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Israel : Warten auf den Tag danach

Sieht sein Land gegen Bedrohungen aus Syrien gewappnet: Israels Premier Benjamin Netanjahu Bild: dpa

In Israel ist zwar die Nachfrage nach Gasmasken gestiegen, von Kriegsangst aber ist wenig zu spüren. Militär und Regierung halten es für wenig wahrscheinlich, dass Syrien und seine Unterstützer nach einem amerikanischen Angriff in Israel Vergeltung üben könnten.

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          Am Mittwoch berief der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sein Sicherheitskabinett zu einer Dringlichkeitssitzung ein. Doch zu diesem Zeitpunkt war längst alles gesagt. „Wir sind nicht Teil des Bürgerkriegs in Syrien, aber wenn wir feststellen, dass uns jemand zu schaden versucht, werden wir mit aller Macht zurückschlagen“, hatte Netanjahu schon vor der Sitzung angekündigt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Verteidigungsminister Mosche Jaalon hatte über iranische und syrische Drohungen gesagt, Israel werde „verantwortungsvoll und vernünftig“ reagieren. Wer Israel herausfordern wolle, werde „mit der ganzen Macht der israelischen Armee konfrontiert“. Zuvor hatte Syriens Verbündeter Iran einmal mehr mit einem Vergeltungsschlag gegen Israel gedroht: „Wir warnen den Westen: Im Falle eines Krieges in Syrien sollten sie sich auch um ihr illegitimes Kind (Israel) große Sorgen machen“, sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna. In Israel stieg zwar in den vergangenen Tagen die Nachfrage nach Gasmasken, aber von Kriegsangst ist bisher wenig zu spüren.

          Israel bereitet sich nach Netanjahus Worten auf „alle Szenarien“ vor, ohne dass die Bürger ihre Alltagsgewohnheiten ändern müssten. Israelische Militärs halten es für wenig wahrscheinlich, dass Syrien und seine Unterstützer nach einem amerikanischen Angriff in Israel Vergeltung üben könnten. Mordechai Kedar von der Bar-Ilan-Universität warnt trotzdem davor, dass der syrische Machthaber Baschar al Assad Israel angreifen könnte, wenn er den Eindruck habe, er habe nichts mehr zu verlieren.

          Mit dem jüngsten Chemiewaffeneinsatz habe er bewiesen, dass er vor Massenmorden nicht zurückschrecke. Ejal Zisser von der Universität Tel Aviv erwartet jedoch keine solche extreme Reaktion. „In der Vergangenheit war die syrische Antwort immer das Ausbleiben einer Antwort“, sagte Zisser am Mittwoch im israelischen Rundfunk. Das syrische Regime werde sich wegducken und abwarten, bis alles vorüber sei, um dann wieder die Aufständischen zu bekämpfen, mit denen Assad glaubt, fertig zu werden.

          Israelischen Luftwaffenangriffen folgten leere Drohungen

          Vier Mal hat die israelische Luftwaffe nach von der Regierung unbestätigten Berichten alleine in diesem Jahr in Syrien eingegriffen. Im Jahr 2007 wurde im Süden Syriens ein Reaktor zerstört, 2008 wurde Imad Mugnijeh, der Militärchef der Hizbullah, bei einem Attentat in Damaskus getötet. Wenn überhaupt, hat Assad in solchen Fällen bislang nur mit Drohungen reagiert. Zudem hat der Bürgerkrieg das syrische Raketenarsenal schon stark dezimiert. Viel hänge davon ab, wie massiv ein möglicher amerikanischer Angriff ausfalle, schreibt am Mittwoch die Zeitung „Jediot Ahronot“. Wenn es sich nur um einige Dutzend Tomahawk-Raketen gegen militärische Ziele handele, werde sich Syrien zurückhalten. Bei Hunderten Raketen, die große Schäden anrichten, könnten sich die Syrer zu einer Racheaktion genötigt sehen. Aber auch das müsste nicht automatisch israelische Vergeltung nach sich ziehen: Als im Januar 1991 der irakische Machthaber Saddam Hussein Israel mit Scud-Raketen beschießen ließ, verzichtete die Regierung in Jerusalem darauf, das Feuer zu erwidern. Auch die mit Assad verbündete libanesische Hizbullah-Miliz ging seit dem Krieg mit Israel im Sommer 2006 einer militärischen Auseinandersetzung aus dem Wege.

          In Israel wäre ein amerikanischer Militärschlag ein willkommenes Signal an Assads Verbündete in Teheran. Nach dieser Lesart würde er Iran mit Blick auf dessen Atomprogramm deutlich machen, dass der Westen nicht nur mahnt und droht, sondern auch eingreift, wenn „rote Linien“ verletzt werden. Israelische Politiker hatten noch vor wenigen Tagen den amerikanischen Präsidenten Barack Obama dafür kritisiert, dass er abermals einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien tatenlos hinnehme. Dabei habe er vor einem Jahr die Verwendung chemischer Kampfstoffe als „rote Linie“ bezeichnet, deren Verletzung nicht folgenlos bleiben werde.

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