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Israel und Iran : Kühle Reaktion

Nettigkeiten als Ablenkungsmanöver? Hassan Rohani nach seiner Wahl zum iranischen Präsidenten im Juni in Teheran Bild: Reuters

Israel befürchtet, dass der neue iranische Präsident Rohani mit seiner ungewohnten Nettigkeit nur dafür sorgen will, dass die Sanktionen gegen sein Land gelockert werden.

          Ministerpräsident Netanjahu bedankte sich nicht einmal für die überraschenden Grüße zum jüdischen Neujahresfest, die der iranische Präsident Hassan Rohani schickte. Ähnlich kühl fielen die israelischen Reaktionen auf Außenminister Mohammad Zarif aus, der den Holocaust anerkannte. Das ist keine Überraschung. Schon die Wahl des moderaten Rohani hatte in Israel keine Erleichterung hervorgerufen. Die Regierung befürchtet, dass der neue Präsident mit ungewohnten Nettigkeiten Amerikaner und Europäer ausgerechnet zu dem Zeitpunkt einlullt, an dem es gilt, mit schärferen Sanktionen und vielleicht sogar einem Militärschlag Härte zu zeigen. Denn es bleibt höchstens ein Jahr, um Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen, bei deren Bau Rohani einst selbst mitwirkte.

          Für manche Israelis ist er deshalb nur ein Wolf im Schafspelz, weil er als Unterhändler die Atomgespräche nur dafür genutzt habe, Zeit zu gewinnen. Die mangelnde Begeisterung über die neuen Töne aus Teheran hat aber noch einen anderen Grund. In Israel nimmt man den iranischen Präsidenten nicht allzu ernst. Das letzte Wort hat weiterhin der geistliche Führer Chamenei. Und der hat bisher weder seine Rhetorik noch seine Politik geändert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

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