortszeit) in einer Mitteilung des chilenischen Außenministeriums. Die Militäroperationen respektierten keine Normen des internationalen Menschenrechtes, wie die mehr als 1000 zivilen Opfer, darunter Frauen und Kinder, zeigten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.