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Israel : Plötzlich ein Gasexporteur

Marinesoldaten nahe einer israelischen Förderplattform vor Aschdod Bild: REUTERS

Die Gasvorkommen vor der Küste machen Israel zu einem begehrten Wirtschaftspartner – auch für arabische Nachbarstaaten, die bislang aus politischen Gründen Abstand hielten.

          Auf den überraschenden Segen folgte die Qual der Wahl. Israel ist zu einem gefragten Energie-Exporteur geworden. Die in den vergangenen Jahren entdeckten Erdgasvorkommen an der Mittelmeerküste machen das Land zwar nicht zu einem zweiten Qatar. Aber sie reichen dafür aus, dass sich Israel bis zu 150 Jahre lang selbst mit Energie versorgen kann, wenn es nicht einen Teil davon exportiert – auch dafür sind genügend Vorräte vorhanden. Der neue Reichtum erfreut nicht nur den israelischen Finanzminister: Für Israel als Wirtschaftspartner interessieren sich auf einmal Staaten, die sonst aus politischen Gründen Abstand halten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Noch vor zwei Jahren drohte Israel das Erdgas auszugehen. Vierzig Prozent des Nachschubs stammten aus Ägypten. Doch die Lieferungen aus dem Nachbarland mussten eingestellt werden. Während der Wirren der Arabellion griffen Terroristen die Leitung auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel unzählige Male an. Nun könnte Israel bald Erdgas nach Ägypten liefern, wenn auch nicht für die Konsumenten des ersten arabischen Landes, mit dem es Frieden schloss. Stattdessen soll das israelische Gas in der ägyptischen Hafenstadt Damiette in Flüssiggas verwandelt und in Schiffen nach Europa geliefert werden.

          Die Betreiber des zweitgrößten israelischen Gasfelds „Tamar“ unterzeichneten in den vergangenen Tagen mit der spanischen Firma „Union Fenosa Gas SA“ eine Absichtserklärung. Sie sieht jährliche Lieferungen im Wert von 1,3 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 15 Jahren vor. Das gesamte Geschäftsvolumen würde sich auf knapp 20 Milliarden Dollar belaufen, wenn ein verbindlicher Vertrag zustande kommt; das streben beide Seiten innerhalb von sechs Monaten an. Die spanischen Betreiber der Verflüssigungsanlage brauchen dringend Erdgas, seit die ägyptische Regierung beschlossen hat, das eigene Gas nur noch für den heimischen Bedarf zu verwenden. Sollte der spanisch-israelische Gashandel in die Tat umgesetzt werden, müsste noch eine neue Leitung gebaut werden. Sie soll unter dem Mittelmeer von der israelischen Hafenstadt Aschdod direkt zu der Anlage unweit der Mündung des Suezkanals verlaufen.

          Eine neue Unterseeleitung zur Türkei

          Das israelische Erdgas öffnet für Israel wenigstens wirtschaftlich Türen zu Nachbarn, zu denen die Beziehungen bisher kühl oder angespannt waren. So wird das „Tamar“-Feld von 2016 an auch Jordanien beliefern. Im Februar unterzeichneten die israelischen Betreiber einen Vertrag mit den jordanischen „Arab Potash and Jordan Bromine Companies“, die am Toten Meer Mineralstoffe abbauen. Für eine halbe Milliarde Dollar sollen sie 1,8 Milliarden Kubikmeter erhalten. Im Januar hatten die Eigentümer des israelischen Gasfelds „Leviathan“, das doppelt so groß wie „Tamar“ ist, ein Lieferabkommen mit der „Palestine Power Generation Company“ geschlossen. Während die Friedensgespräche der Politiker beider Seiten im April ein weiteres Mal scheiterten, einigten sich die Geschäftsleute auf die Lieferung von insgesamt knapp fünf Milliarden Kubikmeter im Wert von 1,2 Milliarden Dollar. Von 2017 wird israelisches Gas 20 Jahre lang dafür sorgen, dass ein neues Kraftwerk in Dschenin im Westjordanland Strom produziert.

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